Tun Zu Quotes

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Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muß auch tun.
Johann Wolfgang von Goethe
Die Bild-Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun
Max Goldt
Viele Menschen sind gut erzogen, um nicht mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun.
Orson Welles
Das habe ich gelernt: Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. Sie lässt dich regenbogenfarbene Bonbons verteilen, sie lässt dich in roten Schuhen durch die Straßen tanzen, und sie schreckt nicht davor zurück, dich nachts mit blutenden Händen Gräber in paradiesische Gärten hacken zu lassen. Liebe schlägt dir tiefe Wunden, aber auf eine ihr eigene Art heilt sie auch deine Narben, vorausgesetzt, du vertraust ihr und gibst ihr die Zeit dazu. Meine Narben werde ich nicht anrühren. Ich werde neue Wunden davontragen, noch ehe die alten verheilt sind, und ich werde anderen Menschen Wunden zufügen. Jeder von uns trägt ein Messer." (S.456f.)
Andreas Steinhöfel
In Wahrheit sind all diese Nihilisten und Zyniker Schisser. Sie tun so, als wäre alles bedeutungslos, denn dann gibt es am Ende auch nichts zu verlieren. Ihre Haltung scheint unangreifbar und überlegen, aber sie ist im Innern auch nichts wert.
Benedict Wells (Vom Ende der Einsamkeit)
„Wenn nun aber die Natur einmal korrupt ist, was soll man tun?“ „Erstens es wissen, als ein Verhängnis und ohne etwas Positives daraus machen zu wollen. Zweitens ihr trotzdem folgen. Ergreifen, wovon man ergriffen ist.
Heimito von Doderer (Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre)
Wenn ein Mann alt genug ist, um unrecht zu tun, so sollte er alt genug sein, um recht zu tun.
Oscar Wilde (A Woman of No Importance)
Und so schleppe ich mein Leben damit hin, das zu tun, was ich nicht will, und das zu erträumen, was ich nicht haben kann, absurd wie eine stehen-gebliebene öffentliche Uhr. Nur die zarte, aber feste Sensibilität, der lange, aber vollauf bewusste Traum, bilden in ihrer Gesamtheit mein Halbschattenprivileg.
Fernando Pessoa
Die Tatsache, dass wahre Schönheit mit Selbstvergessenheit zu tun hatte, passte zum seltsamen Humor des Schöpfers: Jene, die sie besaßen, wussten nichts damit anzufangen, während alle, die etwas davon verstanden, niemals in ihren Besitz gelangten.
Juli Zeh (Spieltrieb)
[...] dass es völlig hirnrissig ist, etwas für andere Menschen zu tun, weil man selbst ein Mensch ist und deshalb weiß, wie wenig sie es verdienen? Kaum hat man das erkannt, bricht der Sinn jeglicher Beschäftigung in sich zusammen, und alles, was man fortan unternimmt, kann nur noch als Teil eines Spiels geschehen. Die Christen waren schlicht Pragmatiker mit ihrem 'Liebe deinen Nächsten'. Nur das 'wie dich selbst' hätten sie weglassen sollen.
Juli Zeh (Spieltrieb)
Wenn ein Idealist versucht, Gutes zu tun und dann scheitert, bekommt er einen Orden. Wenn ein Pragmatiker Erfolg hat, wünscht man ihn zum Teufel.
Stephen King (Night Shift)
Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, Dinge zu tun, die man nach Meinung anderer Leute nicht fertigbringt.
Marcel Aymé
Wichtigtuer sind zwar zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen. Aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun.
Erich von Däniken
Das Negative zu tun, ist uns noch auferlegt, das Positive ist uns schon gegeben.
Franz Kafka (The Zürau Aphorisms)
Die Kluft zwischen Ignoranz und Wissen ist viel kleiner als die Kluft zwischen Wissen und Tun.
Chris Guillebeau (Die Kunst, anders zu leben: Erschaffe deine eigenen Regeln und führe das Leben, das du dir wünschst)
Und natürlich hatte all das nichts mit dem zu tun, was später geschah, doch seit dieser Nacht wusste ich die unbeschwerten Momente noch ein wenig mehr zu schätzen.
Benedict Wells (Vom Ende der Einsamkeit)
Siehst Du, Momo", sagte er, "es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, die kann man niemals schaffen, denkt man." Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: "Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun, und zum Schluss ist man ganz aus der Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen!" Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: "Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst Du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, den nächsten Atemzug, den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur den nächsten." Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: "Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.
Michael Ende (Momo)
Stell dir dein Leben vor wie ein großes Haus mit vielen Zimmern, Phil. Einige dieser Zimmer sind leer, andere voller Gerümpel. Manche sind groß und voller Licht und wieder andere sind dunkel, sie verbergen Schrecken und Kummer. Und ab und zu - nur ab und zu, hörst du ? - öffnet sich zu einem dieser schrecklichen Zimmer und du musst hineinsehen, ob du willst oder nicht. Dann bekommst du große Angst, so wie jetzt. Weißt du, was du dann tust?" Ich schüttelte den Kopf. Tereza "Dann denkst du daran, dass es dein Leben ist - dein Haus, mit deinen Zimmer. Du hast die Schlüssel, Phil. Also schließt du die Tür zu diesem schrecklichen Zimmer einfach zu" Phil "Und dann werfe ich den Schlüssel weg" Tereza "Nein, das darfst du nicht tun, niemals! Denn eines Tages spürst du vielleicht, dass nur durch dieses schreckliche Zimmer der Weg in einen größeren, schöneren Teil des Hauses führt. Und dann brauchst du den Schlüssel. Du kannst deine Angst für eine Weile aussperren, aber irgendwann musst du dich ihr stellen" Phil "Wenn ich größer bin?" Tereza "Größer und mutiger, mein Kleiner. Und vielleicht auch nicht mehr allein.
Andreas Steinhöfel
Alles Mögliche kann einem im Leben passieren, und vor allem nichts. Manchmal kommt es mir seltsam vor, dass ich jemals versucht habe, glücklich zu werden. Der Mensch hat eine Vorliebe für Tragik, eine Voreinstellung, die sich im Laufe der Evolution bewährt hat. Man scheut das Risiko stärker, als man das Glück sucht, denn Verluste tun mehr weh, als Gewinne Freude bereiten. Mit jedem Jahr, das verstreicht, wird die Lage aussichtsloser, und am Ende kann man gar nicht fassen, dass DAS alles gewesen sein soll.
Heinz Strunk (Die Zunge Europas)
Immer müssen die Denkenden darauf verzichten zu leben, und die Lebenden haben es nicht nötig zu denken. Die erlösende Tat wird nie getan werden, denn der die Kraft hätte, sie zu tun, weiß nicht, dass er sie tun muss, und der Wissende ist unfähig zu handeln.
Marlen Haushofer (Wir töten Stella / Das fünfte Jahr)
Was auch um mich herum geschah, nie hatte ich das Gefühl, irgend etwas davon hätte mit mir zu tun. Die ganze Zeit über hielt ich gewissermaßen den Atem an und wartete auf meinen Einsatz, wartete auf die entscheidenden Worte, die fallen mussten, damit ich hinter dem Vorhang hervor auf die Bühne treten und mitspielen konnte. Aber das Leben ging weiter und weiter, die Worte fielen nicht, und die Jahre sammelten sich an wie Dreck und Laub in einer Regenrinne.
Karen Duve (Dies ist kein Liebeslied)
Manchmal denke ich – und es fällt mir schwer das zu sagen -, daß er die Menschen besser kennt als der Chef. Der Chef ist ein Idealist, ein großer Schatz, der das Beste für die Menschen will, ohne zu wissen, mit wem er es eigentlich zu tun hat. Luzifer aber weiß, daß sie lieber Himmel und Erde untergehen lassen würden, als ihr Auto abzumelden.
Harry Mulisch (The Discovery of Heaven)
Es ist übrigens bekannt, daß jemand, der auch nur ein einziges Mal in Gesellschaft etwas mehr als gewöhnlich und lebhaft oder gar witzig, interessant oder anregend gesprochen hat, ab da auf die Forderung aller anderen stößt, es nun wieder zu tun und sie also zu unterhalten. Tut er's dann nicht, wird man ihn geradezu befragen: „Nun, Herr X., Sie sind heute aber still?!“ […]. (Aus diesem einzigen und keinem anderen Grunde bleibt es ja immer eine Dummheit, in Gesellschaft etwas anderes als äußerste Langeweile darzubieten.)
Heimito von Doderer (Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre)
Und das tat er oder glaubte es zun tun, oder glaubte es auch selber nicht recht, oder, noch bedenklicher, es fing an, ihm gleichgültig zu werden, ob er es tat oder nicht.
Thomas Mann (The Magic Mountain)
Aber ist es nicht außerordentlich merkwürdig, wie einem der Zufall Bücher in die Hände spielt, die etwas mit der eigenen Situation oder Lebensphase zu tun haben?
Doris Lessing (Love, Again)
Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das Tun der Menschen das Gleiche.
Yoshiki Tanaka (Dawn (Legend of the Galactic Heroes #1))
Er hatte ihr das Leben gerettet. Es gab nur einen Weg, diese Schuld zu begleichen. Sie würde dasselbe eines Tages für ihn tun. Jacob.
Cornelia Funke (Spiegelwelt (Mirrorworld, #0.4))
Wer die Gewalt hat, der hat – Recht; habt Ihr jene nicht, so habt Ihr auch dieses nicht. Ist diese Weisheit so schwer zu erlangen? Seht doch die Gewaltigen und ihr Tun an!
Max Stirner (The Ego and His Own)
Wer den Willen hat, etwas zu tun, wird von denen, die es getan haben, in den Schatten gestellt.
Barbara Wood
Man sollte nie so viel zu tun haben, daß man zum zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.
Georg Christoph Lichtenberg
Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.
Victor Klemperer
Ich kann spüren, dass er zu ertrinken droht, aber ich weiß nicht, was ich tun soll, um ihn aus dem Wasser zu retten.
Maggie Stiefvater (The Scorpio Races)
Eddie war einen Augenblick lang außerstande, etwas anderes zu tun, als dieses vollkommene Wunder der Dummheit zu betrachten.
Stephen King (The Drawing of the Three (The Dark Tower, #2))
Deine Freiheit beginnt dort wo du aufhörst das zu tun, was die Anderen von dir erwarten.
Dahi Tamara Koch (Im Ereignishorizont: Gedichte)
Ich bin nur entschlossen, im Interesse meines Glückes zu handeln, ohne Rücksicht auf Sie oder irgendjemanden, der ebenso wenig mit mir zu tun hat.
Jane Austen (Stolz und Vorurteil: Roman (Fischer Klassik Plus))
Du bist zu jung, um ein Mann zu sein, aber wenigstens kannst du so tun, als wärst du einer, oder? Du siehst aus wie ein getretener Hund!
Stephen King (The Talisman (The Talisman, #1))
Die heutige Gesellschaft predigt das Ideal einer nicht-individualisierten Gleichheit, weil sie menschliche Atome braucht, die sich untereinander völlig gleichen, damit sie im Massenbetrieb glatt und reibungslos funktionieren, damit alle den gleichen Anweisungen folgen und jeder trotzdem überzeugt ist, das zu tun, was er will. Genauso wie die moderne Massenproduktion die Standardisierung der Erzeugnisse verlangt, so verlangt auch der gesellschaftliche Prozess die Standardisierung des Menschen, und diese Standardisierung nennt man dann "Gleichheit".
Erich Fromm (Die Kunst des Liebens)
Ich dachte, du ziehst es vor, C-Minus zu sprechen." "Das heißt C++", schalt sie ihn. "Ich weiß außerdem, dass Java mehr ist als nur Kaffee. Und Assembler nichts mit Ikea-Möbeln zu tun hat.
Peter Anghelides (Torchwood: Ein anderes Leben)
Ich kann immer zu mir zurückkehren, um zu finden, dass es etwas in mir gibt, das von all dem unabhängig bleibt, was ich sonst tue und zu tun habe. Es gibt immer einen Ort, an dem ich frei bin.
Peter Trawny (Ins Wasser geschrieben. Versuche über die Intimität)
Jetzt habe ich es kapiert: Es geht nicht um Fortschritt. Es geht nicht um eine Erfahrung. Nein. Es geht in jedem einzelnen Moment einfach nur darum, in genau diesem Moment das Richtige zu tun.
Matthias B. Krause (Sonne wie Winter)
Kennst du das Gefühl, wenn man plötzlich feststellt, dass es völlig hirnrissig ist, etwas für andere Menschen zu tun, weil man selbst ein Mensch ist und deshalb weiß, wie wenig sie es verdienen?
Juli Zeh (Spieltrieb)
Macht man das nicht ständig? Außer Acht lassen, dass die Menschen, die in unser Leben treten, bereits ihre Geschichten, Wunden und Geheimnisse besitzen, die rein gar nichts mit uns zu tun haben?
Astrid Rosenfeld
[W]ie normale Leute [...] wirklich mit ihrer Umwelt zurechtkommen. Sie tun das nicht, indem sie sich ärgern, sondern indem sie ihre Erwartungen herabschrauben. Sie kommen zurecht, indem sie lernen, Dinge auszusitzen, indem sie die Gedankenmaschinerie im Schongang laufen lassen. Sie schlummern; und weil es ihnen nichts ausmacht zu schlummern, macht es ihnen nichts aus, sich zu langweilen.
J.M. Coetzee (Tagebuch eines schlimmen Jahres)
Etwas Einmaliges, etwas Unvergängliches formte sich in meinem Kopf. Ein kunstvolles Gebilde aus Worten und Sätzen, das sich wie eine außerirdische Kreatur von fremdartiger Schönheit in meinem Denken materialisierte - und zu mir sprach, in makellosen Versen! Es was ein Gedicht. Es hatte nicht das Geringste mit meinem eigenen Denken zu tun, es waren Gedanken aus dem All! Ein Geschenk der Sterne!
Walter Moers (Das Labyrinth der Träumenden Bücher (Zamonien, #6) (Träumende Bücher, #2))
Wolltest du noch nie irgendwas tun, von dem dir jeder sagt, dass es unmöglich oder sinnlos ist? War dir noch nie irgendwas wichtig genug, um dafür Opfer zu bringen? Egal, wie dumm oder unwahrscheinlich es erscheint?
Cora Carmack (All Broke Down (Rusk University, #2))
Daß Menschen glauben, ihrem Gott beispringen zu müssen, hat mit wahrer Frömmigkeit nichts zu tun. Im Gegenteil: Es ist eine Anmaßung ohnegleichen. Götter oder Propheten können durch Bilder unmöglich verunglimpft werden.
Wolfgang Sofsky (Verteidigung des Privaten)
Und in der Regel erweist es sich überdies als Vorteil, nicht über die Maßen klug zu sein. Der Mangel an Zweifel am eigenen Tun erleichtert das politische Führungsleben, während Skrupel und Reflexionswut es erheblich beschweren.
Franz Walter
Der gewöhnliche Sterbliche ist nicht nur zufrieden, sondern geradezu stolz, daß er innerhalb der etablierten Grenzen bleibt, und die geläufigen Ansichten tun das ihre, sein Zagen schon vor dem ersten Schritt ins Unerforschte zu bestätigen.
Joseph Campbell (The Hero With a Thousand Faces)
Ich bin ein Mensch mit kaltem Herzen. Wenn ich mit einem großen Kummer zu tun habe, errichte ich Barrieren, damit das Gefühl des Verlusts nicht zu tief, nicht zu weit eindringen kann. Sofort gibt es eine Mauer, die uneinnehmbar ist. (S. 161)
Michael Ondaatje (The Cat's Table)
Lieber Paul, wenn ich mich heute nach meinen Wünschen frage, meinen wirklichen Wünschen, dann zögre ich mir Antwort zu geben, ja vielleicht bin ich sogar zur Einsicht gekommen, dass es uns nicht zusteht zu wünschen, dass wir nur ein gewisses Pensum an Arbeit zu erledigen haben, dass, was wir immer tun, ohne Wirkung ist, dass man dennoch zwischen acht Uhr früh und sechs Uhr abends so tun muss, als sei es wichtig, auf ein Blatt Papier einen Beistrich oder einen Doppelpunkt zu setzen.
Ingeborg Bachmann
Wie trage ich zu dieser Situation bei? Was kann ich daraus lernen? Was will ich wirklich? Was kann ich tun, damit ich bekomme, was ich wirlich will? Wie kann ich mein Leben glücklicher gestalten? Was ist für mich die beste, kraftvollste Konsequenz?
Veit Lindau (Liebe radikal)
Friedensliebe zeigt sich gerade darin, daß man seine Heimat nicht vergißt und eben deshalb entschlossen ist, alles zu tun, um immer in Frieden miteinander zu leben." [Ansprache am 8. Mai 1985 in der Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages]
Richard von Weizsäcker
Es war falsch zu lauschen, das war mir klar, doch irgendwie war es so schön kindisch, was mir ein Blick auf Nats schelmisches Lächeln bestätigte. Vielleicht war es meistens so, dass man sich gerade bei den Dingen, die man nicht tun sollte, am lebendigsten fühlte?
Martina Riemer (Road to Forgiveness (Herzenswege #2))
Die Leute denken, dass Intimität mit Sex zu tun hat. Aber bei Intimität geht es um Wahrheit. Wenn man merkt, dass man jemandem die Wahrheit sagen kann, wenn man sich zeigen kann, wenn man nackt vor jemandem steht, der sagt: „Bei mir bist du sicher“ – das ist Intimität.
Taylor Jenkins Reid (The Seven Husbands of Evelyn Hugo)
Irgendwie fühle ich mich immer noch wie ein Kind. Pass auf, dass du das nicht verlierst; das ist mein Rat an dich. Die Welt wird alles tun, um dich zu bescheißen, aber wenn du dein Leben lang irgendwo tief drin ein bisschen sechzehn bist, dann kommst du schon irgendwie durch.
Reif Larsen
Ich weiß nicht, was ich tun soll, und ich weiß nicht, wohin. Ich hab vergessen, wer ich sein will, und vergessen, wer ich bin. Ich renn schon so 'ne Weile durch die Gegend ohne Ziel - es wär so leicht, mich zu entscheiden, wenn ich wüsste, was ich will. . . . Aber keiner weiß, was ich tun soll, und keiner sagt mir, wohin. Ich weiß am besten, wer ich sein will, weiß am besten, wer ich bin. So renn ich noch ein bisschen weiter durch die Gegend ohne Ziel - vielleicht merk ich dann nach 'ner Weile, was das ist, was ich will. - How to entscheid myself
Julia Engelmann (Eines Tages, Baby)
Das Leben ist zu kurz um jeden Tag im gleichen Haus aufzuwachen, jeden Tag dieselben Leute zu sehen und immer das Gleiche zu tun. Meine Zeit ist begrenzt und ich will keine Sekunde verschwenden. Ich will alles sehen und im Leben anderer etwas bewirken und ich will glücklich sein. - Bri
Jessi Kirby (The Other Side of Lost)
Vielleicht tun wir manchmal nicht das Richtige, weil das Falsche uns gefährlicher erscheint. Wir wollen aber nicht, dass jemand denken könnte, wir hätten Angst. Deshalb tun wir das Falsche, nur weil es gefährlich ist. Uns ist es wichtiger, furchtlos zu erscheinen, als richtig zu urteilen.
