Du Und Ich Quotes

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Du bist für diese einfache, bequeme, mit so wenigem zufriedene Welt von heute viel zu anspruchsvoll und hungrig, sie speit dich aus, du hast für sie eine Dimension zu viel. Wer heute leben und seines Lebens froh werden will, der darf kein Mensch sein wie du und ich. Wer statt Gedudel Musik, statt Vergnügen Freude, statt Geld Seele, statt Betrieb echte Arbeit, statt Spielerei echte Leidenschaft verlangt, für den ist diese hübsche Welt hier keine Heimat…
Hermann Hesse (Steppenwolf)
Wenn ich trotzdem weiß, was Liebe ist, so ist es deinetwegen. Dich habe ich lieben können, dich allein unter den Menschen. Du kannst nicht ermessen, was das bedeutet. Es bedeutet den Quell in einer Wüste, den blühenden Baum in einer Wildnis.
Hermann Hesse (Narcissus and Goldmund)
Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.
Franz Kafka
Du und ich: Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen.
Mahatma Gandhi
Wahrscheinlich werde ich jede Nacht von dir träumen", sagte er. "Und wenn ich aufwache, weiß ich, dass der beste Teil des Tages schon vorbei ist." "Das hast du irgendwo gelesen." "Hab ich nicht.
Kai Meyer (Arkadien brennt (Arkadien, #2))
Du weißt doch, was ich von der Liebe halte. Wäre sie eine Fahne, ich würde sie erobern oder für sie fallen.
Else Lasker-Schüler (Mein Herz: Ein Liebesroman mit Bildern und wirklich lebenden Menschen. Mit Zeichnungen der Autorin aus der Ausgabe von 1912)
Wenn du mich küsst, Gwendolyn Shepherd, dann ist das so, als würde ich den Kontakt zum Boden verlieren. Ich habe keine Ahnung, wie du das machst oder wo du es gelernt hast. Wenn du mich küsst, dann will ich nichts anderes mehr, als dich zu spüren und in meinen Armen zu halten. Scheiße, ich bin so schrecklich in dich verliebt, dass es sich anfühlt, als hätte irgendwo in meinem Inneren jemand einen Kanister mit Benzin ausgekippt und angezündet! Gwenny, das alles macht mir furchtbare Angst. Ohne dich würde mein Leben keinen Sinn mehr haben, ohne dich... ich würde auf der Stelle sterben wollen, wenn dir etwas zustieße.
Kerstin Gier (Smaragdgrün (Edelstein-Trilogie, #3))
Wortgewalt bedeutet, dass du gewaltige Gefühle in deinen sanftmütigen Worten verpacken kannst, und gleichzeitig bedeutet es, dass du mit deinen Worten gewaltige Gefühle auslösen kannst.
Lilly Lindner (Was fehlt, wenn ich verschwunden bin)
Es tut mir leid, Spence", murmelte ich an seiner Brust. "Was denn?" Ich schluckte schwer. "Das ich so bin, wie ich bin." Er stütze das Kinn auf meinem Kopf ab und kraulte mir weiter den Nacken. "Dafür brauchst du dich nicht zu entschuldigen, Süße. Niemals.
Mona Kasten (Trust Again (Again, #2))
»Schschscht«, machte Gideon. »Alles ist gut, Gwenny. Ich bin bei dir.« »Ja, du bist bei mir«, sagte ich und wiederholte gleich noch einmal, wie ein beruhigendes Mantra. »Du bist bei mir du bist bei mir du bist bei mir.«
Kerstin Gier (Smaragdgrün (Edelstein-Trilogie, #3))
Bright star, would I were stedfast as thou art-- Not in lone splendour hung aloft the night And watching, with eternal lids apart, Like nature's patient, sleepless Eremite, The moving waters at their priestlike task Of pure ablution round earth's human shores, Or gazing on the new soft-fallen mask Of snow upon the mountains and the moors-- No--yet still stedfast, still unchangeable, Pillow'd upon my fair love's ripening breast, To feel for ever its soft fall and swell, Awake for ever in a sweet unrest, Still, still to hear her tender-taken breath, And so live ever--or else swoon to death. Glanzvoller Stern! wär ich so stet wie du, Nicht hing ich nachts in einsam stolzer Pracht! SchautŽ nicht mit ewigem Blick beiseite zu, Einsiedler der Natur, auf hoher Wacht Beim Priesterwerk der Reinigung, das die See, Die wogende, vollbringt am Meeresstrand; Noch starrt ich auf die Maske, die der Schnee Sanft fallend frisch um Berg und Moore band. Nein, doch unwandelbar und unentwegt MöchtŽ ruhn ich an der Liebsten weicher Brust, Zu fühlen, wie es wogend dort sich regt, Zu wachen ewig in unruhiger Lust, Zu lauschen auf des Atems sanftes Wehen - So ewig leben - sonst im Tod vergehen!
John Keats (Bright Star: Love Letters and Poems of John Keats to Fanny Brawne)
Fünfmal pro Tag dachte ich „Du kannst alles tun, alles was dir gefällt, und überall hingehen“ und zehnmal pro Nacht „Was soll ich nur machen und wo soll ich nur hin?“.
Joachim Meyerhoff (Die Zweisamkeit der Einzelgänger (Alle Toten fliegen hoch))
Denn ich weiß, dass es falsch ist, sich so in sich selbst zurückzuziehen. Ich möchte dort sein, wo du auch bist, und das ist die Wirklichkeit.
Benedict Wells (Vom Ende der Einsamkeit)
Hier steht, dass jede Erleuchtung mit dem Putzen des Bodens beginnt und endet", sagte er, "wusstest du das?" "Das wusste ich nicht", sagte Selma, "aber ich hatte es gehofft.
Mariana Leky (Was man von hier aus sehen kann)
Als ich endlich ins Esszimmer hinunterkam, war die Frühstückszeit glücklicherweise schon so gut wie vorbei. Xemerius hing am Kronleuchter und baumelte mit dem Kopf. "Na, wieder nüchtern, kleine Saufnase?" Lady Arista musterte mich von Kopf bis Fuß. "Ist das Absicht dass du nur das eine Auge geschminkt hast?
Kerstin Gier (Saphirblau (Edelstein-Trilogie, #2))
Jetzt sehe ich erst, daß du ein Mensch bist wie ich. Ich habe gedacht an deine Handgranaten, an dein Bajonett und deine Waffen – jetzt sehe ich deine Frau und dein Gesicht und das Gemeinsame. Vergib mir, Kamerad! Wir sehen es immer zu spät. Warum sagt man uns nicht immer wieder, daß ihr ebenso arme Hunde seid wie wir, daß eure Mütter sich ebenso ängstigen wie unsere und daß wir die gleiche Furcht vor dem Tode haben und das gleiche Sterben und den gleichen Schmerz –. Vergib mir, Kamerad, wie konntest du mein Feind sein? Wenn wir diese Waffen und diese Uniform fortwerfen, könntest du ebenso mein Bruder sein wie Kat und Albert. Nimm zwanzig Jahre von mir, Kamerad, und stehe auf – nimm mehr, denn ich weiß nicht, was ich damit noch beginnen soll.
Erich Maria Remarque (All Quiet on the Western Front)
Keiner der Namen kam mir auch nur im entferntesten bekannt vor. Gideon: ‘Keiner der Namen kommt ihr auch nur im entferntesten bekannt vor!’ Himmel! Konnte er etwa Gedanken lesen? Für den Fall, dass er es konnte, sah ich ihn an und dachte mit aller Kraft: Du. Blöder. Angeber.