Philip Pullman (The Amber Spyglass (His Dark Materials, #3))
Es geht um die Frage, warum jemand überhaupt existiert." [...] "Ja, das ist eine schwierige Frage. Die Menschen begegnen ihr zu den unterschiedlichsten Zeiten im Leben. Manche klären Sie schon als kleine Kinder für sich, einige tun es, wenn sie älter sind, und andere machen es nie. Es ist eigenartig.
John P. Strelecky
Glück ist nicht die Abwesenheit von Schmerz. Es ist das, was wir tun, unabhängig davon, was um uns herum passiert. Menschen, die erfolgreich sind, sehen sich selbst als kraftvoll. Sie glauben, dass sie Dinge in Gang bringen können. Es geht um die Geschichte, die wir uns selbst erzählen, wenn wir uns weigern, "Opfer" zu sein.
Leo Bormans (GELUK - The World book of Happiness)
Da wir heute jedoch in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft leben und das virtuelle Universum sich immer weiter ausdehnt, haben wir es mit einer völlig anderen Spezies zu tun: mit Popstars und Schauspielern sowie Medien- und Videospielmonguln, die statt Würde auszustrahlen, diese nun auf dem Altar der kreativen Schizophrenie opfern.
Kevin Dutton (The Wisdom of Psychopaths: What Saints, Spies, and Serial Killers Can Teach Us About Success)
Zugleich dachte ich: so wie ich jetzt mich anziehe und ausgehe, den Professor besuche und mehr oder weniger erlogene Artigkeiten mit ihm austausche, alles ohne es eigentlich zu wollen, so tun und leben und handeln die meisten Menschen Tag für Tag, Stunde um Stunde zwanghaft und ohne es eigentlich zu wollen, machen Besuche, führen Unterhaltungen, sitzen Amts- und Bureaustunden ab, alles zwanghaft, mechanisch, ungewollt, alles könnte ebensogut von Maschinen gemacht werden oder unterbleiben; und diese ewig fortlaufende Mechanik ist es, die sie hindert, gleich mir, Kritik am eigenen Leben zu übenm seine Dummheit und Seichtheit, seine hoffnungslose Trauer und Öde zu erkennen und zu fühlen.
Hermann Hesse (Steppenwolf)
Es gibt Menschen auf eurer Erde", entgegnete der Geist, "die uns kennen wollen und die ihre Taten des Stolzes, der Missgunst, des Hasses, des Neides, des Fanatismus und der Selbstsucht in unserm Namen tun; die uns in allem, was zu uns gehört, so fremd sind, so als hätten sie nie gelebt. Bedenke dies und schreibe ihre Taten ihnen selbst zu und nicht uns.
Charles Dickens
Und ich lernte, stockend und langsam zwar, aber ich lernte trotz allem, was zu tun war. Lernte, was für ein Kind offensichtlich ist. Daß das Leben eine Kette von kleinen Leben ist und daß jedes einzeln für sich gelebt werden muß, Tag für Tag. Daß man jeden Tag versuchen sollte, sich an der Schönheit von Blumen und Gedichten zu erfreuen und zu Tieren zu sprechen.
Nicholas Sparks (The Notebook (The Notebook, #1))
Ein Dummkopf neigt viel eher zur Klaustrophobie, und er neigt auch viel eher dazu, jemanden beim Kartenspiel zu erschießen oder ohne Überlegung einen Raubüberfall zu begehen. Er langweilt sich. Ihm bleibt nur Fernsehen oder Patiencenlegen, bei dem er betrügt, wenn er nicht rechtzeitig alle Asse draußen hat. Er hat nichts zu tun, als seine Frau anzumisten, mit den Kindern herumzunörgeln und zu saufen. Er kann nicht einschlafen, weil nichts zu hören ist. Also trinkt er, bis er müde ist, und wacht mit einem Kater auf. Er ist gereizt. Jetzt fällt vielleicht noch das Telefon aus, und die TV- Antenne wird vom Dach geweht, und wieder kann er nur grübeln und bei Patience betrügen, und er wird immer gereizter. Am Ende … knallt er drauflos.
Stephen King (The Shining)
Narzisstische Liebe ist die Sehnsucht nach einem wohlwollenden Spiegel, in dem man ein Bild sieht, das einem schmeichelt. Man sehnt sich nicht nach dem Anblick seiner Fehler, man sehnt sich nach Bestätigung. Man projiziert ein Bild auf den anderen und verliebt sich letztendlich in eine Illusion, die perfekt zu einem passt, die mit dem Menschen aber selbst nichts zu tun hat. Man
Michael Nast (Generation Beziehungsunfähig)
Wenn Sie in Ihrer Kindheit etwas tun wollten, was Ihren Eltern oder Lehrern nicht gefiel, hat man Sie vielleicht gefragt: „Wenn alle anderen von der Brücke springen, würdest du es deshalb doch auch nicht tun, oder?“ Damit ist gemeint, dass es keinen Sinn hat, eine Dummheit zu begehen, nur weil alle anderen es tun. Die Logik dahinter lautet: Denke lieber selbst, statt dich der grossen Masse der Menschen anzuschliessen. Das ist gar kein so schlechter Ratschlag, auch wenn er manchmal eher dazu missbraucht wird, Kontrolle auszuüben, als Menschen zu selbstständigem Denken anzuregen. Doch irgendwann sind Sie erwachsen, und dann sieht die Sache plötzlich ganz anders aus: Jetzt erwarten die Leute von Ihnen, dass Sie sich genauso verhalten wie sie. Und wenn Sie sich weigern, werden manche Ihrer Mitmenschen darauf ziemlich irritiert oder vielleicht sogar verärgert reagieren. Es sieht fast so aus, als würden sie Sie jetzt fragen: „Schliesslich springen alle Leute von der Brücke. Warum tust du es dann nicht auch?“ Zum Teufel mit den Leuten, die von der Brücke springen. Treffen Sie Ihre eigenen Entscheidungen. Leben Sie Ihr eigenes Leben.
Chris Guillebeau (Die Kunst, anders zu leben: Erschaffe deine eigenen Regeln und führe das Leben, das du dir wünschst)
Es gibt Stunden, in denen ich mich freue auf eine Zeit, in der es nichts mehr geben wird, woran ich mein Herz hängen könnte. Ich bin müde davon, daß mir doch alles wieder genommen wird. Es gibt keinen Ausweg, denn solange es im Wald ein Geschöpf gibt, das ich lieben könnte, werde ich es tun; und wenn es einmal wirklich nichts mehr gibt, werde ich aufhören zu leben. Wären alle Menschen von meiner Art gewesen, hätte es nie eine Wand gegeben, und der alte Mann müßte nicht versteinert vor seinem Brunnen liegen. Aber ich verstehe, warum die anderen immer in der Übermacht waren. Lieben und für ein anderes Wesen sorgen ist ein sehr mühsames Geschäft und viel schwerer, als zu töten und zu zerstören. Ein Kind aufzuziehen dauert zwanzig Jahre, es zu töten zehn Sekunden.
Marlen Haushofer (The Wall)
Alebrand seufzte. „Beispielsweise hat er ihr zur Verlobung damals einen schönen Helm geschenkt, und sie ihm einen besonderen Dolch aus dem Osten ... Ja, und dann musste ich den beiden ausreden, seinen Dolch an ihrem Helm zu erproben oder es zumindest nicht zu tun, solange sie den Helm gerade trug. Sie waren beide überzeugt, dass das ein sehr gutes Vorhaben war und ich ein elender Spielverderber.
Maike Claußnitzer (Der Ringeltaubenmantel)
Der Morgen ist die Stunde des Erwachens, die bedeutungsvollste Zeit des Tages, in der wir am wenigsten schlafbedürftig sind, in der zumindest eine Stunde lang ein Teil von uns wach ist, der alle übrige Tages- und Nachtzeit schlummert. [...] Und für den, dessen elastische, lebhafte Gedanken mit der Sonne Schritt halten, ist der Tag ein immerwährender Morgen, unabhängig vom Stundenschlag, vom Tun und Gehaben der Menschen. [...] Wach sein heißt leben. [...] Wir müssen lernen, wieder zu erwachen und wach zu bleiben. Nicht auf mechanischem Wege, sondern durch ein ständiges Erwarten der Morgendämmerung, die uns auch in unserem tiefsten Schlaf nicht verläßt. Ich weiß nichts, das ermutigender wäre als die Fähigkeit des Menschen, sein Leben durch bewußtes Bemühen auf eine höhere Stufe zu bringen.
Henry David Thoreau (Walden)
Wenn jemand eine Weide schöner findet als eine Buche, ein Schwein hässlicher als eine Kuh, einen Geier bösartiger als ein Eichhörnchen, dann hat das mit uns Menschen zu tun, mit der Geschichte des Blicks, mit den Büchern, Gemälden, Filmen, mit den Worten und den Bildern, mit den Behauptungen, die der Mensch über die Natur aufgestellt hat, und damit, wie er die Natur abgebildet hat, früher und heute.
Connie Palmen (De vriendschap)
Mein Freund der Dichter beschrieb nun die einfachsten Dinge, die er finden konnte",fuhr er fort, "und stellte fest, daß es das Schwierigste überhaupt war. Es war leicht, einen Palast aus Schnee und Eis zu beschreiben, aber unsäglich schwer, dasselbe mit einem einzelnen Haar zu tun. Oder einem Löffel. Einem Nagel. Einem Zahn. Einem Salzkorn. Einem Holzsplitter. Einer Kerzenflamme. Einem Wassertropfen.
Walter Moers (The City of Dreaming Books (Zamonia, #4))
Freunde ergänzen einander, ergänzen heißt ganz machen, um das nötig zu haben, muß man beschädigt sein, aber wenn man es nötig hat, so kann man auch niemand brauchen, der auf dieselbe Art beschädigt ist, sondern jemand, der andere Schäden aufweist. Die Freunde füllen die Lücken, komplementär, sie holen auf, was einem fehlt, sie tun, was man versäumt hat, Verwandte tun das nicht, oder wenn, dann nur zufällig.
Ruth Klüger (Still Alive: A Holocaust Girlhood Remembered)
Aber alle diese Opfer, welche der Verteidiger bringt, verursachen ihm meistens einen Ausfall an Kräften, die nur mittelbar, also später und nicht unmittelbar auf seine Streitkräfte wirkt, und oft so mittelbar, daß die Wirkung wenig fühlbar wird. Der Verteidiger sucht also sich auf Kosten der Zukunft im gegenwärtigen Augenblick zu verstärken, d.h. er borgt, wie jeder tun muß, der für seine Verhältnisse zu arm ist.
Carl von Clausewitz (Die Kunst des Krieges & Vom Kriege (Meisterwerke der Strategie))
Für wahre Marktgläubige macht es keinen Sinn, wenn du sagst, dass es dir kein Vergnügen macht, dich in einen Wettbewerb mit deinen Mitmenschen zu begeben, und dass du dich lieber zurückziehen möchtest. Du kannst dich ja zurückziehen, wenn du möchtest, sagen sie, aber deine Konkurrenten werden es ganz gewiss nicht tun. Sobald du deine Waffen niederlegst, wirst du abgeschlachtet. Wir sind unausweichlich gefangen in einem Krieg aller gegen alle.
J.M. Coetzee (Tagebuch eines schlimmen Jahres)
Interesse für Kunst oder Literatur hat stets, ob bewusst oder unbewusst, auch damit zu tun, dass man das Selbst aufwertet, indem man sich von jenen abgrenzt, die keinen Zugang zu solchen Dingen haben; es handelt sich um eine "Distinktion", einen Unterschied im Sinne einer Kluft, die konstitutiv ist für das Selbst und die Art, wie man sich selbst sieht, und zwar immer im Vergleich zu den anderen - den "bildungsfernen" oder "unteren" Schichten etwa.
Didier Eribon (Returning to Reims)
Ein Greenhorn schleppt der Reinlichkeit wegen einen Waschschwamm von der Größe eines Riesenkürbis und zehn Pfund Seife mit in die Prärie und steckt sich dazu einen Kompass bei, der schon am dritten oder vierten Tag nach allen möglichen Richtungen, aber nie mehr nach Norden zeigt. Ein Greenhorn schreibt sich achthundert Indianerausdrücke auf, und wenn er dem ersten Roten begegnet, merkt er, dass er diese Aufzeichnungen im letzten Briefumschlag mit nach Hause geschickt und dafür den Brief dabehalten hat. Ein Greenhorn kauft Schießpulver, und wenn er den ersten Schuss tun will, erkennt er, dass man ihm gemahlene Holzkohle gegeben hat. Ein Greenhorn hat fünf Jahre lang Astronomie studiert, kann aber ebenso lange den gestirnten Himmel anstarren, ohne zu wissen, wie viel Uhr es ist. Ein Greenhorn steckt das Bowiemesser so in den Gürtel, dass er sich beim Bücken die Klinge in den Schenkel sticht...
Karl May (Winnetou: Band 1)
Wie ich in die Kulisse geraten bin, weiß ich nicht, denn ursprünglich ist es sicher auch meine Absicht gewesen, eine Rolle auf der Bühne zu spielen. Möglicherweise liegt es daran, dass ich mich eigentlich mit sechzehn Jahren hätte umbringen müssen. Damals war der richtige Moment dafür, aber ich verpasste ihn und tat mir sogar etwas darauf zugute. Später darf man es nicht mehr tun, es wäre dann unecht und lächerlich; eine solche Gelegenheit bietet sich jedem nur ein einziges Mal.
Hans Erich Nossack (Der jüngere Bruder)
Die Stadt war so groß. Und Emil war so klein. Und kein Mensch wollte wissen, warum er kein Geld hatte, und warum er nicht wusste, wo er austeigen sollte. Vier Millionen Menschen lebten in Berlin und keiner interessierte sich für Emil Tischbein. Niemand will von den Sorgen des andern etwas wissen. Jeder hat mit seinen eigenen Sorgen und Freuden genug zu tun. Und wenn man sagt: >>Das tut mir aber wirklich leid<<, so meint man meistens gar nichts weiter als: >>Mensch, lass mich bloß in Ruhe!<<
Erich Kästner (Emil und die Detektive)
Aber die Zeit verliert uns. Das ist sehr langweilig, immer das Hemd zuerst und dann die Hosen drüber zu ziehen und des Abends ins Bett und morgens wieder herauszukriechen und einen Fuß immer so vor den andern zu setzen; da ist gar kein Absehen, wie es anders werden soll. Das ist sehr traurig, und daß Millionen es schon so gemacht haben, und daß Millionen es wieder so machen werden, und daß wir noch obendrein aus zwei Hälften bestehen, die beide das nämliche tun, so daß alles doppelt geschieht - das ist sehr traurig.
Georg Büchner (Dantons Tod)
(...] Reklameobjekt, Basis für Schwindelunternehmungen, beliebtester Boden für Kitschfabrikation. (...) Ersatz und Talmi-Nachahmung eines Gefühls. Wir tun einmal im Jahre so, als legten wir großen Wert auf schöne Gefühle, als ließen wir es uns herzlich gern etwas kosten, ein Fest unserer Seele zu feiern. (...) Dies Gefühl trägt alle Merkmale der Sentimentalität. Denn Sentimentalität ist das Sich-Erlaben an Gefühlen, die man in Wirklichkeit nicht ernst genug nimmt, um ihnen irgendein Opfer zu bringen, um sie irgend je zur Tat zu machen.
Hermann Hesse (In Weihnachtszeiten : Betrachtungen, Gedichte und Aquarelle des Verfassers)
Am Anfang merkt man noch nicht viel davon. Man hat eines Tages keine Lust mehr irgendetwas zu tun. Nichts interessiert einen, man ödet sich. Aber diese Unlust verschwindet nicht wieder, sondern sie bleibt und nimmt langsam immer mehr zu. Sie wird schlimmer von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Man fühlt sich immer missmutiger, immer leerer im Innern, immer unzufriedener mit sich und der Welt. Dann hört nach und nach sogar dieses Gefühl auf und man fühlt gar nichts mehr. Man wird ganz gleichgültig und grau, die ganze Welt kommt einem fremd vor und geht einen nichts mehr an. Es gibt keinen Zorn mehr und keine Begeisterung, man kann sich nicht mehr freuen und nicht mehr trauern, man verlernt das Lachen und das Weinen. Dann ist es kalt geworden in einem und man kann nichts und niemand mehr lieb haben. Wenn es einmal so weit gekommen ist, dann ist die Krankheit unheilbar. Es gibt keine Rückkehr mehr. Man hastet mit leerem, grauem Gesicht umher, man ist genauso geworden wie die grauen Herren selbst. Ja, dann ist man einer der ihren. Diese Krankheit heißt: die tödliche Langeweile.
Michael Ende
Aber ich hab für uns einen Plan gemacht: Ich werde alles, was ich vorwärtslaufe, auch rückwärtsgehen, ich werde Laub an Bäume kleben und Uhrzeiger drehen. Ich werde Sterne an der Erde festbinden, damit sie irgendwann steht, ich werde Gegenwind gegen Wind pusten, bis er nicht mehr weht. Ich werde tun, was ich kann, dass die Zeit nicht vergeht. Was euch betrifft, kann ich leider nicht zulassen, dass ihr mal weg seid, weil allein der Gedanke so schmerzt, dass der Schmerz viel zu schlimm wär. Also darf die Zeit nicht vergehen, denn dann sind wir für immer.
Julia Engelmann (Eines Tages, Baby)
Wir müssen nichts tun für unseren Tod. Unser Leben lang können wir uns in einem Schrank unter der Treppe verstecken, und er wird uns dennoch finden. Der Tod wird in einem unsichtbaren Umhang erscheinen, mit einem Zauberstab fuchteln und uns wegzerren, wenn wir am wenigsten damit rechnen. Er wird jede Spur unserer Existenz auf Erden tilgen, und das alles kostenfrei. Er verlangt keine Gegenleistung. Bei unserer Bestattung wird er sich verbeugen und die Lobpreisung für gut getane Arbeit entgegennehmen. Dann wird er verschwinden. Das Leben ist etwas fordernder. Eines müssen wir nämlich immer tun. Atmen. Ein und aus, jede Sekunde Minute Stunde jeden Tages müssen wir uns Luft zuführen, ob es uns gefällt oder nicht. Selbst wenn wir uns vornehmen, unsere Hoffnungen und Träume zu ersticken, müssen wir immer noch atmen. Selbst wenn wir verfallen und dem Mann an der Ecke unsere Würde verhökern, atmen wir noch. Wir atmen, wenn wir uns irren, wir atmen, wenn wir Recht haben, wir atmen sogar, wenn wir in einen Abgrund stürzen und unser Leben verfrüht ein Ende nimmt. Man kann das Atmen nicht weglassen. Also atme ich.
Lilly Lindner (Winterwassertief)
Es ist wichtig zu begreifen, dass wir der Toleranz nicht dienen, wenn wir unser Profil verwässern, sondern indem wir uns umgekehrt unserer eigenen Werte wieder vergewissern. [...] Wir tun der Toleranz auch nichts Böses an, wenn wir die Menschenrechte verteidigen, wie sie in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten entwickelt und niedergeschrieben wurden in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und einer Vielzahl von Konventionen, die detailliert den Schutz einzelner Menschenrechte regeln - etwa zum Schutz von Flüchtlingen, zur Verhinderung von Völkermord, gegen die Diskriminierung der Frau etc. Fast alle Staaten der Welt haben sich nach tiefer leidvoller Erfahrung, nach nationaler Hybris und nach ideologischem oder religösem Fanatismus im Prinzip auf diese Grundrechte und die Rule of Law als Minimum einer Überlebensordnung geeinigt. Die als universell, unveräußerlich und unteilbar angesehenen Menschenrechte sind daher ein gemeinsames Gut der Menschheit. Und wir dürfen und müssen gegenüber kommunistischen, fanatisch-islamistischen oder despotischen Staaten über ihre Verletzung sprechen; denn als Menschen sind wir verpflichtet, die Menschenrechte unserer Mitmenschen zu respektieren und zu verteidigen.
Joachim Gauck (Freiheit. Ein Plädoyer)
Wenn die Stürme kamen, bin ich durch die Olivenhaine gerannt, ich habe lange geglaubt, daß die Stürme, der Regen und der Wind mit meinen Händen zu tun hatten. Ich weiß nicht, warum, aber jedesmal, wenn ich den Taubenposten berührt habe, hat sich der Himmel verdunkelt, und der Regen ist unmittelbar danach gekommen, mit großen Stiefeln und einem langen Atem, als habe auch er eine Lunge. Über Stunden hat es geregnet, und ich habe alle meine Bilder beim Rennen verloren, auch das zärtliche Gefühl in den Fingerkuppen ist mir aus der Haut gefallen, ganz plötzlich, so, wie ein Stein aus der Hand fallen kann, wenn das Werfen sich erübrigt.
Marica Bodrožić (Der Windsammler: Erzählungen)
Der Nazismus wurde von Millionen als Evangelium hingenommen, weil er sich der Sprache des Evangeliums bediente. Wurde? - Ich habe das "Ich glaube an ihn" nur bis in die letzten Tage des Hitlerreiches verfolgt. Ich habe jetzt Tag für Tag mit Rehabilitierten zu tun und solchen, die rehabilitiert sein wollen. Diesen Leute, so verschieden sie auch sonst untereinander sein mögen, ist eines gemeinsam: Sie behaupten alle, eine Sondergruppe der "Opfer des Faschismus" zu bilden, sie sind alle gegen ihre Überzeugung durch irgendwelche Gewaltanwendung zum Eintritt in die ihnen von jeher verhaßte gezwungen worden, sie haben nie an den Führer, nie an das Dritte Reich geglaubt.
Victor Klemperer (The Language of the Third Reich: LTI--Lingua Tertii Imperii: A Philologist's Notebook)
Wer sagt das eigentlich, dass man ein Ziel haben muss, wo steht das geschrieben? Dieses ständige Streben nach irgendeinem Ziel - das machen doch die anderen Säugetiere auch nicht. Das ist offensichtlich ein Effekt der Zivilisation. Was, wenn man uns alle an der Nase herumführt mit der permanenten Zielanlauferei? Was, wenn wir uns totarbeiten, abrackern, ängstigen, schinden und verbiegen für irgendwelche Ziele, deren absolute Wichtigkeit wir niemals anzweifeln, bis sich schließlich herausstellt: Das ist alles nicht so bedeutsam, wie wir glaubten. Es gibt einfach nichts zu tun als zu leben, und am Ende bekommt man dafür nicht mehr als das Leben, welches man gelebt hat.
Cornelia Jönsson (Spieler unter sich)
Es ist ein Hin- und Hergerissensein zwischen Verheimlichung und Offenherzigkeit, zwischen dem Wunsch, die Wahrheit zu sagen, und dem Unvermögen, es auch in den intimsten Situationen zu tun; es ist die Erkenntnis, dass das Wesen der Liebe Wissen ist und das Ringen mit der Angst, mit der so großen Angst, sich eine Blöße zu geben. Wer schreibt, greift mit dem Stift nach der Macht, weil die Ohnmacht so unerträglich groß ist. Wer schreibt, hört für eine Weile auf, sich selbst Gewalt anzutun, zu leugnen, zu lügen, zu verschleiern und sich zu verstellen, hört mit all dem auf, wozu er sich gezwungen sieht, sobald die Angst zuschlägt was ein anderer mit ihm machen könnte. (Seite 38 / 39)
Connie Palmen (I.M.: Ischa Meijer. In Margine. In Memoriam)
So blieb [den individuellen Aufsteigern aus dem Arbeitermilieu] allein die Imitation der Verhaltensweisen und Ideologien von der mindestens heimlich bewunderten privilegierten Schicht, in die einzutreten schließlich Ziel des langen Weges war. Doch das Original mag den Nachahmer nicht, verhält sich bestenfalls gönnerhaft-spöttisch, von oben herab. Der Kopierende gibt sich alle erdenkliche Mühe, wird oft gar zum aggressiven Apologeten des Vorbildes, was – so Norbert Elias – »zu ganz spezifischen Verkrümmungen des Bewußtseins und der Haltung« führt. Der sozialdemokratische Kotau vor den Imperativen der Privatisierung, der finanzkapitalistischen Entgrenzungen, der Steuerbefreiung für Kapitalinvestoren in den Jahren 1999-2005 – er mag damit zu tun haben.
Franz Walter (Vorwärts oder abwärts? Zur Transformation der Sozialdemokratie)
Dann habe ich begonnen zu arbeiten. Habe gedacht, das würde ein anderes Gefühl machen. Es ist immer ein Gefühl dagewesen. Es war wie Hunger und nicht wissen worauf. Die Arbeit. War jeden Morgen aufstehen. Viel zu früh und immer zu kalt, der Wecker, der klingelte, der Kaffee am Küchentisch, weinen mögen und nicht wissen warum. War nur Angst vor dem Zuspätkommen, vor dem Nichtvergnügen, vor dem Gespräch mit dem Chef, dem Tragen falscher Trikotage, dem Sagen falscher Antworten, dem Ticken der Uhr, dem Warten auf den Sonntag und nicht wissen, was tun, dem Warten auf den Montag und nicht wissen warum, denn der Montag war Angst, war müdes Zur-vollen-U-Bahn-gehen, war das Betreten eines Gebäudes, das falsch roch, das Grüßen von Menschen, die nie nah waren, war entlassen werden.
Sibylle Berg (Ende gut)
Die Unzulänglichkeiten ihres Herkunftsmilieus [der Arbeiterschaft], sich in Sprache und Kultur der mittleren und höheren Schichten ausdrücken zu können, erschwerten ihren Aufstieg – und trugen dazu bei, dass sich die sozialen Parvenüs oft geradezu demonstrativ nach unten abgrenzten, um in der Lebenswelt oben willkommen geheißen zu werden. Wohl auch deshalb nahm der spätere Bundeskanzler Schröder den Brioni so wichtig. Störend dabei war, dass der Übereifer in der Adaption der neuen Lebensmaximen die frühere soziale Inferiorität erst recht offenlegte und so auf die Unsicherheit im Stil hinwies; hier machte sich eine von den traditionellen Eliten robust errichtete Sperre bemerkbar, welche die social climbers trotz – besser: gerade wegen – ihres angestrengten Tuns nicht überwinden konnten.
Franz Walter (Vorwärts oder abwärts? Zur Transformation der Sozialdemokratie)
Die Herausforderung, der sich eine politisch noch lange nicht realisierte plurale Perspektive auf Gesellschaft stellen müsste, wäre, die Komplexität des Hasses denken zu lernen. Einschließen würde das die Einsicht, dass die Gesellschaft aus sich überschneidenden Opfer- und Täter*innenpositionen besteht. Und dass das eine nie die Aufhebung des anderen bedeuten darf. Gruppen sind eben meist beides zugleich Diskriminierende und Diskriminierte, abhängig von der Perspektive, die man wählt: Sexismus, Islamophobie, Klassismus, Antisemitismus, unsoweiterunsofort ... Auf eine Frage der Opposition wie jene zur Zunahme von Islamfeindlichkeit müsste ein Spitzenpolitiker entsprechend antworten: Es gibt eine zunehmende Islamfeindlichkeit unter nichtmuslimischen Deutschen. Und es gibt Antisemitismus unter Muslim*innen. Gegen beides müssen wir etwas tun.
Max Czollek (Gegenwartsbewältigung)
Ganz sicher aber haben mir die Kästners eine Familieneigenschaft in die Wiege gelegt [...]: die echte und unbelehrbare Abneigung vorm Reisen. Wir Kästners sind auf die weite Welt nicht sonderlich neugierig. Wir leiden nicht am Fernweh, sondern am Heimweh. Warum sollten wir in den Schwarzwald oder auf den Gaurisankar oder zum Trafalgar Square? Die Kastanie vorm Haus, der Dresdner Wolfshügel und der Altmarkt tun es auch. Wenn wir unser Bett und die Fenster in der Wohnstube mitnehmen könnten, dann ließe sich vielleicht darüber reden! Aber in die Fremde ziehen und das Zuhause daheimlassen? Nein, so hoch kann kein Berg und so geheimnisvoll kann keine Oase sein [...], daß wir meinen, wir müßten sie kennenlernen! Es ginge noch, wenn wir daheim einschliefen und in Buenos Aires aufwachten! Das Dortsein wäre vorübergehend zu ertragen, aber das Hinkommen? Niemals!
Erich Kästner (Als ich ein kleiner Junge war)
Es ist nicht so, dass ich unbedingt glücklich sein wollte, das nicht gerade. Ich wollte...mich retten, ja: mich retten. Aber ich habe erst spät begriffen, auf welche Seite man sich schlagen muss: auf die Seite der Sehnsüchte. Man erwartet eigentlich, dass es andere Dinge sind, durch die Menschen gerettet werden können: Pflichterfüllung, Ehrlichkeit, gut sein, gerecht sein. Nein. Es sind die Sehnsüchte, die einen erretten. Sie sind das einzig Wahre. Bist du auf ihrer Seite, wirst du dich retten. Aber als ich das begriff, war es schon zu spät. Wenn du dem Leben Zeit lässt, nimmt es eine eigenartige, unvermeidliche Wendung; und du stellst fest, dass du dich an dem Punkt nicht nach etwas sehnen kannst, ohne dir selbst weh zu tun. An dem Punkt scheitert alles, du kannst dem nicht entgehen, je mehr du um dich schlägst, desto mehr verfängst du dich im dem Netz, je heftiger du aufbegehrst, desto mehr verletzt du dich. Es gibt kein Entrinnen.
Alessandro Baricco (Ocean Sea)
Jean-Jacques Rousseau zufolge entsteht Zivilisation dann, wenn die Menschheit Schranken errichtet. [...] Demnach ist jede Zivilisation das Resultat von Schranken und Unfreiheit. Nur die Aborigines in Australien sind anders. Bis ins 17. Jahrhundert hatten sie eine Zivilisation ohne Schranken. Sie waren von Grund auf frei. Sie gingen, wann es ihnen gefiel, wohin es ihnen gefiel, um zu tun, was ihnen gefiel. Ihr Leben war buchstäblich eine einzige Wanderschaft. Das Umherziehen war die profunde Metapher des Lebens. Als die Engländer kamen und Zäune für ihr Vieh bauten, begriffen die Aborigines den Sinn davon nicht. Da sie nicht imstande waren, dieses Prinzip zu verstehen, jagte man sie als asoziale, gefährliche Wesen in die Wildnis. Deshalb solltest auch du auf der Hut sein [...]. Auf dieser Welt haben letztlich die Menschen die besten Überlebenschancen, die hohe, dauerhafte Zäune errichten. Wenn du die nicht anerkennst, wirst du in die Wildnis gejagt.
Haruki Murakami (Kafka on the Shore)
Den Begriff der Pflicht allerdings kenne ich nicht. Früher hatte ich amtlich viel mit ihm zu tun, ich war Professor der Theologie. Außerdem war ich Soldat und habe den Krieg mitgemacht. Das, was mir Pflicht schien und was mir von Autoritäten und Vorgesetzten jeweils befohlen worden ist, war alles gar nicht gut, ich hätte stets lieber das Gegenteil getan. Aber wenn ich auch Begriff der Pflicht nicht mehr kenne, so kenne ich doch den der Schuld - vielleicht sind sie beide dasselbe. Indem eine Mutter mich geboren hat, bin ich schuldig, bin ich verurteilt zu leben, bin verpflichtet, einem Staat anzugehören, Soldat zu sein, zu töten, Steuern für Rüstungen zu bezahlen. Und jetzt, in diesem Augenblick, hat die Lebensschuld mich wieder, wie einst im Kriege, dazu geführt, töten zu müssen. Und diesmal töte ich nicht mit Widerwillen, ich habe mich in die Schuld ergeben, ich habe nichts dagegen, dass diese dumme, verstopfte Welt in Scherben geht, ich helfe gerne mit und gehe selber gerne mit zugrunde.
Hermann Hesse (Steppenwolf)
Enttäuschung und Frustration werden [...] alle erleben, die sich wie im Märchen danach sehnen, Glück in einem Schlaraffenland zu finden ... Nur, dass unser Schlaraffenland nicht ein großer Berg von süßem Brei ist ... wir haben andere Fantasien und Bilder von Fülle und Erfülltheit in einem imaginären Schlaraffenland, das nur eben unglücklicherweise niemals dort ist, wo wir tatsächlich leben. Vielmehr leben wir mit der Hoffnung auf ein Glück, das uns das Schicksal irgenwann einmal gewähren müsse. [...] So können wir das Schlaraffenland je nach unserer eigenen Fasson ausgestalten - und wir tun es. Privat und auch gesellschaftlich. Doch sobald wir anfangen, uns mit diesem Glücksmodell anzufreunden, und gespannt darauf warten, wie im Lotto das große Los zu ziehen, werden wir auf einem Weg sein, wo das Glück ganz bestimmt nicht zu uns findet! Wir bleiben hungrig und ungesättigt. Denn geheimnisvollerweise ist das Glück dort, wo wir Bezogenheit leben - selbst in dem unspektatulärsten Tun des Alltags.
Joachim Gauck (Freiheit. Ein Plädoyer)
Michelangelo hat behauptet, dass er in jedem Marmorblock bereits das Kunstwerk erblicke; seine Arbeit bestehe einfach nur darin, alles Überflüssige wegzunehmen, das, was zu viel ist und die Statue gefangen hält. Wir sind genauso. Alles ist schon da, auch wenn man es nicht sieht. Das Kunstwerk ist schon in uns. Wir müssen nichts weiter tun, als uns die Hilfsmittel besorgen, um es zu befreien. Um uns zu befreien. Wer diese andere Hälfte seiner selbst nicht befreit, wer sie nicht findet, der lebt wie ein Gefangener, und die Liebesgeschichten sind nichts anderes als die Freistunde eines Häftlings. Für einen Häftling ist die Freistunde das Schönste, was ihm im Leben passieren kann. Es ist ein Unterschied, ob du willst, dass es dir wirklich gutgeht, oder ob du willst, dass es dir nur bessergeht. Wenn es dir nur bessergehen soll, dann reicht es, wenn du dich ab und zu verliebst, dir etwas kaufst, eine Gehaltserhöhung bekommst. Dich in deiner Zelle einrichtest. Du kannst so weiterleben, aber glaub mir: Du bist dafür geschaffen, die Sonne zu geniessen. Wenn du, statt das Fenster zu öffnen und sie hereinzulassen, ab und zu eine Nachttischlampe anknipst, vergisst du mit der Zeit, dass sie existiert, und am Ende wird in deinem Zimmer die Nachttischlampe zur Sonne.
Fabio Volo
Sein braungebrannter Oberkörper war noch ein wenig feucht und Wasser tropfte von seinen langen dunklen Haaren auf seine Haut. Ich biss mir auf die Unterlippe, was die einzige Bewegung war, zu der ich fähig war. Mir war klar, dass ich ihn peinlicherweise jetzt genau wie die Schlampen im Club wollüstig anschmachtete, aber ich konnte nichts dagegen tun. Eigentlich sollte ich wirklich gehen, aber ich konnte nicht. Außerdem, hatte er mich nicht schon einmal genau so im Badezimmer beobachtet? Also war es nur fair. Er war so verdammt gut anzusehen und mein Körper reagierte wie der jeder Frau bei diesem Anblick. Mir wurde heiß, nicht nur im Gesicht, sondern überall, vor allem weiter unten. Dabei hatte ich ihn schon in seinen Badeshorts gesehen, aber dennoch, das hier war etwas komplett anderes. Was noch schlimmer wurde, als er das Tuch von der Hüfte löste und begann, damit seine Haare zu rubbeln. Unter der Haut bewegten sich die Muskeln seines Rückens, die hinunter zur schmalen Hüfte verliefen. Mein Blick ging noch tiefer und ich hatte keine Spucke mehr im Mund, als ich seinen Po betrachtete. Unwillkürlich krallte ich die Finger in meine Shorts, was zur Folge hatte, dass mir das Handy aus der Hand rutschte und auf den Boden fiel. Der Teppich war dick und dämpfte das Geräusch, aber man konnte es dennoch deutlich hören. Instinktiv wollte ich die Augen zusammenpressen, so wie kleine Kinder, die sich nur mit dem Gesicht hinter einem Vorhang versteckten, und glauben, wenn sie den anderen nicht sehen konnten, dann würden sie auch nicht gesehen werden. Was natürlich nicht der Fall war. Daher schluckte ich und sah wieder hoch und – wie erwartet – in Johnnys Gesicht, als er über die Schulter blickte. Und was ich in seinen tiefblauen Augen lodern sah, erregte mich stärker und machte mir gleichzeitig mehr Angst, als alles zuvor. Meine Augen blieben an seinen haften, auch als ich aus den Augenwinkeln bemerkte, wie er das Handtuch wieder um die Hüfte legte. Langsam drehte er sich um und beinahe raubtierhaft zielstrebig kam er auf mich zu, wie ein geschmeidiger Panther, den nichts stoppen konnte. Kurz vor mir blieb er stehen, als würde er warten, ob ich davonlief oder nicht. Auf keinen Fall, jetzt nicht mehr. Zu keinem Zeitpunkt hatte er den Blickkontakt zu mir unterbrochen, er musste meine Gedanken darin gelesen haben. Seine Hände umfassten mein Gesicht, strichen mir halbfeuchte Haare aus der Stirn und dann beugte er sich zu mir hinab. Ich hielt den Atem an, wartete auf seine Lippen, die sich aber nicht auf meine legten, sondern einen Zentimeter vorher verharrten. Als würde er noch immer auf meine Entscheidung warten. Mir wurde klar, dass ich diese schon lange getroffen hatte, nur viel zu feige und engstirnig gewesen war, sie mir auch einzugestehen. Ich griff in seine nassen Haare und zog ihn das verbleibende Stück zu mir hinunter. Ein Blitzschlag fuhr von meinen Lippen ausgehend durch meinen Körper, zwischen meine Beine – dann war es um mich und meine Selbstbeherrschung geschehen. Und wie es aussah, auch um seine. Denn statt weiterhin so sanft mein Gesicht zu halten, rutschten seine Hände meinen Rücken entlang bis er an meiner Hüfte angelangt war und sie fest drückte. Wie von selbst bog sich ihm mein Körper entgegen und ich strich mit der Zunge über seine Lippen, dann öffnete ich den Mund für seine und unser Kuss wurde fordernder. Seine Hände glitten noch weiter hinunter, umfassten meinen Po und während wir uns keuchend küssten, hob er mich mit einem Ruck hoch. Meine Beine schlang ich um seine Hüfte und unter dem Tuch konnte ich ihn spüren, was mir ein Stöhnen entlockte, das mir noch nie über die Lippen gekommen war. Daraufhin gab Johnny einen erstickten Laut von sich, küsste mein Kinn, meinen Hals und knabberte am Ohr, an dem er heiser flüsterte: »Sag mir, dass ich aufhören soll.« »Hör nicht auf«, bat ich leise und drückte mich nur noch fester an ihn.