Kerstin Gier
»Krümel Löwenherz«, sagte Jonathan, »hast du Angst?« »Nein … doch, ich habe Angst! Aber ich tue es trotzdem, Jonathan, ich tue es jetzt… jetzt… Und dann werde ich nie wieder Angst haben. Nie wieder Angst ha …« »Oh, Nangilima! Ja, Jonathan, ich sehe das Licht! Ich sehe das Licht!
Astrid Lindgren
Wenn wir uns öffnen du dich mir und ich dir mich, wenn wir versinken in mich du und ich in dich, wenn wir vergehen du in mir und dir in ich. Dann bin ich ich und bist du du.
Bernhard Schlink
Ich gehe duschen. Komm gerne mit, dann kann ich dir zeigen, wie viel hübscher das Badezimmer im Gegensatz zur Küche ist." Ich boxte gegen seinen Oberarm. "Nein, danke." Spencer erhob sich. Seine Lippen waren immer noch ein bisschen feucht vom Wasser und sein Grinsen so unverschämt, dass es hätte verboten werden sollen. "Irgendwann wirst du mich freiwillig in dieses Badezimmer begleiten, Süße. Du weißt es, ich weiß es, und die Welt ist sich darüber auch schon seit Anbeginn der Zeit im Klaren.
Mona Kasten (Trust Again (Again, #2))
Das habe ich gelernt: Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. Sie lässt dich regenbogenfarbene Bonbons verteilen, sie lässt dich in roten Schuhen durch die Straßen tanzen, und sie schreckt nicht davor zurück, dich nachts mit blutenden Händen Gräber in paradiesische Gärten hacken zu lassen. Liebe schlägt dir tiefe Wunden, aber auf eine ihr eigene Art heilt sie auch deine Narben, vorausgesetzt, du vertraust ihr und gibst ihr die Zeit dazu. Meine Narben werde ich nicht anrühren. Ich werde neue Wunden davontragen, noch ehe die alten verheilt sind, und ich werde anderen Menschen Wunden zufügen. Jeder von uns trägt ein Messer." (S.456f.)
Andreas Steinhöfel
Lieb Liebchen, leg ‘s Händchen aufs Herze mein; - Ach, hörst du, wie’s pochet im Kämmerlein, Da hauset ein Zimmermann schlimm und arg, Der zimmert mir einen Totensarg. Es hämmert und klopfet bei Tag und bei Nacht; Es hat mich schon längst um den Schlaf gebracht. Ach! sputet Euch, Meister Zimmermann, Damit ich balde schlafen kann.
Heinrich Heine (Das Buch der Lieder)
Kinder sind Wachs in den Händen der Welt. Offene Bücher mit leeren Seiten, die von uns Erwachsenen beschrieben werden. Was in den ersten Kapiteln steht, kriegst du den Rest deines Lebens nicht mehr aus der Wäsche. [...] Dort schrieb sie ins uns: Seid stark und wehrt euch. Wer euch verletzt, dem tut doppelt weh oder geht aus dem Weg, aber lasst euch nie vorschreiben, wie ihr zu leben habt. Ich liebe euch wie ihr seid.
Andreas Steinhöfel (Die Mitte der Welt)
Weil ich sage: Deutschland den Deutschen und den brauchbaren Ausländern? Deshalb bin ich schon ein Rassist?' Er wendet sich an mich. 'Sie als Deutscher, denken Sie dasselbe über mich?' 'Äh. Nein', sage ich. 'Für mich sind Sie eher wie der tragische Held in Sophokles' bekanntestem Theaterstück.' Kurz schweigt der Mann. 'So. Ach. Hm. Nun ja', sagt er dann. 'Genau. Ein tragischer Held. So sehe ich mich auch manchmal. Na gut.' Er stempelt ein Fragezeichen in den Pass des Kängurus. 'Dann gehen Sie mal. Aber nehmen Sie bitte ihr Maskottchen mit.' 'König Ödipus', flüstert das Känguru, als ich die Tür des Büros hinter mir zuziehe. 'Chapeau! Du hast ihn gerade auf extremst subtile einen Motherfucker genannt, Alter!
Marc-Uwe Kling
Ich sehe, du denkst mehr, als du einem sagen kannst. Wenn das nun so ist, dann weisst du aber auch, dass du nie ganz das gelebt hast, was du dachtest, und das ist nicht gut. Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.
Hermann Hesse (Demian: Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend)
Du betrachtest das, was mit uns geschieht, ein wenig wie eine Krankheit. Wenn es eine ist, dann will ich nicht gesund werden. Der Gedanke, dass es Dich irgendwo gibt, und dass du manchmal an mich denkst, hilft mir zu leben.
Benoîte Groult (Zout op mijn huid)
Ich könnte sagen: Ich vermisse dich. Und wenn sie fragte, was, was genau vermisst du, würde ich sagen: Alles.
Annette Mingels (Die Liebe Der Matrosen)
»Du hast dir selber eins übergebraten! Kannst du dich noch daran erinnern, wie gemein du deswegen zu mir warst?« Gideon grinste schwach. »Ja, kann ich. Und es tut mir ehrlich leid. Aber wer rechnet denn auch mit so was? Jetzt komm schon! Bevor der Blödmann wieder aufwacht.
Kerstin Gier (Smaragdgrün (Edelstein-Trilogie, #3))
Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüsstest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle.
Franz Kafka
Let your beauty manifest itself without talking and calculation. You are silent. It says for you: I am. And comes in meaning thousandfold, comes at long last over everyone. (Gieb deine Schönheit immer hin ohne Rechnen und Reden. Du schweigst. Sie sagt für dich: Ich bin. Und kommt in tausendfachem Sinn, kommt endlich über jeden.)
Rainer Maria Rilke (The Book of Images)
Es gibt eine Art von Zauberei, die man mühsam erlernen muß: Das ist die, wie sie im Koraktor steht, Zeichen für Zeichen und Formel um Formel. Und dann gibt es eine, die wächst einem aus der Tiefe des Herzens zu: aus der Sorge um jemanden, den man lieb hat. Ich weiß, daß das schwer zu begreifen ist - aber du solltest darauf vertrauen, Krabat.
Otfried Preußler
Aber vielleicht hast du Recht, vielleicht gibt es so etwas wie Schicksal gar nicht. Nur Gelegenheiten - und das, was wir aus ihnen machen. Ich glaube langsam, dass uns die große Liebe nicht einfach in den Schoß fällt. Wir müssen sie selbst gestalten.
Marissa Meyer (Cress (The Lunar Chronicles, #3))
Jeder hat seine Gefühle – wer es auch ist –, und keiner geht in ein Haus, wo er weiß, dass seine Gefühle verletzt werden. Du auch. Ich hab zu viele Male gesehen, wie weiße Leute dich verletzt haben. Ich weiß das.
Carson McCullers (The Heart Is a Lonely Hunter)
Nein, die Schule hat keinen bestimmenden Einfluss auf meine Entwicklung gehabt. Die Schule hat von meinen besonderen Anlagen wohl instinktiv etwas gespürt, sie aber als obstinate Untauglichkeit gewertet und verworfen. Ein Lehrer drohte, zufällig nicht mir, sondern einem anderen Schüler, mit den Worten: "Ich werde dir deine Karriere schon verderben!" Am gleichen Tag las ich bei Storm den Spruch: "Was du immer kannst, zu werden, scheue Arbeit nicht und Wachen, aber hüte deine Seele vor dem Karrieremachen.