Martina Riemer (Road to Hallelujah (Herzenswege #1))
Mitbürger! Freunde! Römer! hört mich an: Begraben will ich Cäsarn, nicht ihn preisen. Was Menschen Übles tun, das überlebt sie, Das Gute wird mit ihnen oft begraben. So sei es auch mit Cäsarn! Der edle Brutus Hat euch gesagt, daß er voll Herrschsucht war; Und war er das, so war's ein schwer Vergehen, Und schwer hat Cäsar auch dafür gebüßt. Hier, mit des Brutus Willen und der andern (Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann, Das sind sie alle, alle ehrenwert), Komm ich, bei Cäsars Leichenzug zu reden. Er war mein Freund, war mir gerecht und treu; Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann. Er brachte viel Gefangne heim nach Rom, Wofür das Lösegeld den Schatz gefüllt. Sah das der Herrschsucht wohl am Cäsar gleich? Wenn Arme zu ihm schrien, so weinte Cäsar; Die Herrschsucht sollt aus härterm Stoff bestehn. Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann. Ihr alle saht, wie am Lupercusfest Ich dreimal ihm die Königskrone bot, Die dreimal er geweigert. War das Herrschsucht? Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, Und ist gewiß ein ehrenwerter Mann. Ich will, was Brutus sprach, nicht widerlegen; Ich spreche hier von dem nur, was ich weiß. Ihr liebtet all ihn einst nicht ohne Grund; Was für ein Grund wehrt euch, um ihn zu trauern? O Urteil, du entflohst zum blöden Vieh, Der Mensch ward unvernünftig! – Habt Geduld! Mein Herz ist in dem Sarge hier beim Cäsar, Und ich muß schweigen, bis es mir zurückkommt.
William Shakespeare (Julius Caesar)
… Das verschlug mir für einen Moment die Sprache, ich hatte nicht gedacht, dass es so schlimm um sie stand. »Das tut mir leid … Kann ich irgendetwas tun?« Nat lächelte schwach. »Hast du das nicht schon? Danke. Hau dich lieber ins Bett. Du musst früh raus. Oder hast du morgen keine Schicht?« Während ich die restliche Soße in einen Behälter füllte und in den Kühlschrank stellte, nickte ich bejahend. »Stimmt, Punkt fünf muss ich dort sein, um bei den Vorbereitungen zu helfen.« Seit ich vor sechs Monaten aus Amerika zurückgekommen war, jobbte ich als Frühstückskellner im Radisson Blu Palais Hotel, direkt am Parkring. Eine feine Adresse in Wien, vollgestopft mit gut betuchten Damen, die gerne zu viel Trinkgeld gaben. Mir konnte das mehr als Recht sein. Nur das Aufstehen war die Hölle. »Du weißt, wie streng meine Chefin ist, da gibt es kein Zuspätkommen.« Bei meinen Worten prustete Nat los: »Ja klar, als ob du sie nicht schon längst um den Finger gewickelt hättest mit deinen tiefblauen Augen«, wobei er das Wort tiefblau mit den Fingern in Anführungszeichen setzte und zu quietschen versuchte, wie es eine Bekannte von uns letzten Samstag auf einer Party getan hatte. Verspielt klimperte ich mit den Wimpern und lehnte mich an die Küchenzeile. Wieder musste Nat schmunzeln, wobei er dieses Mal schluckte, bevor er weiterredete: »Hör auf mit dem Scheiß. Verdammt, wenn ich eine Braut wäre, würde ich auch auf dich stehen. Aber weißt du was?« Nun tippte er mit der leeren Gabel in meine Richtung. »Ich würde nie mit dir ins Bett gehen, weil ich Angst vor Syphilis hätte.« Theatralisch griff ich mir mit der Hand an die Brust und verzog schmerzverzerrt das Gesicht. »Das tut weh! Dabei wärst du so eine geile Schnitte, mit deinen blonden Locken und braunen Augen. Du brichst mir das Herz.« Endlich erreichte Nats Lächeln auch wieder seine Augen und ich atmete innerlich erleichtert auf, bevor ich weiter blödelte. »Du bräuchtest dir gar keine Sorgen darum zu machen, Schatz. Ich nehme doch immer ein Kondom.« »Zum Glück«, betonte er laut, »für die ganze Stadt, sonst würden drei Viertel der Frauen bereits krank im Spital liegen.« Damit brachte er auch mich zum Lachen. »Du bist ein Idiot.« Anstatt mir eine schnelle Retourkutsche zu verpassen, zwinkerte er mir zu und stopfte sich genüsslich den nächsten Happen in den Mund. »Deshalb ist es auch keine schlechte Idee, wenn du wieder losziehst, um die Frauen anderer Städte zu beglücken, damit unsere in Frieden weiterleben können. Weißt du schon, wann es soweit ist?« Eigentlich hatte ich vorgehabt, spätestens im Herbst aufzubrechen und wieder für einige Zeit in Amerika herumzustreunen. Doch so wie mich Nat jetzt anguckte, wie ein zurückgelassener Welpe, meldete sich mein schlechtes Gewissen. Daher zuckte ich mit den Schultern. »Keine Ahnung. In den nächsten Monaten vielleicht. Warum?« Er fragte nicht grundlos, etwas in seinem Blick machte mich unruhig, aber ich konnte nicht sagen was oder warum. Wir hatten die letzten Wochen schon einige Male darüber geredet. Bisher hatte er noch nie Probleme damit gehabt, dass ich manchmal für drei, vier Monate aus dem Land verschwand. Nat leckte die Gabel ab und stellte das Geschirr in die Spüle. »Nichts. Nur so.« … (Bildquelle: pinterest) ‪
Martina Riemer
Immer wenn ich traurig bin versuche ich an Fotoalben zu denken. Immer wenn ich daran zweifle, ob es gut, dass ich existiere, dann blättere ich in meinem Geiste all die Fotoalben durch, Fotoalben verschiedenster Menschen aus verschiedensten Ländern, in denen zufällig und ohne dass diese Menschen Notiz davon nehmen würden, ein Foto klebt, auf dem ich zu sehen bin... Wenn mich also tiefe Traurigkeit überkommt, denke ich daran, dass natürlich auch ich unzählige Fotos besitze, auf denen Leute zu sehen sind, mit denen ich nicht das geringste zu tun habe, von denen ich nicht weiß, durch was für ein Leben die gehen. Ob der eine vorübergehend, weil es gerade nicht anders geht, bei den Eltern seiner Freundin leben muss, und jetzt mit ihnen durch die Innenstadt spaziert. Ob eine gerade durch Wirtschaftsexamen gefallen ist und jetzt verzweifelt nach Hause geht. Ob eine, der in seinem Heimatland ein Experte für die Fischart Rotauge ist, jetzt gerade mit seinen deutschen Bekannten in einem Café sitzt und sie in die Welt der Rotaugen einweiht. Plötzlich befindet sich diese Person mit ihrem kleinen, um sie kreisenden Universum in unmittelbare Nähe von mir und meinem kleinen um mich kreisenden Universum, just in dem Augenblick, in dem der Auslöser eines Fotoapparates betätigt wird. Sicher sind auch wir fotografiert worden. Zusammen. Irgendwo in einer Schachtel befindet sich ein Foto von Tanja und mir, auf unserer merkwürdigen Reise in Norden. Ich weiß nicht genau warum, aber ich habe die Vorstellung, dass solche Fotos existieren, immer als sehr tröstlich empfunden. Wo immer man auch ist auf dieser Erde, man kann unmöglich verloren gehen.
Benjamin Lebert (Kannst du)
Das stimmt, solche Menschen gibt es", antwortete Herr Dimmesdale. "Doch ohne an naheliegendere Gründe zu denken, wäre es doch möglich, daß sie Schweigen bewahren aus der Veranlagerung ihres Wesens. Oder daß sie - dürfen wir es nicht annehmen?-, schuldig wie sie vielleicht sind, trotzdem am Eifer zu Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen festhalten und deshalb zurückschrecken, sich schwarz und dreckig vor den Augen der Menschen zu zeigen, weil sie danach nichts Gutes bewirken, nichts Schlechtes aus der Vergangenheit durch besseren Dienst auslöschen können. So wandeln sie zur eigenen unaussprechlichen Qual unter ihren Mitgeschöpfen und sehen dabei rein aus wie frisch gefallener Schnee, auch wenn ihre Herzen durch Unrecht befleckt und besudelt sind, von dem sie sich selbst nicht befreien können." "Diese Menschen betrügen sich selbst", sagte Roger Chillingworth mit etwas größerem Nachdruck als gewöhnlich und machte eine kleine Geste mit dem Zeigefinger. "sie fürchten, die Schande auf sich zu nehmen, die ihnen von Rechts wegen zusteht. Ihre Liebe zu den Menschen, ihr Eifer für den Gottesdienst - diese heiligen Triebe mögen oder mögen nicht in ihren Herzen gemeinsam mit den bösen Insassen existieren, denen eigene Schuld die Tür entriegelt hat, so daß sie ihre Höllenbrut fortpflanzen müssen. Doch wenn sie Gott verehren wollen, dann sollen sie ihre unreinen Hände nicht gen Himmel heben! Wenn sie ihren Mitmenschen dienen wollen, dann sollen sie es, indem sie Kraft und Wirklichkeit des Gewissens zeigen und sich zur reuevollen Selbsterniedrigung zwingen! Möchten Sie, daß ich denke, o mein weiser, frommer Freund, ein falscher Schein könne mehr tun, könne besseres tun zur Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen, als Gottes eigene Wahrheit? Glauben Sie mir, diese Menschen betrügen sich selbst!
Nathaniel Hawthorne (The Scarlet Letter)
Sehr oft werde ich nach meinem Lieblingskomponisten gefragt - eine typische Frage von Laien an Musiker, eine, die wir Musiker uns gegenseitig wohl eher selten stellen. Vielleicht weil wir sie vordergründig als banal empfinden. Vielleicht auch, weil eine direkte Antwort darauf, ehrlich gesagt, unmöglich ist. Musik ist zu meinem Leben geworden. Nichts von dem, was ich tue, hat nicht irgendwas mit Musik zu tun. Ich habe Werke berühmter und weniger bekannter Komponisten einstudiert und dirigiert, aus ganz unterschiedlichen Epochen. Ich habe versucht, sie zu verstehen. Unzählige Stunden habe ich darüber nachgedacht, wie die Orchester, die ich dirigiere, die Werke spielen könnten, um dem Publikum die darin liegenden Aussagen nahe zubringen. Ich habe mich bemüht, bis zum Kern der Kompositionen vorzudringen und so mancher Rätselhaftigkeit auf die Spur zu kommen. Ich tue es heute noch. So sind mir meist die Komponisten, mit deren Werken ich mich gerade intensiv beschäftige, am präsentesten und vielleicht in dem Moment auch am nächsten. Aber sind sie mir dann auch die liebsten ? Ich weiß es nicht. Meine Entdeckungsreise durch die Welt der klassischen Musik, die vor sechzig Jahren an der Westküste Kaliforniens in einem Fischerdorf begann, ist längst nicht zu Ende. Im Gegenteil : Meine künstlerische Neugier treibt mich täglich weiter in diese faszinierte Welt hinein, deren Umfang immer größer wird, je tiefer ich in sie vordringe. Die Welt der Musik gleicht unserem expandierenden Universum. Je mehr ich mich mit Musik befasse, desto weniger meine ich über sie zu wissen. Wie also sollte ich diese offenbar gar nicht so banale Frage nach meinem Lieblingskomponisten beantworten ? Vielleicht, indem ich sie anders formuliere : "In deiner freien Zeit, in Stunden, die nicht verplant sind und ganz dir gehören - welche Musik würdest du dann für dich spielen ?" Die Antwort darauf ist viel einfacher. Es ist die Musik von Johann Sebastian Bach. Das sage ich ohne den Hauch eines Zweifels. Von frühester Kindheit an hat mich Bach verfolgt und ich ihn. Bis heute. Seine Musik lässt mich nicht los. Ihre Tiefe ist unendlich. Sie vereint alles, was klassische Musik ausmacht. Und bis heute bin ich auf der Suche nach dem Warum.
Kent Nagano Erwarten Sie Wunder
Es war mir vergönnt, viele Jahre meines Lebens unter dem größten Sohne zu wirken, den mein Volk in seiner tausendjährigen Geschichte hervorgebracht hat. Selbst wenn ich es könnte, wollte ich diese Zeit nicht auslöschen aus meinem Dasein. Ich bin glücklich, zu wissen, daß ich meine Pflicht getan habe meinem Volk gegenüber, meine Pflicht als Deutscher, als Nationalsozialist, als treuer Gefolgsmann meines Führers. Ich bereue nichts. Stünde ich wieder am Anfang, würde ich wieder handeln wie ich handelte, auch wenn ich wüßte, daß am Ende ein Scheiterhaufen für meinen Flammentod brennt. Gleichgültig was Menschen tun, dereinst stehe ich vor dem Richterstuhl des Ewigen. Ihm werde ich mich verantworten, und ich weiß, er spricht mich frei.
Rudolf Hess
Den Deutschen ist schwer zu helfen, [...]. Paeschke hat ungewollt die Schlüsselgeschichte erzählt: kurz nach 45 hätten die Deutschen gern ihren (nicht vorhandenen) deutschen Paß gegen einen europäischen vertauscht. Damit sei es Gott sei Dank zu Ende. Sie genierten sich jetzt nicht mehr, Deutsche zu sein. Das sei eine angenehme Entwicklung. --- Er vergaß zu sagen, daß die Deutschen sich 45 nur geschämt haben, weil ihnen die anderen diese Scham suggeriert haben, und daß sie jetzt wieder einmal stolz sind, Deutsche zu sein, weil ihnen die anderen diesen Stolz suggerieren. Es hat nichts mit Gesinnung zu tun, sondern mit Angebot und Nachfrage.
Walter Boehlich (»Ich habe meine Skepsis, meine Kenntnisse und mein Gewissen.«: Briefe 1994 bis 2000: Briefe 1944 bis 2000)
Vielleicht bedeutet Kämpfen zu wissen, dass Dunkelheit in einem ist, und sich dennoch dafür zu entscheiden, das zu tun, was richtig ist.
C. S. Pacat
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Man kann nicht befürchten, keine Möglichkeit mehr zu haben, etwas zu tun, wenn man es bereits getan hat oder es jeden Tag macht.
John P. Strelecky (Das Café am Rande der Welt)
Was hat denn das Leben bitte für einen Sinn? Keinen! Also muss man seinem Leben einen Sinn geben, und das mache ich nicht indem ich einem überbezahlten Chef im Arsch rumkrieche oder mich von Faschisten verarschen lasse die mir erzählen wollen wir leben in einer Volksherrschaft. Nein, es gibt für mich jetzt noch eine Möglichkeit meinem Leben einen Sinn zu geben, und die werde ich nicht wie alle anderen zuvor verschwenden! Vielleicht hätte mein Leben komplett anders verlaufen können. Aber die Gesellschaft hat nunmal keinen Platz für Individualisten. Ich meine richtige Individualisten, Leute die slebst denken, und nicht solche "Ich trage ein Nietenarmband und bin alternativ" Idioten! Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich. Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt die mich nicht sein lassen will wie ich bin. Ihr habt euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor! [...] Das Leben wie es heute täglich stattfindet ist wohl das armseeligste was die Welt zu bieten hat! SAART - Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod Das ist der Lebenslauf eines "normalen" Menschen heutzutage. Aber was ist eigentlich normal? Als normal wird das bezeichnet, was von der Gesellschaft erwartet wird. Somit werden heutzutage Punks, Penner, Mörder, Gothics, Schwule usw. als unnormal bezeichnet, weil sie den allgemeinen Vorstellungen der Gesellschaft nicht gerecht werden, können oder wollen. Ich scheiss auf euch! Jeder hat frei zu sein! Gebt jedem eine Waffe und die Probleme unter den Menschen lösen sich ohne jedliche Einmischung Dritter. Wenn jemand stirbt, dann ist er halt tot. Und? Der Tod gehört zum Leben! Kommen die Angehörigen mit dem Verlust nicht klar, können sie Selbstmord begehen, niemand hindert sie daran! SAART beginnt mit dem 6. Lebensjahr hier in Deutschland, mit der Einschulung. Das Kind begibt sich auf seine perönliche Sozialisationsstrecke, und wird in den darauffolgenden Jahren gezwungen sich der Allgemeinheit, der Mehrheit anzupassen. Lehnt es dies ab, schalten sich Lehrer, Eltern, und nicht zuletzt die Polizei ein. Schulpflicht ist die Schönrede von Schulzwang, denn man wird ja gezwungen zur Schule zu gehen. Wer gezwungen wird, verliert ein Stück seiner Freiheit. Man wird gezwungen Steuern zu zahlen, man wird gezwungen Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten, man wird gezwungen dies zu tun, man wird gewzungen das zu tun. Ergo: Keine Freiheit! Und sowas nennt man dann Volksherrschaft. Wenn das Volk hier herrschen würde, hiesse es Anarchie! [...] Weil ich weiss das die Fascholizei meine Videos, Schulhefte, Tagebücher, einfach alles, nicht veröffentlichen will, habe ich das selbst in die Hand genommen.
Sebastian Bosse
Wieder einmal erkannte ich, dass ihr freundliches Äußeres, keineswegs bedeutete, dass sie schwach war. Im Gegenteil, man bekam es mit dem Fürchten zu tun, wenn ihre liebe Seite verschwand.
Spencer Hill, Krieg zwischen den Welten - Das zweite Gesicht
Womöglich, weil es in der Gesellschaft selbst heute noch als Schwäche angesehen wird, anders zu sein. Ich verspürte damals eine schreckliche Last auf mir, als ich das Studium abbrach, um das zu finden, worauf ich mittlerweile gestoßen war. Es war keine Last, keine Bürde, es war das Einzige, was ich tun konnte, auch wenn es die wenigsten verstanden.
Spencer Hill, Krieg zwischen den Welten – Das zweite Gesicht
Wie mache ich Marihuana? Wie mache ich Marihuana? Sie müssen nicht die gesamte Schüssel gleichzeitig rauchen. Nehmen Sie nur einen kleinen Treffer und beachten Sie, wie groß die Wolke Sie erstellen. Stellen Sie dann einen Timer ein und wiederholen Sie diesen Vorgang, bis Sie ein mildes Hoch erreichen. Sobald Sie hoch sind, können Sie einen Snack oder ein Getränk genießen. Der beste Weg, um die Auswirkungen von Marihuana zu genießen, ist mit Ihren Freunden. Wenn Sie sich Sorgen um das Hoch machen, können Sie diesen Vorgang bei Bedarf wiederholen. Dies sind die Kontaktinformationen der seriösen Marihuana-Verkäufer unten: Telegrammkonto: Broklyn07382 wickr: charleskolu420 Sie können auch Marihuana durch verschiedene Methoden bekommen. Einige Menschen bevorzugen es, Lebensmittel zu verwenden, um die Auswirkungen von Marihuana zu genießen, ohne es zu rauchen. Marihuana -Lebensmittel sind jedoch immer noch eine starke Methode, um die Effekte ohne Rauchen zu erzielen. Es ist ratsam, in einer kleinen Dosis zu beginnen und sie allmählich zu erhöhen. Andere Methoden des medizinischen Marihuana -Konsums sind Pillen, Kapseln oder Sprays. Marihuanaöl wird mit Flüssigkeiten gemischt und in die Kapsel eingeführt. Marihuana ist auch in vielen Gesundheitsgeschäften weit verbreitet. Eine der frühesten Möglichkeiten, Marihuana zu konsumieren, ist das Rauchen. Im alten Zentralasien rauchten Skythen es auf heißen Felsen in ihren Zelten. Sie inhalierten den Rauch, der von einem angenehmen Gefühl begleitet wurde. Heute ist Marihuana in einer Vielzahl von Formen erhältlich, darunter Esswaren, verdampft und geräuchert. All diese Methoden arbeiten mit der Veröffentlichung der psychoaktiven Zutaten von Marihuana, die ein Hoch liefert. Marihuana -Dampf ist die reinste Form von Marihuana, während seine Samen nur sehr wenig zu keiner der psychoaktiven Zutaten der THC enthalten. Dies sind die Kontaktinformationen der seriösen Marihuana-Verkäufer unten: Telegrammkonto: Broklyn07382 wickr: charleskolu420 Erstnutzer sollten klein anfangen und im Idealfall fünf Milligramm anstreben. Wenn Sie noch nie Marihuana ausprobiert haben, ist es besser, eine Stunde zu warten, bevor Sie es mehr ausprobieren. Und vergessen Sie nicht, dass Lebensmittel eine länger wirkende Methode zum Cannabiskonsum sind. Unabhängig davon, welche Methode Sie auswählen, sollten Sie das Produkt und seine Auswirkungen unbedingt erforschen. Wenn Sie bereit sind, Cannabis zu probieren, der in Betracht gezogen wird, eine Apotheke zu besuchen. In Kalifornien gibt es mehrere hoch bewertete Rechts Apotheken. Marihuanakonsum ist nicht jedermanns Sache. Marihuana wurde mit höheren Risiken von Depressionen, Angstzuständen und mangelnder Motivation in Verbindung gebracht. Es ist nicht klar, warum Marihuana das Gehirn beeinflusst, aber Wissenschaftler haben festgestellt, dass es die Menschen unterschiedlich beeinflussen kann. Abhängig von der Art von Marihuana und der Körperchemie können Marihuana -Benutzer unterschiedliche Auswirkungen auf das Gehirn haben. Während einige Leute Marihuana als angenehm empfinden, finden es andere eine sehr unangenehme Erfahrung. Dies sind die Kontaktinformationen der seriösen Marihuana-Verkäufer unten: Telegrammkonto: Broklyn07382 wickr: charleskolu420 Der Einsatz von Cannabis ist seit Jahrhunderten mit dem Rauchen verbunden. Allerdings kann dies jedoch nicht jeder tun. Einige Menschen können aufgrund kardiopulmonaler Bedingungen nicht rauchen. Darüber hinaus ist das Rauchen nicht sehr diskret und kann ihre Lungen gefährden. Darüber hinaus bevorzugen ältere Menschen traditionelle Methoden der Cannabisbehandlung. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass diese älteren Menschen das Rauchen mit medizinischem Gebrauch verbinden. Zum Glück gibt es noch andere Möglichkeiten, die Vorteile von Marihuana zu genießen.
Cannabis (Cannabis: Lined Journal/ Lined notebook/ gifts Journal | Ruled White Paper | Blank Lined Workbook for Writing Notes | Note Book (6 x 9 in) 150 Pages.)
Der Geist einer Person war etwas Faszinierendes. Als ob eine Person in einer Person leben würde. Als wären die beiden Nachbarn, die sich zwar verstehen, aber nicht immer einer Meinung sind. Schließlich ist das, was wir tun und das, was wir denken oftmals nicht dasselbe. Umso verzerrender ist der Gedanke, dass der Geist nicht mal in der Lage ist, sich selbst zu verstehen.
Spencer Hill, Krieg zwischen den Welten – Das zweite Gesicht
Ums Buch ist mir nicht bange. Das Buch hält sich noch lange. Man kann es bei sich tragen und überall aufschlagen. Sofort und ohne Warten kann dann das Lesen starten. Im Sitzen, Liegen, Knien ganz ohne Batterien. Beim Fliegen, Fahren, Gehen – ein Buch bleibt niemals stehen. Beim Essen, Kochen, Würzen ein Buch kann nicht abstürzen. Die meisten andren Medien tun sich von selbst erledigen. Kaum sind sie eingeschaltet, heißts schon: Die sind veraltet! Und nicht mehr kompatibel – marsch in den Abfallkübel Zu Bändern, Filmen, Platten, die wir einst gerne hatten, und die nur noch ein Dreck sind. Weil die Geräte weg sind und niemals wiederkehren, gibts nichts zu sehn, zu hören. Es sei denn, man ist klüger und hält sich gleich an Bücher, die noch in hundert Jahren das sind, was sie stets waren: Schön lesbar und beguckbar, so stehn sie unverrückbar In Schränken und Regalen und die Benutzer strahlen: Hab'n die sich gut gehalten! Das Buch wird nicht veralten.
Robert Gernhardt (Im Glück und anderswo: Gedichte)
Was habe ICH damit zu tun? Mit diesem Abend, mit diesen Menschen, mit diesem Mord. Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort. Soll mich das nun zum Handeln zwingen?
Michaela Weiß (Vielleicht sind wir alle Monster)
Gott vergilt nicht Gleiches mit Gleichem, und so soll es auch der Gerechte nicht tun. Nicht verurteilen, nicht schelten, sondern segnen. Die Welt hätte keine Hoffnung, wenn dies nicht wäre. Vom Segen Gottes und der Gerechten lebt die Welt und hat sie eine Zukunft. Segnen, das heißt die Hand auf etwas legen und sagen: du gehörst trotz allem Gott. So tun wir es mit der Welt, die uns solches Leiden zufügt. Wir verlassen sie nicht, wir verwerfen, verachten, verdammen sie nicht, sondern wir rufen sie zu Gott, wir geben ihr Hoffnung, wir legen die Hand auf sie und sagen: Gottes Segen komme über dich, er erneuere dich, sei gesegnet, du von Gott geschaffene Welt, die du deinem Schöpfer und Erlöser gehörst. Wir haben Gottes Segen empfangen in Glück und in Leiden. Wer aber selbst gesegnet wurde, der kann nicht mehr anders als diesen Segen weitergeben, ja er muß dort, wo er ist, ein Segen sein.
Dietrich Bonhoeffer (Dietrich Bonhoeffer 1906-45)
Das Abenteuer als anarchisches Tun in archaischen Räumen ist auch deshalb ein spannendes Experiment, weil damit primäre Erkenntnisse verbunden sind: größtmögliche Risiken bei größtmöglicher Freiheit. Wir leben heute in einer Zivilisation, die uns Freiräume nur vortäuscht. Und wir werden immer mehr davon aufgeben müssen. Auch weil wir so viele auf der Erde sind. Die Gesetze, die dem Grad der Freiheit des Individuums den Rahmen geben, werden deshalb immer enger. Auf dass die Gesellschaft funktionsfähig bleibt. Mir scheint aber, dass wir längst bei einem Minimum an Freiraum angekommen sind. Mit der »totalen Freiheit im Netz« sind wir dabei, den letzten Rest davon aufzugeben. Ich persönlich gehe lieber in die Berge als ins Internet. Einer Lawine kann ich ausweichen, einem Shitstorm nicht. Mit dem Argument größtmöglicher Meinungsfreiheit wird zuletzt ebendiese zerstört, weil der Einzelne im Netz diskreditiert werden kann, ohne dass irgendjemand dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Freiheit ohne Verantwortung aber ist gefährlich. Wie jene kollektive im Netz. In Shitstürmen schwimmen meist Überheblichkeit, Oberflächlichkeit und Aggression mit – oft auch Rassismus und Fremdenhass, alles andere als Toleranz. Freiheit, sagt man, habe immer auch die Freiheit der Andersdenkenden zu sein. Wenn sich diese aber nicht mehr wehren können, bleibt sie Illusion. Als Illusion darf der Begriff »Freiheit« von Berggipfeln schallen – dort richtet er wenigstens keinen Schaden an. Sogar das Abenteuer hat sich inzwischen der digitalen Kontrollgesellschaft unterworfen. Als bräuchten Akteure heute zuallererst Öffentlichkeit. Sie stellen ihre Grenzgänge als Ankündigung ins Netz, stellen über Satellit eine »Wildnis« zur Schau und posten zuletzt ein »Abenteuer«, das seine archaische Dimension längst verloren hat, weil Freiraum und kontrollierter Raum damit ein und dasselbe geworden sind, der einstige Gefahrenraum zum Als-ob-Gefahrenraum geformt wurde. Mein ABC des traditionellen Abenteuers – »no artificial oxygen, no bolts, no communications, no drugs« – ist damit ad absurdum geführt.
Reinhold Messner (Über Leben)
Das Fahrrad ist die abenteuerlichste Erfindung des menschlichen Geistes. Wie jeder großartige Einfall ist er sofort vollkommen da und duldet keine Verfeinerungen. [...] Längst bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß der Menschheit das Fahrrad geschenkt ist als Äquivalent für alle Plagen der Technik. Erbarmungsvoll ist ihr aus dem technischen Kollektiv — da es kein seelisches gibt — ein Weg in die Isoliertheit geöffnet. Das Fahrrad inthronisiert die Privatperson. Es macht sie unabhängig von Hilfsmitteln. Der Radfahrer tritt zu — und distanziert sich.[...] Sein Antipode ist der Automobilist. Das Wesen mit der Kuppelung. An den Motor, an die öffentliche Fahrrinne, an die Tankstelle. Vor allen Dingen : er wird gefahren — er fährt nicht. [...] Der Mensch muß viel erfahren haben, um klug zu werden. Da wir die Technik erleiden mußten, sind wir zweifellos zur größten Weisheit berufen. Nämlich: nichts für sich tun zu lassen, sondern alles selbst zu tun. [...] Das Wandern ist keine Lust, das Automobilfahren ist ein Laster. Zwischen Lustlosigkeit und Laster muß es liegen. Was? Das Menschenwürdige Der Querschnitt, Band XII, Heft 1, Ende Januar 1932, S. 30-32 .
Georg Kaiser
Gewöhnlich gipfelt all dies in der Schaffung eines Systems alles Bösen oder eines Systems alles Guten. Darin zeigt sich unsere Vorliebe für das Absolute. Denn wir haben es nicht gerne mit differenzierenden Adverbien zu tun.41 Sie machen die Sätze schwerfällig und geraten mit den unwiderstehlichen Gefühlen in Konflikt. Wir ziehen zum Beispiel den Superlativ »meist« dem Komparativ »mehr« vor oder den Superlativ »wenigst« dem Komparativ »weniger«. Wir haben eine Abneigung gegen die Wörter ziemlich, vielleicht, wenn, oder, aber, gegen, nicht ganz, fast, zeitweilig, teilweise. Und doch bedarf fast jede Meinung über öffentliche Angelegenheiten einer Einschränkung durch ein Wort dieser Art. Aber in unseren freien Gedanken strebt alles danach, sich als absolut zu gebärden – hundertprozentig, allerorts und immer.
Walter Lippmann (Public Opinion)
Ist die Seele auf Gott gestimmt, so wird jedes Tun zu Musik.
Hazrat Inayat Khan (Gayan - Vadan - Nirtan: die Essenz der Sufi-Botschaft von Hazrat Inayat Khan)
Es gibt Menschen, die sterben, weil sie etwas Schreckliches erlebt haben, und es gibt solche - wie deine Mutter zum Beispiel -, die leben weiter. Auch Familien reagieren unterschiedlich. Manche bewältigen ein Trauma, andere scheitern. Ob das nun an der Art des Erlebten liegt oder mit dem individuellen Charakter der Betroffenen zu tun hat - ich weiß es nicht. Die Kinder jedoch haben die größte Bürde zu tragen. Ich habe den Leichnam meiner Mutter gesehen, das hat mich geprägt. Doch da ich nun einmal lebe, kann ich mich an gutem Essen erfreuen und schöne Tage unbeschwert genießen. Das ist zwar nicht viel, aber zumindest das ist mir geblieben.
Banana Yoshimoto (Lizard)
Du denkst zuviel. Du machst dich nur kaputt, wenn du immer hin und her überlegst und dabei den richtigen Zeitpunkt verpasst. DAs einzige, was du zu tun brauchst, ist mit aller Kraft dasein, wamm, und strahlen, schön und überwältigend. Liebe - das ist nicht das süße Wort, das Ideal, sondern das Wilde, Ungestüme, davon rede ich.(...) Es geht um das, was Menschen sich selbst und anderen schenken können. Das ist ja wohl Liebe, oder?! Wie weit sie einander vertrauen, aneinander glauben können! Und es geht darum, um wie viel schwieriger es ist, das zu versuchen, als zu denken oder miteinander zu reden. Um wie viel kraftaufreibender, unsicherer.
Banana Yoshimoto (Amrita)
Die Arbeit, welche ein/e Sufi als seine oder ihre heilige Pflicht ansieht, hat nichts mit einem bestimmten Glaubensbekenntnis zu tun und auch nichts mit einer bestimmten Religion. Es ist nur diese einfache Sache: im Rhythmus mit den Umständen des Lebens zu schwingen, und auf das Unendliche eingestimmt zu sein.
Hazrat Inayat Khan (Meisterschaft: Spirituelle Verwirklichung in dieser Welt)
Ich habe nicht gewußt, was ein Mensch erträgt. Nun sitze ich da und muß mir sagen, auf dieser Fähigkeit, Unerträgliches zu ertragen und weiterzuleben, weiter zu tun, was zu tun man gewöhnt ist, auf dieser unheimlichen Fähigkeit beruht der Bestand des Menschengeschlechts.
Christa Wolf (Medea)
Übereinstimmung von Denken, Sprechen und Handeln nennen wir Geradlinigkeit. Das eine zu sagen aber das andere zu tun, oder umgekehrt, ist einem friedvollen Geist abträglich und daher nicht geeignet, Selbsterforschung zu fördern. Geradlinigkeit umfasst nicht nur wahrhaftiges Sprechen, es umfasst auch wahrhaftiges Denken und Handeln. Ein Mangel an Geradlinigkeit fragmentiert den Menschen und führt zu einem rastlosen, durch Konflikte beunruhigten Geist. (S. 185)
James Swartz (Yoga der Liebe: Naradas Bhakti Sutra aus der Perspektive des Vedanta)
Was wir heute als Volatilität und Instabilität der Märkte bezeichnen, hat damit zu tun, dass die Vertrauensgrundlagen der Ökonomie inzwischen so tief erschüttert sind, dass im Grunde nur noch diejenigen wirklich Geschäfte machen können, die auch zu verlieren bereit sind. Das sogenannte spekulative Kapital und die Spekulanten sind diejenigen, die nicht vom Vertrauen ausgehen, sondern von der Gewinnchance - sie sind die eigentlichen Spieler. Die allmähliche Transformation von der vertrauensbasierten Ökonomie in die Spielerökonomie, die eine sozialpsychologische Umstilisierung ganzer Gesellschaften einschließt, ist ein Teil des Dramas, das wir heute erleben.
Peter Sloterdijk (Gespräche über Gott Geist und Geld)
Ich hatte immer den Eindruck, dass ich mehr wissen müsste. Mehr studiert haben müsste. Mehr gelesen haben müsste. Mehr Lebenserfahrung haben müsste. Aber sind es nicht immer diese Zweifel, mit denen Menschen, die unterrepräsentiert sind, davon abgehalten werden, Dinge zu tun, die sie gerne tun würden und die sie für wichtig halten?
Aminata Touré (Wir können mehr sein: Die Macht der Vielfalt)
Lied von denen, auf die alles zutrifft und die alles schon wissen. Dass etwas getan werden muss und zwar sofort das wissen wir schon dass es aber noch zu früh ist um etwas zu tun dass es aber zu spät ist um noch etwas zu tun das wissen wir schon und dass es uns gut geht und dass es tan weiter geht und dass es keinen Zweck sombrero das wissen wir schon und dass wir schuld sind und dass wir nichts dafür können dass wir schuld sind und dass wir daran schuld sind dass wir nichts dafür können und dass es uns reicht das wissen wir schon und dass es vielleicht besser wäre die Fresse zu halten und dass wir die Fresse nicht halten werden das wissen wir schon das wissen wir schon und dass wir niemand helfen können und dass uns niemand helfen kann das wissen wir schon und dass wir begabt sind und dass wir die Wahl haben zwischen nichts und wieder nichts und dass wir dieses Problem gründlich analysieren müssen und dass wir zwei Stück Zucker in den Tee tun das wissen wir schon und dass wir gegen die Unterdrückung sind und dass die Zigaretten teurer werden das wissen wir schon und dass wire es jedes Mal kommen sehen und dass wir jedes Mal recht behalten werden und dass daraus nichts folgt das wissen wir schon und dass das alles wahr ist das wissen wir schon und dass das alles gelogen ist das wissen wir schon und dass das alles ist das wissen wir schon und dass Überstehn nicht alles ist sondern gar nichts das wissen wir schon und dass wire es überstehn das wissen wir schon und dass das alles nicht neu ist und dass das Leben schön ist das wissen wir schon das wissen wir schon das wissen wir schon und dass wir das schon wissen das wissen wir schon.
Hans Magnus Enzensberger
Lied von denen, auf die alles zutrifft und die alles schon wissen. Dass etwas getan werden muss und zwar sofort das wissen wir schon dass es aber noch zu früh ist um etwas zu tun dass es aber zu spät ist um noch etwas zu tun das wissen wir schon und dass es uns gut geht und dass es so weiter geht und dass es keinen Zweck hat das wissen wir schon und dass wir schuld sind und dass wir nichts dafür können dass wir schuld sind und dass wir daran schuld sind dass wir nichts dafür können und dass es uns reicht das wissen wir schon und dass es vielleicht besser wäre die Fresse zu halten und dass wir die Fresse nicht halten werden das wissen wir schon das wissen wir schon und dass wir niemand helfen können und dass uns niemand helfen kann das wissen wir schon und dass wir begabt sind und dass wir die Wahl haben zwischen nichts und wieder nichts und dass wir dieses Problem gründlich analysieren müssen und dass wir zwei Stück Zucker in den Tee tun das wissen wir schon und dass wir gegen die Unterdrückung sind und dass die Zigaretten teurer werden das wissen wir schon und dass wir es jedes Mal kommen sehen und dass wir jedes Mal recht behalten werden und dass daraus nichts folgt das wissen wir schon und dass das alles wahr ist das wissen wir schon und dass das alles gelogen ist das wissen wir schon und dass das alles ist das wissen wir schon und dass Überstehn nicht alles ist sondern gar nichts das wissen wir schon und dass wir es überstehn das wissen wir schon und dass das alles nicht neu ist und dass das Leben schön ist das wissen wir schon das wissen wir schon das wissen wir schon und dass wir das schon wissen das wissen wir schon.