Thomas Mann (Über mich selbst: Autobiographische Schriften)
ich kann nicht festhalten, aber noch weniger kann ich dich loslassen. Wieso hast du mich halb hiergelassen und halb mitgenommen?
Ava Reed
Halte du ein Ende des Fadens, mit dem anderen in der Hand wandere ich durch die Welt. Und falls ich mich verlaufe, meine Mama, ziehe.
Margaret Mazzantini (Twice Born)
„Das heißt, du willst dein Herz nie wieder für etwas Neues öffnen?“, fragte ich weich und wusste, wie zweideutig das klang. „Ich glaube, das wäre ein Fehler.
Lena Kiefer (Heavy & Light (Westwell, #1))
»Du bist so sehr darauf fixiert, die Regeln zu befolgen, dass du nicht merkst, wie ich gerade jede einzelne breche und trotzdem noch immer nichts Falsches getan habe.«
Amelie Murmann
Du kleines Arschloch, sagt eine Stimme, wie kannst du es wagen?, und ich erhalte die Strafe, die ich verdiene. Für die Freude, die ich empfinden würde.
Virginie Despentes (Vernon Subutex 2 (Vernon Subutex, #2))
Ich habe geweint, weil ich dich liebhabe. Aber dass ich dich liebhabe, das ist meine Sache, hörst du? Und es geht dich nichts an.
Erich Kästner (Fabian: die Geschichte eines Moralisten)
,,Du hast mir das Verdammte Herz rausgerissen und ich hasse dich dafür, aber ich liebe dich auch und das macht das ganze so viel schwerer"-Save You (Maxton Hall 2)
Mona Kasten (Save You (Maxton Hall, #2))
Bipolar I, Bipolar II, Zyclothymia, Rapid Cycling und gemischte Formen." Kurze Pause. Geschulter Blick. "Weißt du was Kristopher war?" "Ja", sage ich, "mein Bruder.
Anne Freytag (Nicht weg und nicht da)
An mein Kind Dir will ich meines Liebsten Augen geben und seiner Seele flammenreines Glühn. Ein Träumer wirst du sein und dennoch kühn verschloßne Tore aus den Angeln heben. Wirst ausziehn, das gelobte Glück zu schmieden. Dein Weg ist frei. Denn aller Weisheit Schluß bleibt doch zuletzt, daß jedermann hienieden all seine Fehler selbst begehen muß. Ich kann vor keinem Abgrund dich bewahren. hoch in die Wolken hängte Gott den Kranz. Nur eines nimm von dem, was ich erfahren: Wer du auch seist, nur eines - sei es ganz! Du bist, vergiß es nicht, von jenem Baume, der ewig zweigte und nie Wurzel schlug. Der Freheit Fackel leuchtet uns im Traume - bewahr den Tropfen Öl im alten Krug!
Mascha Kaléko
Wenn du der Träumer bist, Bin ich dein traum. Doch wenn du wachen willst, Bin ich dein Wille. Und werde mächtig aller Herrlichkeit Und ründe mich wie eine sternenstille Über der wunderlichen Stadt der Zeit
Rainer Maria Rilke
Wie es scheint, schmilzt die Frühlingssonne den harten Eispanzer des Barbarenhäuptlings, und, o Wunder, darunter kommt ein Philisoph zum Vorschein." "Ich weiß nicht was Vielosoof für eine Beleidigung ist, aber du kannst dir sicher sein, dass der Barbarenhäuptling dir gleich die Axt in den Rachen schiebt!" Ollowain schlang die Arme übereinander und tat, als zittere er. "So plötzlich kehrt der Winter zurück und lässt die schönsten Frühlingsblüten erfrieren." "Hast du mich gerade etwa mit Blüten verglichen?", grollte Mandred. "Nur eine Allegorie, mein Freund." Der Menschensohn runzelte die Stirn. Dann nickte er. "Ich nehme deine Entschuldigung an, Ollowain." Nuramon musste sich auf die Unterlippe beißen, um nicht laut loszulachen.
Bernhard Hennen (Die Elfen (Die Elfen, #1))
Ich geh' in Hain und Flur Nie ohne deine Spur; Denn immer muß ich denken, Wohin ich nur mag lenken Die Augen und den Schritt: Hier gingest du einst mit. Und werd' ich hingelangen, Wo du nie mitgegangen, So denk' ich wieder: hier Gingst du noch nie mit mir; O könnt' ich mit dem neuen Spaziergang dich erfreuen!
Friedrich Rückert (Kindertodtenlieder)
Wie kannst du mir vertrauen, nach all dem, was dir dein eigener Bruder angetan hat? Weil er unehrlich war und du ehrlich bist. Ich habe niemals einen ehrlicheren Menschen als dich gekannt. Wenn ich dir mein Herz schenkte, würdest du sanft damit umgehen.
C.S. Pacat (Die Prinzen (The Captive Prince, #1-3))
Vielleicht, daß ich durch schwere Berge gehe in harten Adern, wie ein Erz allein; und bin so tief, daß ich kein Ende sehe und keine Ferne: alles wurde Nähe und alle Nähe wurde Stein. Ich bin ja kein Wissender im Wehe,— so macht mich dieses große Dunkel klein; bist Du es aber: mach dich schwer, brich ein: daß deine ganze Hand an mir geschehe und ich an dir mit meinem ganzen Schrein. It's possible I'm moving through the hard veins of heavy mountains, like the ore does, alone; I'm already so deep inside, I see no end in sight, and no distance: everything is getting near and everything getting near is turning to stone. I still can't see very far yet into suffering,— so this vast darkness makes me small; are you the one: make yourself powerful, break in: so that your whole being may happen to me, and to you may happen, my whole cry.
Rainer Maria Rilke
O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, Die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du mußt leiden. O great love, o love beyond measure, that brought You to this path of martyrdom! I lived with the world in delight and joy, and You had to suffer. BWV 245 - "Johannes-Passion" Oratorio for Good Friday, 3. Chorale.
Johann Sebastian Bach
Du kannst jederzeit kommen." Mein Vater sah mich an. Ich glaubte ihm nicht und nickte.
Bernhard Schlink (The Reader)
Er: Und der Punkt ist, wenn du einmal jemanden verlierst, wird dir klar, dass du alle am Ende verlierst. Ich: Stimmt. Und wenn du das weißt, vergisst du es nie.
John Green (Turtles All the Way Down)
Du fehlst mir, und doch bin ich glücklich. Ist das nicht merkwürdig?
Samuel Beckett (Warten auf Godot / Endspiel / Glückliche Tage)
Du hast mich gerettet, Kleines." Er strich mir eine Strähne aus dem Gesicht und zwang mich sanft, ihm in die Augen zu sehen. "Mit dir finde ich immer den Weg nach Hause.
Julia Dippel (Verbrannte Erde (Izara #4))
Dein Weg würde immer der meine sein. Du warst mein Fixstern und ich war deiner.
Maschenka Tobe (Wir waren die Kosmonauten)
»Es gibt kein dich und mich«, seufzte Cain. »Nicht, wenn es um die Jagd geht. Du und ich sind jetzt ein ›Wir‹, Warden.«
Laura Kneidl (Blood & Gold (Elemente der Schattenwelt, #1))
... ich kann kein Volk mir denken, das zerißner wäre, wie die Deutschen. Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungenudn gesetzte Leute, aber keine Menschen - ist das nicht wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und Gleider zerstückelt untereinander liegen ... ? Ein jeder treibt das Seine, wirst du sagen, und ich sage es auch. Nur muß er es mit ganzer Seele treiben, muß nicht jede Kraft in sich ersticken, wenn sie nicht gerade sich zu seinem Titel paßt ... und ist er in ein Fach gedrückt, wo gar der Geist nicht leben darf, so stoß ers mit Verachtung weg und lerne pflügen!