Hans Magnus Enzensberger
Lied von denen, auf die alles zutrifft und die alles schon wissen. Dass etwas getan werden muss und zwar sofort das wissen wir schon dass es aber noch zu früh ist um etwas zu tun dass es aber zu spät ist um noch etwas zu tun das wissen wir schon und dass es uns gut geht und dass es so weiter geht und dass es keinen Zweck hat das wissen wir schon und dass wir schuld sind und dass wir nichts dafür können dass wir schuld sind und dass wir daran schuld sind dass wir nichts dafür können und dass es uns reicht das wissen wir schon und dass es vielleicht besser wäre die Fresse zu halten und dass wir die Fresse nicht halten werden das wissen wir schon das wissen wir schon und dass wir niemand helfen können und dass uns niemand helfen kann das wissen wir schon.
Hans Magnus Enzensberger
Nehmen wir an, Sie retten einem Menschen das Leben: Sie kommen an einem brennenden Gebäude vorbei, halten an, treten die Tür ein, laufen durch Rauch und Flammen, finden ein Kind und tragen es hinaus. Die Erinnerung an diesen Augenblick würde Sie Ihr Leben lang begleiten. Würden Sie mehreren Menschen das Leben retten – indem Sie an einem Tag ein Kind aus einem brennenden Haus tragen, in der folgenden Woche einen Ertrinkenden aus einem Fluss retten und sich wieder eine Woche später in die Flugbahn einer Kugel werfen –, so würden Sie zu der Überzeugung gelangen, Ihr Leben sei wirklich ungewöhnlich. Sie kämen in die Zeitung. Sie wären ein Held. Nun, Sie können viel mehr tun. Den sorgfältigsten Schätzungen zufolge kostet es in den Entwicklungsländern rund 3400 Dollar (oder 100 Dollar pro qualitätskorrigiertem Lebensjahr), ein Menschenleben zu retten. Dieser Betrag ist so gering, dass ihn die meisten Einwohner der reichen Länder jedes Jahr aufbringen könnten, ohne ihre Lebensqualität erheblich zu verringern. Anstatt nur einen Menschen zu retten, könnten wir in jedem Jahr unseres Erwerbslebens ein Leben retten. Hilfsorganisationen Geld zu spenden ist natürlich nicht annähernd so spektakulär, wie in ein brennendes Haus zu laufen, aber der Nutzen ist ebenso groß. Einfach dadurch, dass wir Geld für die effektivsten Hilfsprogramme spenden, können wir Dutzende Menschenleben retten. Verblüffend, nicht wahr?
William MacAskill (Doing Good Better: How Effective Altruism Can Help You Make a Difference)
Bei allem, was wir in großer Höhe tun, spüren wir eine lähmende Müdigkeit, eine gebremste Lebenskraft in Kopf und Beinen. Die Bewegungen, auch das Denken verlangsamen sich. Trägheit lastet auf unserer Entschlusskraft, als döse unser Wille im Halbschlaf. Es ist nicht Lethargie, was dem Menschen da oben die Kraft und die Sinnesschärfe nimmt, es ist der Mangel an Sauerstoff. Diese Art Dasein aber erlaubte mir früh schon einen Vorgeschmack auf das Altern. Niemand kann sich den Folgen des Sauerstoffmangels entziehen, sowenig wir dem Prozess des Alterns entgehen. Lebenskunst besteht auch darin, dies einzusehen und dieses Altern als Lernprozess zu verstehen, es täglich selbst auszufüllen. Es sind alternde Sherpas, die mich in ihrem Frieden bestärkt haben, mein Altern anzunehmen. Ihre Stirn in Falten gerunzelt, die Haut um die Augen schlaff, singen sie ihre Sherpa-Lieder. Ohne zu wissen, ob sie am anderen Morgen noch leben. Vor allem in den vielen Monaten, die wir gemeinsam in »eisigen Höhen« zugebracht haben, sind wir geworden, wie wir heute sind. Sogar die Entdeckung, dass die Welt dieselbe wäre, wenn es mich nie gegeben hätte, ist keine Zumutung mehr. Lange habe ich versucht, meine Welt selbst zu lenken, habe Vorbereitungen für die Zukunft getroffen. Ohne daran zu denken, dass die Zeit sich auflöst, ohne zu bemerken, dass auch die Eroberung des Nutzlosen vergänglich ist. Plötzlich sind die letzten Jahre gekommen: Unnützsein und Nichtsein werden eins. Ist es die häufige Vorstellung des Todes, die mir jetzt, mit siebzig, die Angst vor dem Sterben nimmt?
Reinhold Messner (Über Leben)
Nicht nur bei den Flat Earthlern, sondern auch bei anderen Communitys spielt YouTube als Verbreitungsweg eine zunehmend wichtige Rolle. Das ist wenig verwunderlich, schließlich tun sich viele Menschen deutlich schwerer mit dem Lesen langer Texte als mit dem Konsumieren kurzweiliger Videoformate. Aus psychologischer Sicht ist die Wahl des Verbreitungskanals nicht unerheblich. Zahlreiche wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass Menschen sich in der Regel besser an Bilder erinnern.14, 15 Texte geben dem Leser außerdem eher die Möglichkeit, Informationen in einem eigenen Tempo aufzunehmen, einzelne Annahmen zu hinterfragen und Belege zu recherchieren.
Katharina Nocun (Fake Facts: Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen)
Vielleicht hat die Sehnsucht nach dieser Welt auch sehr viel mit seiner Mutter zu tun.
Cornelia Funke (The Golden Yarn (MirrorWorld, #3))
Da das Spiel sich ungestraft wiederholte, so wirkte es nicht mehr, die Mägde schrien nicht mehr, versprachen nichts mehr, und die andern Knechte begannen es auch zu treiben. Nun fing der an, mit dem Messer gegen das Loch zu fahren, mit den gräßlichsten Flüchen sich zu vermessen, er mache den Zapfen los und wolle sehen, was drinnen sei, und sie müßten einmal auch was Neues sehn. Das weckte neues Entsetzen, und der Bursche, der das tat, ward allen Meister und konnte zwingen, was er wollte, besonders bei den Mägden. Das soll aber auch ein seltsamer Mensch gewesen sein, man wußte nicht, woher er kam. Er konnte sanft tun wie ein Lamm und reißend wie ein Wolf; war er alleine bei einem Weibsbilde, so war er ein sanftes Lamm, vor der Gesellschaft aber war er wie ein reißender Wolf und tat, als ob er alle haßte, als ob er über alles auswolle mit wüsten Taten und Worten; solche sollen den Weibsbildern aber gerade die liebsten sein. Darum entsetzten sich die Mägde öffentlich vor ihm, sollen ihn aber doch, wenn sie alleine waren, am liebsten von allen gehabt haben.
Jeremias Gotthelf (Die schwarze Spinne)
Wenn ein Wunsch zu mächtig war, neigte man dazu, Dinge zu sehen, die nichts mit der Realität zu tun hatten.
Anne-Marie Jaren (Isadora und Daeren: Band 1: Die Begegnung)
Es dauerte nicht lange, bis Flinkfinger erschien und ihn scharf musterte. »Ich will mein Messer zurück«, sagte er. Farisio verzog das Gesicht kurz zu einem grimmigen Lächeln. »Und ich meine Schwester«, entgegnete er. »Also denk ja nicht, dass ich irgendetwas für dich tun werde, bevor ich sie nicht gesund und wohlbehalten zurückhabe.«
Nicole Gozdek (Die Gilde der Schatten)
Er wusste nicht, ob es im Inneren noch Tunnel gab oder ob Teleportation der einzige Weg war, um die geheime Stadt der Schatten wieder zu verlassen. Farisio war auch ohne Ketten ein Gefangener und er konnte nichts dagegen tun.
Nicole Gozdek (Die Gilde der Schatten)
Der Klara kam es so köstlich vor, so ganz allein auf einem Berge zu sitzen, nur mit einem zutraulichen Geisslein, das ganz hilfsbedürftig zu ihr aufsah. Ein grosser Wunsch stieg auf in ihr, auch einmal ihr eigener Herr zu sein und einem anderen helfen zu können und nicht nur immer sich von anderen helfen lassen zu müssen. Und es kamen der Klara jetzt so viele Gedanken, die sie gar nie gehabt hatte, und eine unbekannte Lust, fortzuleben in dem schönen Sonnenschein und etwas zu tun, mit dem sie jemand erfreuen konnte, wie sie jetzt das Schneehöppli erfreute. Eine ganz neue Freude kam ihr ins Herz, als ob alles, was sie wusste und kannte, auf einmal viel schöner und anders sein könnte, als sie es bis jetzt gesehen hatte, dass sie das Geisslein um den Hals nehmen und ausrufen musste: "O, Schneehöppli, wie schön ist es hier oben; wenn ich nur immer da bei euch bleiben könnte!" (S. 310-311)
Johanne Spyri (Heidi)
Von einem Tisch an einer Bar, beobachten wir die Spieler, und ich erzähle Ischa eine Geschichte von einem Mann aus Deutschland, einem Verlagsvertreter, der regelmäßig seine gesamte Habe beim Spiel verlor und es trotzdem nicht lassen konnte. Dieser Mann habe mir auch irgendwann einmal gesagt, dass es ihm nicht ums Gewinnen gehe. "Man will eigentlich nur verlieren", hatte er gesagt. "Der Satz ist mir haftengeblieben", sage ich zu Ischa, "und das nicht nur, weil ich unendlich traurig finde, sondern vor allem, weil ich weiß - ohne dass ich schon genau sagen könnte, inwiefern -, dass in diesem Satz etwas sehr Wahres in puncto Suchtverhalten steckt." "Selbstzerstörung", sagt Ischa. "Oder Selbstvergessenheit", sage ich. "Es hat mit Kontakt, mit Intimität zu tun." "Oder mit der Unfähigkeit dazu". (S.157)
Connie Palmen (I.M.: Ischa Meijer. In Margine. In Memoriam)
Armut wird im Grunde durch einen Mangel and Geld verursacht", erklärt der Ökonom Joseph Hanlon. "Sie hat nichts mit Dummheit zu tun. Ein Mensch, der keine Haare auf dem Kopf hat, kann sich nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.
Rutger Bregman (Utopia for Realists: How We Can Build the Ideal World)
Als Abenteurer habe ich weder gegen die Natur angekämpft noch mich in ihr verloren. Ich habe gelernt, in ihr zu lesen, sie als gegeben zu respektieren und nicht weiter mit dem Leben zu hadern. Damit bin ich zu meinen Erkenntnissen über die Menschennatur gekommen und zu dem Mut, den Sinn in meinem Tun selbst zu definieren. Niemand hat mich dazu gezwungen. Ständig in der Wildnis unterwegs und vor das Nichts gestellt, zwingt uns die Natur zur Besinnung auf uns selbst.
Reinhold Messner (Über Leben)
Wir leben im Zeitalter des organisierten Diebstahls; eines so raffinierten Diebstahls, dass der Geschädigte kaum merkt, wie er bestohlen wird, und der Dieb seine Finger gar nicht zu beschmutzen braucht, um fremdes Gut an sich zu bringen. Der Vorgang, der das Eigentum vogelfrei macht, erscheint dem einfältigen Auge als eine elementare, dem menschlichen Einfluss entrückte Schicksalsprüfung, die man gottergeben hinzunehmen hat. Nur wenige ahnen, dass das vermeintliche Naturereignis in Wirklichkeit nichts anderes ist als ein roher Willkürakt der Menschen, den man frevelhaft nennen müsste, wenn hier nicht Christi Wort gälte: "Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Sie wissen es wirklich nicht, weil sie nicht wissen, was Geld ist. Es klingt wie eine Profanierung, aber es ist so. Die Unkenntnis vom Gelde wird hier tatsächlich zur epidemischen Unmoral.
Argentarius (Vom Gelde)
[...] Sprache dient nicht nur der Mitteilung von etwas, sie selbst ist auch eine Form des Handelns. Folgt man der Sprachtheorie, dann sind Aussagen wie "Sie sind verhaftet", "Hiermit taufe ich dieses Schiff" oder "Ich verspreche" performative Akte. Ein Redner kann diese Dinge nur tun, indem er die dazu passenden Worte spricht. Das Vorwissen darüber, was gesagt werden wird, ändert nichts an solchen Handlungen. Bei einer Hochzeit fiebern alle den Worten "Hiermit erkläre ich euch zu Mann und Frau" entgegen, und solange der Pfarrer sie nicht wirklich gesprochen hat, ist der zeremonielle Akt nicht gültig. Bei performativen Sprechakten sind Reden und Tun eins. Für die Heptapoden war alles Reden performativ. Sprache war für sie kein Werkzeug, um Informationen auszutauschen, sondern um Dinge wirklichkeitsgetreu darzustellen. Heptapoden wussten natürlich bei allen Gesprächen, wie sie verlaufen würden; damit ihr Wissen aber wahr sein konnte, musste das Gespräch erst stattfinden.
Ted Chiang (Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes)
es ist Erfindungsgeist, der aus Mangel entsteht, der uns kreativ macht. Dieser hat uns Menschen weitergebracht, weil wir in der Not über uns hinauswachsen. In unserer Zivilisation aber kommen uns Stärke und Behändigkeit langsam abhanden. Der zivilisierte Mensch mit all seinen Maschinen ist dem Abenteurer im Alltag zwar weit überlegen, diejenigen aber, die ohne diese Mittel auskommen müssen, bleiben auch dann überlebensfähig, wenn alle technischen Hilfen versagen. Selbstvertrauen hat zuletzt mit Überlebensfähigkeit zu tun. Je mehr wir von Hilfen abhängig sind, umso weniger ist unser Selbstvertrauen wert.
Reinhold Messner (Über Leben)
Ist doch echt komisch, dass diese Wahlentscheidungen oft so knapp ausfallen«, wundere ich mich. »Das hat bestimmt damit zu tun, dass man immer das Gefühl hat, nur zwischen Übeln wählen zu dürfen. Aber warum, wenn sich doch theoretisch jeder zur Wahl stellen kann, stehen am Ende nur Leute zur Wahl, die man nicht wählen möchte?
Marc-Uwe Kling (Die Känguru-Chroniken (Die Känguru-Chroniken, #1))
Die Lektion des Nazitums ist nicht nur eine Geschichtslektion über Machtpolitik, Gier, Größenwahn und über das Böse, sondern sie lehrt auch, was Männer und Frauen zu tun imstande sind, wenn sie keine Beziehung zu ihrem inneren Sein haben. Dies zu erkennen könnte dazu beitragen, uns heute vor Ähnlichem zu bewahren. Denn solche Menschen sind nach wie vor überall unter uns. Statt politischen Ideologien folgen sie heute zum Beispiel den Gesetzen des geschäftlichen Erfolges.
Arno Gruen (The Insanity of Normality: Toward Understanding Human Destructiveness)
Ich denke, das allerbeste, das man gegen Körperangst, Ekel oder Scham tun kann, ist, sich sehr genau mit sich auszukennen. Sich damit zu befassen, wie irrsinnig geistreich unser Körper gestaltet ist. Alles hat seinen Platz, seine Funktion, und eine gewisse Ästhetik kann man solchen Innereien auch nicht absprechen. Wissen ist in diesem Fall weniger Macht als vielmehr Abenteuer und Freundschaft mit sich selbst.
Luisa Stömer & Eva Wünsch
Gott erwählt sich den Sünder zum Knecht, damit seine Gnade ganz deutlich werde. Der Sünder soll Sein Werk tun und Seine Gnade ausbreiten. Wem Gott vergeben hat, dem gibt er einen Dienst zu tun. Aber dieser Dienst kann in nichts anderem bestehen als im Nachfolgen. Große Programme führen uns immer nur dorthin, wo wir selbst sind; wir aber sollten uns nur dort finden lassen, wo Er ist.
Klaus Koziol (Gott ist bei uns: Ein Bonhoeffer-Lesebuch)
Das Wahlergebnis ist daher nie mehr als eine Zweckmäßigkeit. Selbst für das Rechte zu stimmen bedeutet nichts dafür zu tun. Es zeigt anderen Gegenüber nur den schwachen Wunsch, dass es vorherrschen möge. Ein weiser Mann wird das Rechte nicht der Gnade des Zufalls überlassen. Noch wird er wünschen, dass es sich durch die Kraft der Mehrheit durchsetzt. Es ist nur wenig Tugend in der Handlung der Vielen. [...] Nur dessen Stimme kann die Abschaffung der Sklaverei beschleunigen, der seine eigene Freiheit dafür auf’s Spiel setzt.
Henry David Thoreau (Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat)
Güte ist nicht ohne Klippen: man schreibt sie dem Charakter zu und erkennt die stille Bemühung einer schönen Seele nur selten an. Die Bösen dagegen belohnt man für das Böse, das sie nicht tun.
Honoré de Balzac (Une Fille D'Ève / La Fausse Maîtresse)
Es ist ein Verstoß gegen den natürlichen Lauf der Dinge“, sagt sie schließlich. „Im Glauben meines Volkes ist es nämlich so: Die Natur hat uns allen das Leben geschenkt. Dir und mir, den Vögeln, die in diesem Moment um uns herum singen, den Mäusen, die durch das Dickicht huschen, den Kräutern und den Bäumen. Aber dieses Geschenk ist eigentlich bloß eine Leihgabe. Irgendwann kommt der Tag, da holt sie es sich zurück. Dann verwandeln wir uns zu Staub und werden wieder eins mit ihr. Bis sie uns erneut auf die Reise schickt, uns Leben gibt, in einem anderen Körper und zu einer anderen Zeit. Wir sind Teil eines ewigen Kreislaufs der Energien, verstehst du? Und die Natur allein bestimmt, wie er zu verlaufen hat. So wie sie bestimmt hat, dass Pflanzen über der Erde wachsen, dem Licht entgegen. Dass sie nur zu bestimmten Zeiten im Jahr Früchte tragen. Dass Bäume jeden Herbst ihre Blätter verlie-ren, um in den Winterschlaf zu gehen. Wir Menschen mögen vielleicht zu klein und unbedeutend sein, um den Sinn hinter diesen Regeln zu verstehen. Wir mö-gen uns fragen, warum wir nicht immer Äpfel essen können, warum die Winter so kalt und die Sommer so heiß sind. Dennoch müssen wir uns dem beugen. Das nicht zu tun … so radikal einzugreifen in das, was unsere Natur uns geschenkt hat … das fühlt sich für mich an wie ein furchtbares Sakrileg.
Eva Klocke (Immuna X)
Das Neutrum der deutschen Sprache kann ich auch heute, nach über zweiundzwanzig Jahren in Deutschland, noch nicht leiden. Die arabische Sprache kennt kein Neutrum. Ein Fremder, der die deutsche Sprache liebt, schließt Frieden mit den Konjunktiven und meinetwegen auch mit den Vorsilben, selbst wenn manche schwer zu verdauen sind. Aber mit dem Neutrum ist nicht einmal ein Waffenstillstand möglich. Ein Neutrum, mit dem der ausländische Mensch in seiner Kindheit und Jugend nie zu tun gehabt hat, ist nichts anderes als eine heimtückische Falle.
Rafik Schami (Gesammelte Olivenkerne aus dem Tagebuch der Fremde)
Ja, ihretwegen", antwortete der Fürst leise, indem er sinnend und traurig den Kopf neigte und dabei nicht ahnte, mit welch flammendem Blick Aglaja ihn betrachtete, "ihretwegen, nur um zu erfahren... ich glaube nicht, an ihr Glück mit Rogoshin, obwohl... ich weiß, mit einem Wort, nicht, was ich hier für sie tun und wie ich ihr helfen könnte, ich bin aber doch gekommen." Er zuckte zusammen und blickte Aglaja an; diese hörte ihm haßerfüllt zu. "Wenn Sie, ohne zu wissen weshalb, gekommen sind, lieben Sie sie also nicht sehr?" sagte sie endlich. "Nein", antwortete der Fürst, "nein, ich liebe sie nicht. Oh, wenn Sie wüßten, mit welchem Entsetzen ich an die mit ihr verlebte Zeit zurückdenke!" Ein Zittern überlief bei diesen Worten seinen ganzen Körper. "Erzählen Sie alles", sagte Aglaja. "Es ist nichts dabei, dass Sie nicht mit anhören könnten. Ich weiß nicht, weshalb ich das alles Ihnen und nur Ihnen allein erzählen wollte; vielleicht weil ich sie wirklich lieb hatte. Diese unglückliche Frau ist tief davon überzeugt, dass sie das lasterhafteste, am tiefsten gefallene Geschöpf von der Welt sei. Oh, schänden Sie sie nicht, werfen Sie keinen Sinn auf sie. Sie hat sich selbst mit dem Bewußtsein ihrer unverdienten Schande nur zu sehr gequält! Und was hat sie denn verschuldet, o mein Gott! Sie ruft jeden Augenblick erregt aus, dass sie sich nicht für schuldig hält, dass sie ein Opfer der Menschen, ein Opfer eines Wüstlings und Schuftes ist; Sie müssen aber trotz aller dieser Worte wissen, dass sie die erste ist, die sich selbst nicht glaubt und dass sie im Gegenteil mit ihrem ganzen Gewissen davon überzeugt ist, dass... sie selbst schuldig ist. Wenn ich diese Trostlosigkeit zu verscheuchen versuchte, hatte sie so furchtbar darunter zu leiden, dass mein Herz niemals heilen wird, solange ich noch an diese furchtbare Zeit zurückdenken werde. Mir ist so, als hätte man mein Herz ein für allemal durchbohrt. Wissen Sie, weshalb sie von mir geflohen ist? Nur um mir zu beweisen, dass sie gemein ist. Das Furchtbarste daran ist aber, dass sie vielleicht selbst nicht wusste, dass sie mir das beweisen wollte, sondern deshalb floh, weil sie in ihrem Innern durchaus irgend etwas Schändliches begehen wollte, um sich dabei sagen zu können: Du hast eine neue Gemeinheit begangen, folglich bist du ein niedriges Geschöpf! Sie werden das vielleicht nicht begreifen, Aglaja! Wissen Sie denn, dass in diesem ununterbrochen Bewusstsein der Schande für sie vielleicht ein großes, unnatürliches Vergnügen enthalten ist, eine Art Rache an jemand! Ich brachte sie manchmal so weit, dass sie wieder Licht um sich sah; dann war sie aber gleich darüber entrüstet und ging so weit, dass sie mich voll Bitterkeit beschuldigte, ich stelle mich hoch über sie - ich dachte nicht im entferntesten daran - und mir endlich, als ich ihr vorschlug, sie zu heiraten, geradeaus erklärte, sie verlange von niemand hochmütiges Mitleiden, Hilfe oder ihre Erhebung. Sie haben sie gestern gesehen; glauben Sie denn wirklich, dass sie in dieser Gesellschaft glücklich ist, dass es ihr Kreis ist? Sie wissen nicht, wie intelligent sie ist und was sie alles zu begreifen imstande ist!
Feodor Dostoievski (The Idiot)
Sinn wird uns vor allem mit einem gelingenden Leben bewusst. Weil wir dabei aus Erfahrungen wissen, was gut für uns ist. Es ist aber ebenso wenig erstrebenswert wie zielführend, immerzu sinnerfüllt und glücklich zu sein. So wichtig es ist, Sinn zu stiften, Glück geschieht, es ist die Folge von Sinnhaftigkeit. Sinn ist immer subjektiv, er entsteht aus unseren Beziehungen zu anderen Menschen, zu bestimmten Dingen, zu unserem Tun. Weil es an uns liegt zu gewichten. Dabei geht es nie um einen übergeordneten Sinn, der uns wie Traditionen weitergegeben wird. Er ist auch nicht in Konventionen festschreibbar, Institutionen wie die Kirchen möchten ihn zwar vorgeben, missachten dabei aber allzu oft die Natur des Menschen. Sinn macht Energie frei, die mit Lebensfreude einhergeht. Wenn wir das »Richtige« tun und intensiv bei unserer Sache sind, stellt sich weder die Frage nach dem Glück noch jene nach dem Sinn. Wir selbst sind dann der Sinn, nach dem Glück brauchen wir uns dabei nicht mehr umzusehen. Es stellt sich von selbst ein. Als Prozess: zum Beispiel, wenn der Stärkere dem Schwächeren hilft.
Reinhold Messner (Über Leben)
Die Wissenschaft ist ein Land, welches die Eigenschaft hat, um so mehr Menschen beherbergen zu können, je mehr Bewohner sich darin sammeln; sie ist ein Schatz, der um so grösser wird, je mehr man ihn teilt. Darum kann jeder von uns in seiner Art seine Arbeit tun, und die Gemeinsamkeit bedeutet nicht Gleichförmigkeit. Science is one land, having the ability to accommodate even more people, as more residents gather in it; it is a treasure that is the greater the more it is shared. Because of that, each of us can do his work in his own way, and the common ground does not mean conformity.
Wilhelm Ostwald
Weh tut es ja immer noch, das ist nicht zu leugnen. Aber so soll es denn in Gottes Namen weh tun;ich überlasse die Krankheit sich selber,ich bin nicht dazu da, ihr den ganzen Tag den Hof zu machen. (Kurgast)
Hermann Hesse
Krieg lässt dich verdammt kranke Dinge tun, das liegt in seiner Natur. Wenn es auf einmal dein höchstes Ziel geworden ist, möglichst vielen Menschen umzubringen, ihnen eine Kugel ins Gesicht zu schießen oder ihnen mit Sprengfallen so viele Körperteile abzureißen, dass sie verbluten - dann steht so etwas wie Moral nicht mehr allzu weit oben auf deiner Prioritätenliste.
Konstantin Flemig
Soll ich dir eine Geschichte erzählen? Nein. Warum nicht? Der Junge sah ihn an und wandte den Blick ab. Warum nicht? Diese Geschichten sind nicht wahr. Das müssen sie auch nicht sein. Es sind Geschichten. Ja. Aber in den Geschichten helfen wir andauernd jemanden, dabei tun wir das in Wirklichkeit gar nicht. Warum erzählst du mir nicht eine Geschichte? Ich will nicht. Okay. Ich habe keine Geschichten zu erzählen. Du könntest mir eine Geschichte über dich selbst erzählen. Die Geschichten über mich kennst du alle. Du warst dabei. Du hast Geschichten in deinem Inneren, von denen ich nichts weiß. Du meinst, so was wie Träume? Ja. Oder einfach Sachen, über die du nachdenkst. Ja, aber Geschichten sollen doch schön sein. Nicht unbedingt. Du erzählst immer schöne Geschichten. Kennst du denn keine schönen? Meine haben mehr mit dem wirklichen Leben zu tun. Und meine nicht? Deine nicht. Nein. Der Mann betrachtete ihn. Und das wirkliche Leben ist ziemlich übel? Was denkst du denn? Tja, ich denke, es gibt uns noch. Es sind viele schlimme Sachen passiert, aber es gibt uns immer noch. Ja. Du findest das nicht so toll. Es ist okay.
Cormac McCarthy (The Road)
Dieser Hund war ein Killer, und das einzige, was ihn schützte, war eines der vielen durchsichtigen und widersinnigen Vorurteile, für die die amerikanische Oberschicht berühmt ist: nämlich dass die Kinder und Haustiere der Aristokratie gar nicht frei genug sein können und dass sie gar nicht imstande sind, jemandem weh zu tun. Dass es anderen Leuten verboten sein müsste, die Welt zu übervölkern oder ihre Hunde von der Leine zu lassen, dass aber die Hunde und Kinder der reichen Leute ein Recht darauf haben, frei herumzulaufen.
John Irving
Sechs friedliche Jahrzehnte haben dafür gesorgt, dass die Bürger die Grundrechte nicht mehr als schützenswertes Allgemeingut, sondern als eine Sammlung von Privatansprüchen auf persönliche Bedürfnissbefriedigung missverstehen. Jeder, der sich vom Leben ungerecht behandelt fühlt, besinnt sich auf seine "Grundrechte" wie auf einen Forderungskatalog, den Millionen nörgelnder Einzelkinder ihrem "Vater Staat" entgegenhalten. In Wahrheit sind die Grundrechte ihrer Konzeption nach keineswegs Gutscheine auf persönliche Fürsorge, sondern ein Abwehrschirm gegen staatliche Eingriffe. Die individuelle Freiheit wird nicht geschützt, um dem Bürger X oder Y einen Gefallen zu tun. Die Grundrechte sind Ordnungsprinzipien, die eine Gesellschaft so organisieren, dass sie sich in demokratischen Verfahren durch ihre Repräsentanten selbst regieren kann. Es ist ein Irrtum, wenn der Einzelne glaubt, mit den Entscheidungen in Brüssel, Washington, London oder Berlin habe er nichts zun tun, solange immer nur von "Terroristen" die Rede ist. Wer sich nur dann an seine Grundrechte erinnert, wenn er sich persönlich geschädigt fühlt, hat entweder nicht verstanden, worum es geht, oder zeigt sich schlicht verantwortungslos.
Zeh, Juli / Trojanow, Ilja.
Früher oder später werden wir alle lernen müssen, dass die Welt das eine oder andere über uns weiß. Das war im Übrigen schon immer so. Ich bin in einem echten Kaff in Sussex groß geworden. Jeder kannte jeden. Wusste, wer mit wem hinter der nächsten Brombeerhecke fremdging. Wer soff, wer krank oder impotent war oder ein Geschäft plante. Heute wohne ich eben im globalen Dorf." "Das alte Dorf war ein überschaubarer Kreis." "Aber er war nicht angenehmer. Und auch nicht gnädiger. Wehe, du hast nicht mitgespielt, warst am Sonntag nicht in der Kirche oder beim Feuerwehrfest oder im Elternrat der Schule. Anonymoität, Privatsphäre? Fehlanzeige. Ein Außenseiter hat kein leichtes Leben im Dorf." "Aus dem Dorf kann man wegziehen. Stadtluft macht frei. Warum bist du in London?" "Weil man da draußen nur Schafhirte oder Alkoholiker werden kann?", fragt Anthony. "Oder beides?" "Aus dem globalen Dorf kann man nicht wegziehen." "Willst du das denn?" "Ich habe schon ganz gern einen Platz, an dem ich nicht gestört werde." "Ich habe nichts zu verbergen", meint Anthony jovial. "Wie langweilig!", erwidert Cyn und amüsiert sich über Anthonys verdutze Miene. Chander im Nebensitz grinst mit ihr. "Wie viel verdienst du eigentlich?", fragt sie. "Was hat das damit zu tun?", fragt Anthony zurück. "Wie viel verdienst du?" "Ich...ähm", druckst Anthony herum. "Na also, geht doch! Wie sieht dein bestes Stück aus?" "Ja, los, sag schon", lacht Chander. "Ich weiß, worauf du hinaus willst"; lächelt Anthny nachsichtig. "Dass wir alle unsere kleinen Geheimnisse brauchen.
Marc Elsberg (ZERO)
„Glaubst du an das, was dieser Ryan Carter gesagt hat?“, fragte Hugh nach einer Weile des Schweigens. „Den Part, dass du seine Sonne und sein Gott bist?“ „Nein. Zumindest will ich es nicht glauben.“ Seufzend strich Todd durch Dannys Haar, er spürte, dass sein Partner, der zwischendurch geschlafen hatte, aufgewacht war. „Ich will nicht sein Gott sein, die Macht haben, alles mit ihm zu tun, was immer mir in den Sinn kommt. Ich will keine Sonne für ihn sein, weit entfernt, unmöglich zu berühren. Die Sonne schenkt Licht und Leben, ja, aber sie vernichtet es auch. Außerdem ist ihr völlig gleichgültig, was um sie herum kreist, sie ist ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. Wenn wir im kosmischen Bild bleiben, dann bin ich seine Erde und er mein Mond. Er umkreist mich, meine Schwerkraft beschützt ihn davor, aus dem Sonnensystem rausgekegelt zu werden und an irgendeinem riesigen Meteor oder Planeten zu zerschellen. Oder in den unendlichen Weiten verloren zu gehen. Er braucht mich, um existieren zu können. Doch ich brauche ihn auch. Ohne die Schwerkraft des Mondes hätten wir hier unten urgewaltige Gezeiten, Ebbe und Flut würden alles Leben zerstören. Mein Mond garantiert also mein Überleben, er bringt mich zur Ruhe, schenkt mir sein Leuchten … Würde ich ihn schlagartig verlieren, würde mich das nicht sofort zerstören, so wie im umgekehrten Fall, aber innerhalb kurzer Zeit wäre es aus mit mir.
Filia V. Temporis (Knocking on hell's door)
...jedoch spürt man auf ziemlich perverse Art, dass man dem Leben an sich ausgeliefert ist, weil es einen zwingt, zu atmen und zu atmen und zu atmen in einer endlosen Kapitulation vor der biologischen Routine, und dass das menschliche Streben nach Kontrolle ebenso viel mit der Machtergreifung über den eigenen Körper zu tun hat wie mit der Ausübung von Macht über andere.
Tim Winton (Breath)
Der Lehrsatz -nicht des Tages oder des Sonntags- sonder des Lebens: (oder: warum man Nachrichtensprecher nicht ernst nehmen darf) Leider wird es immer schwieriger, das echte Wissen vom Chauffeur-Wissen* zu trennen. Bei den Nachrichtensprechern ist es noch einfach. Das sind Schauspieler. Punkt. Jeder weiß es. Und doch überrascht es immer wieder, welchen Respekt man diesen Meistern der Floskeln zollt. Sie werden für Geld eingeladen, Panels und Podien zu moderieren, deren Themen sie kaum gewachsen sind. [...] Bei den Journalisten ist es schon schwieriger. Hier gibt es einige, die sich solides Wissen angeeignet haben. Oft die älteren Semester, Journalisten, die sich über Jahre auf einen klar umrissenen Themenkranz spezialisiert haben. [...] Die Mehrheit der Journalisten fällt leider in die Chauffeur-Kategorie. In kürzester Zeit zaubern sie Artikel zu jedem beliebigen Thema aus dem Hut, oder besser: aus dem Internet. Ihre Texte sind einseitig, kurz und - oft als Kompensation für ihr Chauffeur-Wissen - ironisch. [...] Fazit: Misstrauen Sie dem Chauffeur-Wissen. Verwechseln Sie den Firmensprecher, den Showman, den Nachrichtensprecher, den Plauderer, den Worthülsenbastler, den Klischeekolporteur nicht mit einem wirklich Wissenden. Wie erkennen Sie den? Es gibt ein klares Signal. Wirklich Wissende wissen, was sie wissen - und was nicht. Befindet sich jemand von diesem Kaliber außerhalb seines "Kompetenzkreises", sagt er entweder gar nichts oder: "Das weiß ich nicht." Er sagt diesen Satz ohne Pein, ja sogar mit einem gewissen Stolz. Von Chauffeuren hört man alles andere, nur diesen Satz nicht. * Chauffeur-Wissen; die Chauffeure sind Leute, die so tun, als würden sie wissen. Sie haben gelernt, eine Show abzuziehen. Sie besitzen vielleicht eine tolle Stimme oder sehen überzeugend aus. Doch das Wissen, das sie verbreiten, ist hohl. Eloquent verschleudern sie Worthülsen. S. 62-63
Rolf Dobelli (The Art of Thinking Clearly)
So, wie es nur Musik gibt, weil es Pausen gibt, existieren Sätze nur, weil es leere Stellen zwischen den Wörtern gibt. Solange ich etwas tue, fühle ich mich ganz. Aber niemand kann vierundzwanzig Stunden aktiv sein. In dem Augenblick, in dem ich aufhöre, etwas zu tun, fühle ich, dass mir etwas fehlt.
Paulo Coelho (The Witch of Portobello)
Es ist ein Verdrängungsmechanismus, zu behaupten, die Gewalt, die wir erleben, habe nichts mit dem Islam zu tun. Es ist das Ausweichen vor einer kritischen Auseinandersetzung mit den Teilen der islamischen Tradition, die längst überholt sind. Die islamische Theologie muss sich dieser Auseinandersetzung stellen.
Mouhanad Khorchide
Ich halte nichts von dem Satz, Islam und Islamismus hätten nichts miteinander zu tun. Ich halte auch nichts von apologetischen Sätzen, wie wir sie nach den Anschlägen von Paris wieder gehört haben, diese Anschläge hätten mit dem Islam nichts zu tun. Denn die Extremisten berufen sich schließlich auf kein anderes Buch als auf den Koran. Es gibt innerhalb der islamischen Theologie eine Bandbreite an Positionen – von friedlichen, menschenfreundlichen bis hin zu menschenverachtenden, gewalttätigen Haltungen. Die eigentliche Frage ist, warum sich einige Menschen auf die humanen Aspekte der 1400-jährigen Ideen-Geschichte des Islam beziehen und andere auf die grausamen. Die andere Frage ist, wie wir die offenen, menschenfreundlichen Positionen stärken können. Es ist ein Verdrängungsmechanismus, zu behaupten, die Gewalt, die wir erleben, habe nichts mit dem Islam zu tun. Es ist das Ausweichen vor einer kritischen Auseinandersetzung mit den Teilen der islamischen Tradition, die längst überholt sind. Die islamische Theologie muss sich dieser Auseinandersetzung stellen.
Mouhanad Khorchide
Bei der Flüchtlingsfrage müssen wir deshalb mehr tun, weil 50% Prozent aller Flüchtlinge, die kommen...gehen in 3 Länder, das sind Deutschland, Frankreich und Schweden. 25 Mitgliedsstaaten der europäischen Union sind nicht bereit sich daran zu beteiligen. Das ist ein Skandal! Und deshalb darf man auch mal berechtitgerweise sagen: Solidarität heißt an diesem Problem müssen sich ALLE Länder der europäischen Union beteiligen.