Friedrich Hölderlin
Die anderen Kaninchen hüpften herum und schrien Hurra und umarmten sich. "He Duda, du bist ein Held!", riefen sie. "Wie komisch", überlegte He Duda. "Ich dachte, ich wäre ein Kaninchen.
Jon Blake (You're a Hero, Daley B!)
Am besten cremst du sie schon hier ein", sagte ich. "Im Freibad ist sie immer sofort im Sand und wenn sie dabei noch fettig ist, hast du ein paniertes Kind." Er nickte. Und seufzte tief.
Mara Andeck
Weißt du, was ein Semikolon anzeigt oder bedeutet?' Bevor ich antworten kann, redet er weiter. 'Es bedeutet, dass an dieser Stelle der Satz zu Ende sein könnte, wenn der Autor das gewollt hätte, aber er endet nicht. Du bist der Autor! Der deines Lebens und du entscheidest, wie es weitergeht. Manchmal denkt man, die Depression und die Angst würden einem alles nehmen, was man hat und liebt. Aber die Wahrheit ist, dass nicht die Krankheit das entscheidet, sondern du.
Ava Reed (Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen)
Sah ein Knab' ein Röslein stehn, Röslein auf der Heiden, war so jung und morgenschön, lief er schnell, es nah zu sehn, sah's mit vielen Freuden. Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden. Knabe sprach: „Ich breche dich, Röslein auf der Heiden!“ Röslein sprach: „Ich steche dich, dass du ewig denkst an mich, und ich will's nicht leiden.“ Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden. Und der wilde Knabe brach's Röslein auf der Heiden; Röslein wehrte sich und stach, half ihm doch kein Weh und Ach, musst' es eben leiden. Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden.
Johann Wolfgang von Goethe (Gedichte (Bd. 1).)
Du", sagte er, leise, selbstvergessen. "Du und ich. Wir sind nicht wie Feuer und Wasser. Wir sind wie Feuer und Benzin. Ich brenne, aber wenn man dich über mich kippt, fackele ich alles lichterloh nieder.
Becca Braun
Wie ich dich liebe, wenn du grinst. Wenn sich dein Gesicht auf einen Schlag ganz weit öffnet und deine schönen Wimpern Licht in deine Augen lassen und alles um deinen Kopf herum merkwürdig zu flimmern scheint. Ich habe noch nie so viel Freundlichkeit und Wärme in einem Gesicht gesehen wie in deinem, wenn du lächelst. Es macht mich jedes Mal ganz sprachlos. Jedes Mal wie ein kleiner Tritt in den Magen. Ein schöner Tritt. Kann man das so sagen? Dein Lächeln ist wie ein schöner Tritt in den Magen. Es nimmt mir den Atem. Kurz und schmerzhaft.
Sarah Kuttner (Wachstumsschmerz)
Stell dir dein Leben vor wie ein großes Haus mit vielen Zimmern, Phil. Einige dieser Zimmer sind leer, andere voller Gerümpel. Manche sind groß und voller Licht und wieder andere sind dunkel, sie verbergen Schrecken und Kummer. Und ab und zu - nur ab und zu, hörst du ? - öffnet sich zu einem dieser schrecklichen Zimmer und du musst hineinsehen, ob du willst oder nicht. Dann bekommst du große Angst, so wie jetzt. Weißt du, was du dann tust?" Ich schüttelte den Kopf. Tereza "Dann denkst du daran, dass es dein Leben ist - dein Haus, mit deinen Zimmer. Du hast die Schlüssel, Phil. Also schließt du die Tür zu diesem schrecklichen Zimmer einfach zu" Phil "Und dann werfe ich den Schlüssel weg" Tereza "Nein, das darfst du nicht tun, niemals! Denn eines Tages spürst du vielleicht, dass nur durch dieses schreckliche Zimmer der Weg in einen größeren, schöneren Teil des Hauses führt. Und dann brauchst du den Schlüssel. Du kannst deine Angst für eine Weile aussperren, aber irgendwann musst du dich ihr stellen" Phil "Wenn ich größer bin?" Tereza "Größer und mutiger, mein Kleiner. Und vielleicht auch nicht mehr allein.
Andreas Steinhöfel
Wäre ich ein Zimmermann, würde ich dir ein Fenster zu meiner Seele zimmern. Wenn du hineinschauen würdest, sähest du dich selbst in der Scheibe gespiegelt. Und dann wüsstest du, dass meine Seele ein Spiegelbild von deiner ist.
Colleen Hoover (Point of Retreat (Slammed, #2))
»Wo bist du zu Hause?« »Meine Sonne«, sagt Großmutter. »Meine Freude. Mein Esel. Begreif das endlich. Es zählt nicht, wo was ist. Oder woher man ist. Es zählt, wohin du gehst. Und am Ende zählt nicht mal das. Schau mich an: Ich weiß weder, woher ich komme, noch wohin ich gehe. Und ich kann dir sagen: Manchmal ist das gar nicht so schlecht.«
Saša Stanišić (Herkunft)
Weißt du, ich will mich schleichen leise aus lautem Kreis, wenn ich erst die bleichen Sterne über den Eichen blühen weiß. Wege will ich erkiesen, die selten wer betritt in blassen Abendwiesen? und keinen Traum, als diesen: Du gehst mit.
Rainer Maria Rilke
Ich habe immer gedacht, dass ich die seltsamste Person auf dieser Welt bin, aber später dachte ich, dass es viele solcher Leute auf der Welt gibt, es muss also jemanden wie mich geben, der sich auf gleiche Weise bizarr und beschädigt fühlt, so wie ich mich fühle. Ich stelle mir die Frau vor, und stelle mir vor, dass sie dort drüben auch an mich denkt. Also gut, ich hoffe, wenn du dort bist und dies liest, dass du weißt, dass es wahr ist, dass ich da bin und genauso seltsam bin wie du.
Frida Kahlo
Borkman: Dann haben wir uns gegenseitig etwas vorgemacht. Und uns selber haben wir vielleicht auch etwas vorgemacht – beide. Foldal: Ja, John Gabriel, aber ist das denn nicht im Grunde das Wesen der Freundschaft? Borkman (lächelt bitter): Doch, doch, lügen und betrügen – das ist Freundschaft. Da hast du recht. Diese Erfahrung habe ich schon einmal in meinem Leben gemacht.
Henrik Ibsen (John Gabriel Borkman)
F.: Du nennst dich einen Theil und stehst doch ganz vor mir? M.: Bescheidne Wahrheit sprech' ich dir. Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt, Gewöhnlich für ein Ganzes hält; Ich bein ein Theli des Theils, der Anfangs alles war, Ein Theil der Finsterniß, die sich das Licht gebar, Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht Dan alten Rang, den Raum ihr streitig macht, Und doch gelingts ihm nicht da es, so viel es strebt, Verhaftet an den Körpern klebt. Von Körpern strömt's, die Körper macht es schön, Ein Körper hemmt's auf seinem Gange, So, hoff' ich, dauert es nicht lange Und mit den Körpern wirds zu Grunde gehn.
Johann Wolfgang von Goethe (Faust, First Part)
Luca: Du musst eins wissen, Sage. Ich mag die meistne Menschen nicht. Sage: So was Ähnliches hast du schon einmal gesagt. Luca: Aber die Menschen, die ich mag, bedeuten mir alles. bis vor Kurzem gab es auf der ganzen Welt nur vier Leute, die mir wichtig waren. Mein Dad, meine Stiefmutter, April und Gavin. ich habe nicht geplant, dass noch jemand anderes dazukommt. Aber jetzt steht auc hdien Name auf dieser Liste, und das macht es unmöglich für mich, mir keine Sorgen zu machen. Du hast mich einmal gefragt, ob ich wegen Cameron etwas Dummes unternehmen würde, wenn er April zu nahe kommt. Ich habe Nein gesagt, weil Cam ein anständiger Kerl ist. Aber ich habe kein Problem damit, Alan etwas anzutun, wenn der dich zum Weinen bringt. Ein Wort von dir genügt.
Laura Kneidl (Berühre mich. Nicht. (Berühre mich. Nicht., #1))
Hin und wieder spürte ich die Sonne auf der Haut, die sich aus den zerzausten Wolken befreite. Dazu den Wind und deine Worte. Was hast du zu mir gesagt? Was hast du mir erzählt? Wenn ich mich nur an alles erinnern könnte. In jener Zeit waren wir unsterblich. Das Leben erschien uns so lang. Ich spürte die Sonne und den Wind und deine Worte auf der Haut, und nichts anderes zählte.
Paola Predicatori (Il mio inverno a Zerolandia)
Irgendwann mal würde ich gern mit ein paar Freunden auf einer kleinen Insel leben, sie müßte ja nicht zu den Bahamas gehören. Vielleicht eine Bar betreiben, nichts Mondänes, ein kühles Plätzchen am Hafen, durchs Fenster kann man die Boote sehen. Vielleicht ein paar Stühle draußen unter der Markise, für die Touristen. Ein Tagesgericht, sonst nur Sandwiches und Drinks, aber die besten der Gegend. Man könnte fischen gehen, ab und zu auf die Nachbarinsel, wo es ein Spielkasino gibt. Jeder macht in aller Ruhe das, was er will. Einmal in der Woche ginge ich mit dem Vizekonsul und dem englischen Romanschriftsteller und dem Schnapsschmuggler ins Bordell, der Geschichten wegen. Ich weiß, du magst keine Geschichten, aber vielleicht brauchst du keine. Erinnerungen sind ja Scheiße, aber Geschichten halten das Leben zusammen. Manchmal, wenn du den großen Horror hast, ist eine gute Geschichte das einzige, was noch hilft.
Jörg Fauser (The Snowman)
XXIII. Warum sind denn die Rosen so blaß, O sprich, mein Lieb, warum? Warum sind denn im grünen Gras Die blauen Veilchen so stumm? Warum singt denn mit so kläglichem Laut Die Lerche in der Luft? Warum steigt denn aus dem Balsamkraut Hervor ein Leichenduft? Warum scheint denn die Sonn’ auf die Au’ So kalt und verdrießlich herab? Warum ist denn die Erde so grau Und öde wie ein Grab? Warum bin ich selbst so krank und so trüb’, Mein liebes Liebchen, sprich? O sprich, mein herzallerliebstes Lieb, Warum verließest du mich?
Heinrich Heine (Das Buch der Lieder)
Niemals anders sah ich dich erwachen Als mit einem heitern Lachen, Gleich als ob vom Paradiesesbaume Blüten du gepflückt im Traume. Und so hoff' ich, dass mit heiterm Lachen Du auch jetzt wirst erwachen Droben von des Lebens kurzem Traume Unterm Paradiesesbaume.
Friedrich Rückert (Kindertodtenlieder)
Lösch mir die Augen aus" Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn, wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören, und ohne Füße kann ich zu dir gehn, und ohne Mund noch kann ich dich beschwören. Brich mir die Arme ab, ich fasse dich mit meinem Herzen wie mit einer Hand, halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen, und wirfst du in mein Hirn den Brand, so werd ich dich auf meinem Blute tragen. "Put out my eyes, and I can see you still" Put out my eyes, and I can see you still, Slam my ears too, and I can hear you yet; And without any feet can go to you; And tongueless, I can conjure you at will. Break off my arms, I shall take hold of you And grasp you with my heart as with a hand; Arrest my heart, my brain will beat as true; And if you set this brain of mine afire, Then on my blood-stream I yet will carry you.
Rainer Maria Rilke (Rilke's Book of Hours: Love Poems to God)
Wäre ich eine andere Art von Mensch, würde ich vielleicht sagen, dass dieser Vorfall eine Art Metapher für das Leben als Ganzes ist: Dinge gehen kaputt, und manchmal können sie wieder repariert werden, und meistens stellt man fest, dass das Leben, egal was zerstört wurde, einen Weg findet, den Verlust wieder gut zu machen, manchmal auf ganz wunderbare Weise. Und weiß du was? Vielleicht bin ich diese Art von Mensch.
Hanya Yanagihara (A Little Life)
Sage: Du magst deine Freunde ja nicht sonderlich. Luca: Ich mag Menschen an sich nicht sonderlich. Sage: Und wieso dann die Party? Luca: Die war Aprils Idee. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht feiern, sie hat mich überredet. Der einundzwanzigste GEburtstag ist etwas Besonderes, bla bla bla. Ich hätte lieber ein Buch gelesen. Menschen wollen ständig mit einem reden und erwarten, dass man ihnen zuhört, auch wenn es einene nicht interessiert.
Laura Kneidl (Berühre mich. Nicht. (Berühre mich. Nicht., #1))
Du hast gesagt, ich sei ein Krieger [...] Du sagtest, das sei meine Natur und ich dürfe mich nicht dagegen wehren. Aber du hattest Unrecht, Vater. Ich habe nur gekämpft, weil ich musste. Über meine Natur kann ich nicht bestimmen, wohl aber über mein Handeln. Und das werde ich, denn jetzt bin ich frei.
Philip Pullman (The Amber Spyglass (His Dark Materials, #3))
Hast du Lust, ein Spiel zu spielen? Ich bin der König und du darfst meine Dame sein. Aber Vorsicht, es wird nur einen geben, der deine Züge bestimmt. Wir werden sehen, wer das sein wird. Auf jeden Fall habe ich dich gerade aufs Spielfeld gezerrt. Dein Leben ist jetzt mein Einsatz. Ob du willst oder nicht.
J.S. Wonda (Very Bad Kings (Kingston University, #1))
Der Menschensohn strich fast zärtlich über das Doppelblatt der Waffe und bewunderte die verschlungenen Elfenknoten, die es schmückten. “Schöne Arbeit.” Mandred wandte sich zu seinem Sohn. “So sieht die Waffe eines Mannes aus.” Er wollte sie Ollowain zurückgeben, doch dieser schüttelte nur den Kopf. “Ein Geschenk, Mandred. In der Welt der Menschen sollte man stets auf Ärger gefasst sein. Ich bin gespannt zu sehen, ob du mit der Axt besser kämpfst als mit dem Schwert.
Bernhard Hennen (Die Elfen (Die Elfen, #1))
In irgendeiner Form leben wir alle nach unserem Tod weiter. In der Erinnerung anderer Menschen, von unseren Kindern. Und in dem, was wir geschaffen haben." "Schreibst du deshalb Bücher? Weil du keine Kinder hast?" "Ich will nicht ewig leben. Im Gegenteil. Ich möchte keine Spuren hinterlassen." "Doch", sagte Agnes.