Martin Schulz
Ich spüre seine Hand auf meinem Arm unnd zucke zurück. Ich verdiene keinen Trost. Nicht nach dem, was ich getan habe. Oder wieder tun könnte. Cole gibt nicht auf und legt die Hand auf meine Schulter. Diesmal lasse ich es geschehen Die Berührung seiner Fingerspitzen dringt durch meine Jacke und brennt auf meiner Haut. Es ist so lange her, seit mich jemand berührt hat. Seine Hand scheint hundert Kilo schwer zu sein, so ungewohnt fühlt sich die Berührung an. Aber es ist ein gutes Gefühl.
Mandy Hubbard (Ripple)
Es ist in vieler Hinsicht leichter, ohne Horizonte zu leben, im Nebel und in der Enge, jedenfalls ist mir bewusst, dass ich mich an simple und praktische Tätigkeiten halten muss: wie gesagt, Beschlüsse fassen und sie in die Tat umsetzen, sonst könnten alle Dämme brechen. Wenn alles, jeder Schritt und jede Handlung und Unternehmung, ohne tieferen Sinn ist, wenn man ebenso gut etwas völlig anderes hätte tun können als das, was man gerade macht, und man es einfach nicht lassen kann, sich daran zu erinnern – und wenn das Einzige, was eventuell von Bedeutung ist, in den Fehlern und Missetaten zu bestehen scheint, die man in der Vergangenheit begangen hat –, tja, dann lauert der Wahnsinn hinter der nächsten Ecke.
Håkan Nesser (Die Lebenden und Toten von Winsford)
Die Grenze verläuft nicht nach Religionszugehörigkeit, sie trennt vielmehr Extremisten und friedliebende Menschen. Deshalb bin ich optimistisch: Es wird nun ein humanistischer Islam wachgerüttelt. Der moderate Islam muss endlich aus der Deckung treten und erklären, wie mit den gewaltverherrlichenden Stellen im Koran umzugehen ist. Die Verdrängung, das habe nichts mit unserem Glauben zu tun, funktioniert nicht länger. Wir müssen uns dieser Herausforderung stellen.
Mouhanad Khorchide
Terror hat mit Islam so wenig zu tun wie Vergewaltigung mit Liebe.
Jürgen Todenhöfer (Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat')
Nicht die Welt aus den Angeln zu heben, sondern am gegebenen Ort das sachlich – im Blick auf die Wirklichkeit – Notwendige zu tun und dieses wirklich zu tun, kann die Aufgabe sein.
Manfred Weber (Dietrich Bonhoeffer. Worte für jeden Tag)
Die Arbeiterbildner der Weimarer Republik […] sorgten sich während der ganzen Zeit ihres Tuns, dass ihre kleine Elite, ausgestattet mit dem geistigen Rüstzeug der Bildungskurse, am Ende nicht wie ein Sauerteig in der eigenen Klasse fortwirkte, um diese insgesamt zu heben, sondern den individuellen Aufstieg versuchen könnte. Dann hätte ausgerechnet die Arbeiterbildung durch erfolgreiche kognitive Vermittlung die Besten von der Arbeiterklasse gelöst und entfremdet, was dem Grundanliegen – der Emanzipation der gesamten Klasse – schroff zuwiderlief.
Franz Walter
Liebe zum Teufel! Was bleibt sonst zu tun?
Lisz Hirn
Eines der traurigsten Dinge im Leben ist, dass ein Mensch viele gute Taten tun muss, um zu beweisen, dass er tüchtig ist, aber nur einen Fehler zu begehen braucht, um zu beweisen, dass er nichts taugt.
George Bernard Shaw
Mach dir keinen Kummer, ich werde dich lieben und dir die schrecklichen Sachen ersparen, von denen dir deine Schulfreundinnen erzählen: Sachen, wie sie angeblich in Hochzeitsnächten passieren; glaub dem Geflüster dieser Närrinnen nicht; wir werden lachen, wenn es soweit ist, bestimmt, ich verspreche es dir, aber du mußt noch warten, ein paar Wochen, höchstens einen Monat, bis ich den Blumenstrauß kaufen, die Droschke mieten, vor eurem Haus vorfahren kann. Wir werden reisen, uns die Welt anschauen, du wirst mir Kinder schenken, fünf, sechs, sieben; die Kinder werden mir Enkel schenken, fünfmal, sechsmal, siebenmal sieben; du wirst nie merken, daß ich arbeite; ich werde dir den Männerschweiß ersparen, Muskelernst und Uniformernst; alles geht mir leicht von der Hand, ich hab's gelernt, ein bißchen studiert, hab den Schweiß im voraus bezahlt; ich bin kein Künstler; mach dir keine Illusionen; ich werde dir weder falsche noch echte Dämonie bieten können, das wovon dir deine Freundinnen Gruselmärchen erzählen, werden wir nicht im Schlafzimmer tun, sondern im Freien: du sollst den Himmel über dir sehen. Blätter oder Gräser sollen dir ins Gesicht fallen, du sollst den Geruch eines Herbstabends schmecken und nicht das Gefühl haben, an einer widerwärtigen Turnübung teilzunehmen, zu der du verpflichtet bist; du sollst herbstliches Gras riechen, wir werden im Sand liegen, unten am Flußufer, zwischen den Weidenbüschen, gleich oberhalb der Spur, die das Hochwasser hinterließ; Schlifstengel, Korken, Schuhkremdosen, eine Rosenkranzperle, die einer Schifferfrau über Bord fiel, und in einer Limonadenflasche eine Post; in der Luft der bittere Rauch der Schiffsschornsteine; rasselnde Ankerketten; wir werden keinen blutigen Ernst draus machen, obwohl's natürlich ernst und blutig ist".
Heinrich Böll (Billard um halbzehn / Ansichten eines Clowns / Ende einer Dienstfahrt)
Kommen Sie mir nicht noch einmal zu nahe mit Ihrem Schlachtermesser. Wenn das Ihre Vorstellung von Hilfe ist, dann will ich nichts damit zu tun haben.
Stephen King (The Dead Zone)
Die Lage ist kritisch, und du bist in der einzigartigen Position, Einfluss auf sehr bedeutsame historische Ereignisse zu nehmen. Der Moment ist da. Der Moment, an dem geschichtliche Weichen gestellt werden. Stell dir vor, du hättest etwas tun können, ehe Hitler Kanzler wurde. Ehe Stalin Osteuropa annektierte. Wir sind drauf und dran, ein weiteres sehr hungriges, sehr böses Reich zu erschaffen, Mae. Verstehst du das?
Dave Eggers
Warum hatten sie ihn aufgehängt wie ein Lynchopfer, warum hatten sie ihn nicht einfach weggeworfen wie den Abfall? Um zu beweisen, daß sie es tun konnten, daß sie die Macht hatten, zu töten. Sonst hatte er keinen Wert: aus der Entfernung war er schön, aber man konnte ihn nicht zähmen oder kochen oder ihm Sprechen beibringen; das einzige Verhältnis, das sie zu so einem Tier haben konnten, war, es zu vernichten. Nahrung, Sklave oder Kadaver, das waren die einzigen Möglichkeiten; abgesägte Köpfe mit Hörnern oder Hauern an der Wand von Billardzimmern, präparierte Fische, Trophäen.
Margaret Atwood (Surfacing)
Ich sehe das so: Ein Kerl, der stirbt, bevor Gott es für ihn vorgesehen hatte, erlebt so etwas wie ein Baseballspiel, das wegen Regen abgebrochen wird. Die Sünden, die er begangen hat, zählen nicht. Gott muss ihn einfach reinlassen, denn der Kerl hatte ja gar nicht mehr die Zeit zu bereuen, so wie Er es für ihn geplant hatte. Wenn ich also einen umbringe, erspare ich ihm dadurch die Qualen der Hölle. Auf diese Art tue ich sogar mehr für ihn, als der Papst selbst es je tun könnte.
Stephen King (Roadwork)
Der einzige Unterschied ist bloß, dass wir im Augenblick mit dem Sterben zu tun haben.
Stephen King (The Long Walk)
Der Wahnsinn ist nur die Kehrseite der Macht, beide Ungeheuer wurden erschaffen, um einander zu nähren, einander aufrechtzuerhalten und miteinander im Streit zu liegen. Schaut, wie sich alle Fürsten die Dienste von Wahnsinnigen sichern: Würden sie sich so heftig an sie klammern, wenn sie nicht wüssten, dass ihre Verwandtschaft, ihre Gemeinsamkeit in der Maßlosigkeit liegt? Schaut, wie alle Völker den Wahnsinn ihrer Könige nachäffen: Würden sie das tun, wenn sie nicht der Auffassung wären, dass Machthunger nur eine Spielart des Irrsinns ist?
Fawzi Mellah (Die Irrfahrt der Königin Elissa, Gründerin Karthagos)
Ich glaube nicht an die »böse« Natur des Menschen, ich glaube, daß er das Schrecklichste tut aus Mangel an Phantasie, aus Trägheit des Herzens. Habe ich nicht selbst, wenn ich von Hungersnöten in China, von Massakres in Armenien, von gefolterten Gefangenen auf dem Balkan las, die Zeitung aus den Händen gelegt und, ohne innezuhalten, mein gewohntes Tagwerk fortgesetzt? Zehntausend Verhungerte, tausend Erschossene, was bedeuteten mir diese Zahlen, ich las sie und hatte sie eine Stunde später vergessen. Aus Mangel an Phantasie. Wie oft habe ich Hilfesuchenden nicht geholfen. Aus der Trägheit meines Herzens. Würden Täter und Tatlose sinnlich begreifen, was sie tun und was sie unterlassen, der Mensch wäre nicht des Menschen ärgster Feind. Die wichtigste Aufgabe künftiger Schulen ist, die menschliche Phantasie des Kindes, sein Einfühlungsvermögen zu entwickeln, die Trägheit seines Herzens zu bekämpfen und zu überwinden.
Ernst Toller (Eine Jugend in Deutschland)
Sie sind überall in diesen Straßen, nehmen was sie wollen; zweihundert Millionen kleine Henry Millers mit steifen Schwänzen und einem miesen Prosastil; Pulitzerpreisträger-Arschlöcher,die Bargeld benutzen. Auf der Suche nach Erfahrung, und die nennen sie hinterher Möse, wenn sie in ihre gestylten Apartments zurückkommen und sich zu rechtfertigen versuchen. Die Erfahrung sind wir, die, in die sie ihn stecken. Erfahrung ist, wenn sie das Geld hinlegen, dann drehen sie dich um, als wärst du ein Hähnchen, das sie grillen; sie stecken ihn in jedes Loch, das sie finden können, nur um es auszuprobieren, oder weil sie sturzbetrunken sind und es nicht rot angemalt ist, können sie es nicht finden; du wirst zu einer Labormaus für sie; sie stecken den berühmten Stählernen Prügel in jedes Fleischerne Loch, das sie finden können, und sie rammen den Prügel hinein, wenn sie es schaffen, was Gott sei Dank oft genug nicht der Fall ist. Die Prosa wird dann richtig purpurn. Du kannst es allerdings nicht auf Impotenz zurückführen, weil sie aufs Kreuz gelegt wurden, und sie hatten Frauen, und sie fickten jede Menge; sie scheinen einfach nie über das Wunder hinwegzukommen, dass sie es sind, im Körper eines erwachsenen Mannes, die all den Schaden anrichten; Guck mal, Mammi, ich bins. Zwölfter Band. SIe benehmen sich nicht wie menschliche Wesen und sind ziemlich stolz darauf, deshalb hat es keinen Sinn, so zu tun, als seien sie doch welche; obwohl du es gerne möchtest - so tun als ob. Du würdest gerne glauben, dass sie etwas fühlen können - Traurigkeit oder Reue; oder etwas ganz Schlichtes, eine Minute des Begreifens.
Andrea Dworkin (Mercy)
ich spüre wieder erschrocken, eine wie schwache, armselige und quallige Substanz das doch sein muß, was wir immer großspurig Seele, Geist, Gefühl, was wir Schmerzen nen- nen, da all dies selbst im äußersten Übermaß nicht vermag, den leidenden Leib, den zer- quälten Körper völlig zu zersprengen — weil man ja doch solche Stunden mit weiterpo- chendem Blut überdauert, statt hinzusterben und hinzustürzen wie ein Baum unterm Blitz. Nur für einen Ruck, für einen Augenblick hatte dieser Schmerz mir die Gelenke durchgerissen, daß ich hinfiel auf jene Bank, atemlos, stumpf und mit einem geradezu wollüstigen Vorgefühl des Absterbenmüssens. Aber ich sagte es eben, aller Schmerz ist feige, er zuckt zurück vor der übermächtigen Forderung nach Leben, die stärker in unserem Fleisch verhaftet scheint als alle Todesleidenschaft in unserem Geiste. Unerklärlich mir selbst nach solcher Zer- schmetterung der Gefühle: aber doch, ich stand wieder auf, nicht wissend freilich, was zu tun.
Stefan Zweig (Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen (Fischer Klassik Plus))
PROFILNEUROSE: Wenn jemand sich vor anderen wieder und wieder darstellen muss, auch wenn die ihn schon jahrelang kennen und das langweilig finden. Es ist die Vorstufe von Narzissmus, wo einer nur noch sich selber sieht und liebt. Keine Ahnung, was das alles mit Rosen und Narzissen zu tun hat, aber es betrifft nicht nur Gärtner.
Andreas Steinhöfel (Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch (Rico und Oskar 4))
Ja, wenn ich Ihre Energie hätte...' Mit Energie hat das gar nichts zu tun, dachte ich beim Aussteigen. Ich könnte einfach nicht leben, ohne zu Schreiben.
Simone de Beauvoir
[...] er blies die Asche vom Sitz des Lokführers und setzte den Jungen vor das Führerpult. Das Führerpult war sehr schlicht. Kaum mehr zu tun, als den Handgashebel nach vorn zu schieben. Er machte Zug- und Signalhorngeräusche, ohne jedoch recht zu wissen, was der Junge damit verband. Nach einer Weile schauten sie einfach durch das verschmutzte Glas nach draußen, wo sich die Gleise in einem Bogen in der Ödnis des Unkrauts verloren. Sie mochten verschiedene Welten sehen, doch was sie wussten, war dasselbe. Dass der Zug für alle Ewigkeit hier stehen und verrotten und dass nie wieder ein Zug fahren würde.
Cormac McCarthy (The Road)
Wir sind doch frei! Die Tauben haben Flügel und wir, wir können uns entscheiden Flügel im Kopf zu haben! Und das zu tun was wir für richtig finden, egal was uns schon alles passiert ist!
Alexandra Dichtler (Frei wie verkrüppelte Tauben)
Babij Jar: Bleibt ein Ort derselbe Ort, wenn man an diesem Ort mordet, dann verscharrt, sprengt, aushebt, verbrennt, mahlt, streut, schweigt, pflanzt, lügt, Müll ablagert, flutet, ausbetoniert, wieder schweigt, absperrt, Trauernde verhaftet, später zehn Mahnmale errichtet, der eigenen Opfer einmal pro Jahr gedenkt oder meint, man habe damit nichts zu tun?
Katja Petrowskaja (Vielleicht Esther)
Normalerweise denken wir, dass wir tausend verschiedene Pläne für tausend verschiedene Szenarien haben müssen, um alle Möglichkeiten abzudecken, aber was ist, wenn die entscheidende Situation nach diesen tausend Möglichkeiten eintritt? Dann flippen wir aus und wissen nicht, was wir tun sollen, weil wir keinen vorgefertigten Plan haben. Wir haben das Gefühl, dass wir in unsere Denkfabrik zurückkehren und einen weiteren Plan ausknobeln müssen, bevor wir mit einer unerwarteten Person oder Situation umgehen können. Diese Herangehensweise ist offensichtlich begrenzt, bedingt und dualistisch. Die Vorstellung von Furchtlosigkeit hier ist, alle unsere Pläne und Strategien wegzuwerfen, egal wie gut sie wirken, um uns einzig darauf zu verlassen, uns inmitten des grundsätzlichen Fehlens jeglichen Grund und Bodens unserer Existenz zu Hause zu fühlen und dann aus dieser Geräumigkeit heraus zu handeln. Innerhalb dieses Raums gibt es genügend Platz dafür, dass das Richtige geschieht. Insbesondere in der tibetischen Tradition gilt es als eine gute Idee, keinen Plan zu haben. Egal welchen Plan wir haben, er wird sowieso nicht funktionieren, und genau das scheint der große Gesamtplan zu sein.
Karl Brunnhölzl (Das Herzinfarkt-Sutra: Ein neuer Kommentar zum Herz-Sutra)
Viele Menschen fragen sich, wie sie den Dharma in ihrem Alltag anwenden können. Sie hören allerlei Unterweisungen über Leerheit, Buddha-Natur, Mahāmudrā und Dzogchen, und nach zwanzig oder dreißig Jahren fragen sie immer noch: »Wie wende ich den Dharma in meinem Alltag an?« Sie halten immer noch nach etwas anderem jenseits dieser Unterweisungen Ausschau, nach irgendeiner Art Trick oder Fünf-Punkte-Plan für alle möglichen Situationen in ihrem Leben. »Was mache ich, wenn ich Probleme mit meinem Chef habe?« »Was mache ich, wenn ich Probleme mit meinem Ehepartner habe?« »Was mache ich, wenn ich Probleme mit meinem Hund habe?« Wir suchen immer nach detaillierten Rezepten für jede einzelne Situation und denken irgendwie, dass unser Dharma-Leben auf dem Kissen und im Schreinraum getrennt ist von dem, was wir ansonsten tun. Aber die tatsächliche Art und Weise, den Dharma in den Alltag zu integrieren, besteht darin, die Sichtweise und Meditation in alles, was uns begegnet und womit wir uns beschäftigen, einfließen zu lassen. Dazu müssen wir uns nur in jeder Situation mit der Erfahrung der Natur des Geistes in Verbindung setzen. Das ist der Plan, aber natürlich ist das nicht wirklich ein Plan. Dies erklärt vielleicht, warum der planorientierte westliche Geist meist nicht erkennt, dass die simple Idee, Sichtweise und Meditation in alles, was uns begegnet, einfließen zu lassen, eigentlich ein ausgeklügelter Ratschlag zum Thema »Dharma im Alltag« ist.
Karl Brunnhölzl (Das Herzinfarkt-Sutra: Ein neuer Kommentar zum Herz-Sutra)
Drei Stunden lang war ich immun gewesen gegen gegen das beschämende Hochgefühl des Überlebenden, das mich manchmal bei Beerdigungen überkommt, diese schwindelerregende, schuldbewusste Erkenntnis des eigenen Glücks, weiter fressen, ficken und scheißen zu können, die Zeit mit dem Hin- und Herzappen zwischen Kabelkanälen verschwenden zu dürfen oder halb mit Kugelschreiber ausgefüllte Kreuzworträtsel in die Ecke zu pfeffern, also so ziemlich alles zu tun, außer dazusitzen und das Andenken eines anderen zu ehren, dessen Glück zu Ende war.
Jonathan Lethem
So zu tun, als wäre man jemand anders, war eine tröstliche Form der Flucht, aber es bestand die Gefahr, dass der wahre Edward Manning unter all den Rollen nicht mehr zu erkennen war.
Lesley Pearse
Die ausgetretenen Pfade verlässt bloß, wer Randsportarten aufwertet, ohne dabei den Massensportarten Abtrag zu tun und sie unbotmäßig in Misskredit zu bringen.
Collin Coel (Mehrwert im Sport)