Peter Stamm (Agnes)
Das mit dem Sport üben wir nochmal, hm?", kommentierte er trocken, während er seinen Wohnungsschlüssel hervorzog. Ich richtete mich auf und gab ihm einen Stoß gegen die Schulter. "Was willst du von mir? Meine sportlichen Aktivitäten beschränken sich darauf, beim Lesen die Seiten umzublättern." Und Messer zu werfen.
Bianca Iosivoni (Flüstern des Lichts (Soul Mates, #1))
Bevor du da warst, Bella, war mein Leben eine mondlose Nacht. Sehr dunkel, aber mit Sternen - Punkte aus Licht und Weisheit. Und dann bist du ueber meinen Himmel gesaust wie ein Meteor. Ploetzlich stand alles in Flammen, da war Glanz und da war Schoenheit. Als du weg warst, als der Meteor hinter dem Horizont verschwunden war, wurde alles schwarz. Nichts hatte sich veraendert, aber meine Augen waren vom Licht geblendet. Ich konnte die Sterne nicht mehr sehen. Und es gab fuer nichts mehr einen Grund.
Stephenie Meyer (New Moon (The Twilight Saga, #2))
Ein Planet kreist aufgrund der Schwerkraft um die Sonne, und der Mond zieht das Meer an, und so entstehen Ebbe und Flut.' Das wuste ich sehr wohl, aber dann sagte er: Meinst du nicht, dass es auch eine Kraft geben muss, die uns aus dem Meer gezogen und uns Augen zum sehen und einem Kopf zum denken gegeben hat?' Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, und deshalb zuckte ich nur mit den schultern. Ich wuesste gern, ob denen, die es nicht glauben, ein wichtiger sinn fehlt,' sagte Mika ganz zum schluss.
Jostein Gaarder (Hello? Is Anybody There?)
Ich weiss wie er heisst und dass er Karate macht und reitet. Ist ein seltsamer Mensch. Aber das ist jetzt auch egal. Ich will nach Hause. Bringst du mich bitte nach Hause?" Amüsiert feixte Tillmann mich an. Das hättest du dir vorher überlegen sollen, Ellie. Ich hab keine Ahnung, wo wir sind." Jetzt nimm mich bitte nicht auf den Arm, es reicht für heute Nacht..." Ehrlich, Ellie. Du bist wie eine Bekloppte mitten durch den Wald gerannt. Ich weiss nicht, wo wir sind. Wir müssen warten, bis es hell ist.
Bettina Belitz (Splitterherz (Splitterherz, #1))
Wenn du fragst, wie die Leute hier sind, muß ich dir sagen: wie überall! Es ist ein einförmiges Ding um das Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bißchen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, daß sie alle Mittel aufsuchen, um es los zu werden. O Bestimmung des Menschen!
Johann Wolfgang von Goethe (The Sorrows of Young Werther)
Weißt du, Jimmy, ich glaube, es wird ganz lustig sein, ein Weilchen in einer Redaktion zu sitzen." "Ich fände es schon sehr lustig, wenn ich _irgendwo_ sitzen dürfte... Na ja, da bleibe ich eben zu Haus und passe auf das Baby auf." "Sei nicht so verbittert, Jimmy, es ist ja nur vorübergehend." "Das ganze Leben ist nur vorübergehend." (S. 250)
John Dos Passos (Manhattan Transfer)
Einmal schriebst Du, Du wolltest bei mir sitzen, während ich schreibe; denke nur, da könnte ich nicht schreiben... Schreiben heisst ja, sich öffnen bis zum Übermass; die äusserste Offenherzigkeit und Hingabe, in der sich ein Mensch im menschlichen Verkehr schon zu verlieren glaubt und vor der er also, solange er bei Sinnen ist, immer zurückscheuen wird... Deshalb kann man nicht genug allein sein, wenn man schreibt, deshalb kann es nicht genug still um einen sein, wenn man schreibt, die Nacht ist noch zu wenig Nacht. Kafka
Susan Cain (Quiet: The Power of Introverts in a World That Can't Stop Talking)
Du musst dir die Haare schneiden lassen", murmelte Sascha. Er küsste sie nocheinmal und lächelte. "Ich fürchte mich vor Scheren." "Ausflüchte." Sie strich über Lucas Haar. "Du stellst dich genauso verrückt wie die Mädchen an, wenn es um dein Haar geht." "Erwischt." Eine warme, liebevolle Hand auf ihrem Bauch. "Was macht der Rockstar?" "Getöse, wie immer.
Nalini Singh (Bonds of Justice (Psy-Changeling, #8))
Da taeuscht du dich. Hier liegen die Erinnerungen Hunderter von Menschen, ihre Leben, Gefühle, Illusionen, ihre Abwesenheit, die Traeume, die sie nie verwirklichen konnten, die Enttaeuschungen, Irrtuemer und unerwiderten Lieben, die ihnen das Leben vergiftet haben. All das ist hier - auf immer festgehalten." Ich schaute sie neugierig und ein wenig befangen an, ich wusste nicht genau, wovon sie eigentlich sprach. Für sie war es jedenfalls wichtig. "Man kann vom Leben nichts verstehen, solange man den Tod nicht versteht", sagte sie.
Carlos Ruiz Zafón (Marina)
Den ganzen Tag über habe ich dir von meinen schönen und wichtigen Gefühlen erzählt, und du erzählst was von Plural, weil du das alles nicht begreifen kannst.
Wolfgang Herrndorf (In Plüschgewittern)
Würdest du gern?", frage ich. "Ja." Ein Wort und tausend Gefühle.
Mehwish Sohail (Like water in your hands (Like This, #1))
Ich spreche von deinen Augen, du Verrückter. Sie sind das tiefste und schönste und unergründlichste Blau, das ich kenne. Und sie sind noch schöner, weil es deine sind.
Kira Licht (Wer die Seele berührt (Kaleidra #2))
Und du bist der coole Außenseiter, der sich in seinem eigenen Mythos suhlt." "Den Spruch finde ich gut: Ich suhle mich in meinem eigenen Mythos. Siehst du? Du hast Potential.
J.P. Monninger (The Map That Leads to You)
Komm herüber, Travelling Jack, und dann erzähle ich dir, was ich kann – was weniger ist, als ich weiß. Gott verhüte, dass du je alles erfahren musst.
Stephen King (The Talisman (The Talisman, #1))
Plötzlich zuckte sein Mundwinkel. "Ich kann spüren, wie du mich beobachtest. Ich hoffe nur, du bist ein Mädchen und nicht einer der betrunkenen Jungs.
Piper Shelly (Play With Me (Grover Beach Team, #1))
Siehst du, es gibt keine rationalen Argumente gegen Unsinn.
Oliver Uschmann (Murp! Hartmut und ich verzetteln sich)
VOR DEM EINGANG ZUR HÖLLE Verlassen sind wir doch wie verirrte Kinder im Walde. Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen vor einander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle..." - Aus einem Brief Kafkas an Oskar Pollak, 8.11.1903.
Franz Kafka
»Ich glaub, das wär nix für mich.« »Was, Frankie?« »Na, so 'n Lebenssinn. Erst mal muss man ihn finden. Und dann muss man drauf aufpassen, damit man ihn nicht verliert. Und hat man ihn verloren, so wie du jetzt, dann denkt man die ganze Zeit darüber nach, wo er hin is'. So ein Lebenssinn macht nur Ärger. Meine Meinung. Und am Ende hat man kaum noch Zeit für andere Sachen.«
Jochen Gutsch (Frankie)
Marlen Zyla: »Wegen dem, was Vern gesagt hat? Dass der Schluss Betrug ist?« »Was sonst.« Chris lachte. »Das Leben ist Betrug, weißt du das? Ich meine, du brauchst dir doch nur uns anzusehen.«
Stephen King (Different Seasons)
Es kann so vieles schiefgehen. Man kann krank werden oder einen Unfall haben. Man kann an sich selbst verzweifeln. Man kann alles vermasseln, wenn man anfängt. Aber wenn man gar nicht erst anfängt, wird man sich irgendwann fragen, was passiert wäre, wenn man es wenigstens versucht hätte. Ich muss mein Leben anfangen. Mit wild pochendem Herzen und wackligen Knien. Nur so läuft das.
Nikola Hotel (Blue - Wo immer du mich findest (Paper Love, #2))
Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn, wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören, und ohne Füße kann ich zu dir gehn, und ohne Mund noch kann ich dich beschwören. Brich mir die Arme ab, ich fasse dich mit meinem Herzen wie mit einer Hand, halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen, und wirfst du in mein Hirn den Brand, so werd ich dich auf meinem Blute tragen.
Rainer Maria Rilke
Farrens Grinsen wurde breiter, und der große Mann wich vor seiner gefährlichen Kraft zurück. "Versuch dein Glück, wenn du willst. Dich in Stücke zu hauen wäre das erste Vergnügen, das ich heute hätte.
Stephen King (The Talisman (The Talisman, #1))
Neueste Väterweisheit Zieh nun also in die Welt, Tue beharrlich, was dir gefällt, Werde keiner Gefühle Beute, Meide sorglich arme Leute, Werde kein gelehrter Klauber, Wissenschaft ist fauler Zauber, Sei für Rothschild statt für Ranke, Nimm den Main und laß die Panke, Nimm den Butt und laß die Flunder, Geld ist Glück, und Kunst ist Plunder, Vorwärts auf der schlechtsten Kragge, Wenn nur unter großer Flagge. Pred'ge Tugend, pred'ge Sitte, Millionär ist dann das dritte, Quäl dich nicht mit »wohlerzogen«. Vorwärts mit den Ellenbogen, Und zeig jedem jeden Falles: »Du bist nichts, und ich bin alles.«
Theodor Fontane
Du hast recht, wir werden es nicht schaffen. Es ist besser, du verschwindest. Aber lass mich noch zwei Sachen sagen, bevor ich dir alles Gute wünsche: Erstens, das mit den Intellektuellen. Es ist leicht, sich über sie lustig zu machen. Ja, sehr leicht. Häufig sind sie nicht besonders muskulös, und sie prügeln sich auch nicht gern. Das Stampfen von Stiefeln, Medaillen, große Limousinen kann sie nicht groß bewegen, es ist also nicht sehr schwer. Es genügt, ihnen ihr Buch zu entreißen, ihre Gitarre, ihren Stift oder ihren Fotoapparat, und schon sind sie zu nichts mehr zu gebrauchen, diese unbeholfenen Tolpatsche. Übrigens, das ist das erste, was die meisten Diktatoren machen: Brillen kaputttreten, Bücher verbrennen oder Konzerte verbieten, das kostet sie nicht viel und kann ihnen in der Folge viele Unannehmlichkeiten ersparen. Aber du siehst, wenn intellektuell sein heißt, sich zu bilden, neugierig zu sein und aufmerksam, zu bewundern, erschüttert zu sein, verstehen zu wollen, wie alles zusammenhängt, damit man etwas weniger dumm ins Bett geht als am Abend zuvor, dann fordere ich dies für mich ein: Nicht nur bin ich dann eine Intellektuelle, ich bin auch noch stolz darauf. Sehr stolz sogar.
Anna Gavalda (Hunting and Gathering)
Wenn Euer Landesherr käme, und spräche, ich will mich, mit dem ganzen Troß derer, die mir das Szepter führen helfen, vernichten – vernichten, versteht ihr, welches allerdings der größteste Wunsch ist, den meine Seele hegt: so würde ihm doch den Zettel noch, der ihm mehr wert ist, als das Dasein, verweigen und sprechen: du kannst mich auf das Schafott bringen, ich aber kann dir weh tun und ich wills!
Heinrich von Kleist (Michael Kohlhaas)
Selige Sehnsucht Sagt es niemand, nur den Weisen, Weil die Menge gleich verhöhnet, Das Lebend'ge will ich preisen, Das nach Flammentod sich sehnet. In der Liebesnächte Kühlung, Die dich zeugte, wo du zeugtest, Ueberfällt die fremde Fühlung Wenn die stille Kerze leuchtet. Nicht mehr bleibest du umfangen In der Finsterniß Beschattung, Und dich reißet neu Verlangen Auf zu höherer Begattung. Keine Ferne macht dich schwierig, Kommst geflogen und gebannt, Und zuletzt, des Lichts begierig, Bist du Schmetterling verbrannt, Und so lang du das nicht hast, Dieses: Stirb und Werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde.
Johann Wolfgang von Goethe
Glaubst du eigentlich an Seelenverwandtschaft?", fragt sie mich. Ich zucke mit den Schultern. "Na ja…" Einem Menschen wie mir, ohne jegliche Seelenverwandten, ist so ein Konzept ziemlich suspekt. "Ich schon", gesteht Maya. "Aber nicht nur auf romantische Art und Weise, sondern allgemein. Ich glaub, wir alle haben so ein Dutzend Seelenverwandte, mit denen es einfach klickt, weißt du, was ich meine?" "Ich denke schon…
Mehwish Sohail (Like water in your hands (Like This, #1))
Keiner von uns beiden also ist am Leben, wenn der Leser dies Buch aufschlägt. Aber solange das Blut durch meine schreibende Hand pulst, bist du noch ebenso ein Teil seliger Materie wie ich... Ich denke an Auerochsen und an Engel, an das Geheimnis zeitbeständiger Pigmente, an prophetische Sonette, an die Zuflucht der Kunst. Und dies ist die einzige Unsterblichkeit, an der du und ich gemeinsam teilhaben dürfen, meine Lolita.
Vladimir Nabokov (Lolita)
Das ist ein Balztanz, um dich kennenzulernen. Es ist nämlich so: Ich mag dich. Du hast mir von Anfang an gefallen. Wenn ich Federn hätte, würde ich sie aufstellen und rumstolzieren, um dir mein Interesse zu zeigen.
J.P. Monninger (The Map That Leads to You)
Wann bist du in Aus-Wisch angekommen?" fragte Bruno. [...] "Ich glaube, ich war schon immer hier" sagte er schließlich leise. "Bist du hier aufgewachsen?" "Nein", sagte Pavel und schüttelte den Kopf. "Nein, das nicht.
John Boyne (The Boy in Striped Pyjamas)
Ich würde dir jetzt gerne sagen, dass du meine Liebe ganz leicht bekommen kannst. Sie liegt für dich bereit, auf einem Silbertablett serviert. Du musst nur kommen und sie dir holen, was du vermutlich nicht hören willst.
Laura Kneidl (Zerbrich uns. Nicht. (Berühre mich. Nicht., #4))
Ich bin wie ein Drachen im Wind, wenn jemand die Schnur losläßt, pfff, fliege ich davon. Und du, das ist witzig, ich denke oft, dass du stark genug bist, um mich zu halten, und intelligent genug, um mich ziehen zu lassen.
Anna Gavalda (Someone I Loved (Je l'aimais))
Du bist ein Schatten am Tage, Und in der Nacht ein Licht; Du lebst in meiner Klage, Und stirbst im Herzen nicht. Wo ich mein Zelt aufschlage, Da wohnst du bei mir dicht; Du bist mein Schatten am Tage, Und in der Nacht mein Licht. Wo ich auch nach dir frage, Find' ich von dir Bericht, Du lebst in meiner Klage, Und stirbst im Herzen nicht. Du bist ein Schatten am Tage, Doch in der Nacht ein Licht; Du lebst in meiner Klage, Und stirbst im Herzen nicht.
Friedrich Rückert (Kindertodtenlieder)
dann wirst du an dem Ort, an den ich dich schicke, ein Leben in ländlicher Heiterkeit leben, und dort wirst du auch sterben: voller Jahre und wahrscheinlich mit einem falschen, aber zweifellos erfreulichen Gefühl, erlöst zu sein.
Stephen King (Wolves of the Calla (The Dark Tower, #5))
Und dann fragst du, ob du noch traurig sein darfst, und ich sage ja, weil du die Bestimmerin bist, und du darfst traurig sein, auch wenn es immer Sommer ist und wir so viel Geld haben, dass wir uns alles Eis der Welt kaufen können.
Tamara Bach (Was vom Sommer übrig ist)
Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh'n, Im dunkeln Laub die Goldorangen glüh'n, Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, Dahin! Dahin Möcht' ich mit dir, o mein Geliebter, zieh'n. Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach, Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach, Und Marmorbilder stehn und seh'n mich an: Was hat man dir, du armes Kind, getan? Kennst du es wohl? Dahin! Dahin Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, zieh'n. Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg? Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg; In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut; Es stürzt der Fels und über ihn die Flut. Kennst du ihn wohl? Dahin! Dahin Geht unser Weg! o Vater, laß uns zieh'n!
Johann Wolfgang von Goethe (Wilhelm Meister's Apprenticeship)
Seine rehbraunen Augen blinkern mich verschmitzt von unten an. "Wie oft machst du es dir selbst?" Meine Güte, ist der Knabe dreist. "Stündlich, und ich denke dabei nur an dich" antworte ich wie aus der Pistole geschossen und kann dabei zusehen, wie die Röte von seinem Hals hinauf in die Wangen wandert. Jules grinst breit, Maggie vergräbt prustend das Gesicht in ihren Händen. Was Falk denkt, weiß nur der liebe Gott, aber er gibt Tobias einen mahnenden Klaps auf den Hinterkopf.
Bettina Belitz (Linna singt)
Kamerad, ich wollte dich nicht töten. Sprängst du noch einmal hier hinein, ich täte es nicht, wenn auch du vernünftig wärest. Aber du warst mir vorher nur ein Gedanke, eine Kombination, die in meinem Gehirn lebte und einen Entschluß hervorrief - diese Kombination habe ich erstochen. Ich habe gedacht an deine Handgranaten, an dein Bajonett und deine Waffen - jetzt sehe ich deine Frau und dein Gesicht und das Gemeinsame. Vergib mir, Kamerad! Wir sehen es immer zu spät. Warum sagt man uns nicht immer wieder, daß ihr ebenso arme Hunde seid wie wir, daß eure Mütter sich ebenso ängstigen wie unsere und daß wir die gleiche Furch vor dem Tode haben und das gleiche Sterben und den gleichen Schmerz -. Vergib mir, Kamerad, wie konntest du mein Feind sein.
Erich Maria Remarque (Im Westen nichts Neues)
Der Verrückte nickte. "Horus", sagte er. "Ich bin der Falke des Morgens, der Greifvogel des Nachmittags. Ich bin die Sonne, so wie du. Und ich kenne den wahren Namen von Ra. Meine Mutter hat ihn mir verraten." "Das ist großartig", sagte Shadow höflich.
Neil Gaiman (American Gods: Tenth Anniversary (American Gods, #1))
Wenn ich so allein bin, siehst du, und mich an alles erinnere, das ist das Schlimme, daß man allein nicht darüber lachen kann, oder dann ist es nur so ein böses und bitteres Lachen, so daß man später über genau die gleichen Dinge doch wieder heult" (S. 173).
Max Frisch
Du musst mir nicht danken, die Messer sind von Haistos hergestellt. Ich habe sie nur ausgesucht. Sie passen gut zu dir.« Sie blinzelt ihn an, während sie die Messerscheiden an ihrer Kleidung fixiert. »Wie das? Weil sie geschmeidig und zugleich tödlich sein können?
Martina Riemer (Essenz der Götter I (Essenz der Götter, #1))
Ich möchte dir ein Liebes schenken, das dich mir zur Vertrauten macht: aus meinem Tag ein Deingedenken und einen Traum aus meiner Nacht. Mir ist, daß wir uns selig fänden und daß du dann wie ein Geschmeid mir löstest aus den müden Händen die niebegehrte Zärtlichkeit.
Rainer Maria Rilke (Ich möchte Dir ein Liebes schenken: Ausgesuchte Liebesgedichte)
„Weißt du, warum ich begonnen hatte, an diesen Dämon zu glauben?“, fragte er leise. Ich schüttelte den Kopf. „Weil mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, in genau dem Moment, in dem ich dich kennen gelernt habe.“ „Du hattest dir gewünscht, jemanden kennenzulernen, der einen stinkigen Käse in seinem Koffer hat?“ Er lachte nicht über meinen zugegeben ein bisschen mageren Witz, sondern fuhr mit einem Finger die Konturen meiner Lippen nach. „Du bist wie ich“, sagte er ernst. „Du liebst Rätsel. Du spielst gern. Du gehst mit Vorliebe Risiken ein. Wenn es droht, gefährlich zu werden, wird es für dich erst richtig spannend.“ Er beugte sich noch ein bisschen näher, und ich konnte seinen warmen Atem spüren. „Das habe ich mir gewünscht. Dass ich jemanden treffe, in den ich mich verlieben kann. Du bist mein Herzenswunsch, Liv Silber.
Kerstin Gier (Das erste Buch der Träume (Silber, #1))
Du bist der einzige Mensch, von dem ich Abschied nehmen möchte, wenn ich sterbe, weil nur dann das, was ich mein Leben nenne, einen Sinn ergibt. Und sollte ich erfahren, dass du gestorben bist, wird mein Leben, so wie ich es kenne, das Ich, das jetzt mit dir spricht, aufhören zu existieren.
André Aciman (Call Me by Your Name)
#54 Meinem Leser Ein gut Gebiss und einen guten Magen – Diess wünsch' ich dir! Und hast du erst mein Buch vertragen, Verträgst du dich gewiss mit mir! (To My Reader Strong teeth and good digestion too - this I wish thee! And once my book's agreed with you, then surely you'll agree with me! )
Friedrich Nietzsche (The Gay Science: With a Prelude in Rhymes and an Appendix of Songs)
Zeitungen haben...zugleich etwas Solides und sogar bei der schlimmsten Nachricht etwas Beruhigendes: Die Welt existiert. Du bist gerade aufgewacht, zurückgekommen aus dem dunklen Reich des Schlafes, mach dir keine Sorgen, hier bin ich, schon frisch gebacken, ich rieche noch nach Druckerschwärze.
Cees Nooteboom
Gestern, inmitten des zarten Übergangs vom Morgengrauen zur Abenddämmerung, fühlte ich mich verloren zwischen der greifbaren Umarmung der Realität und dem vergänglichen Reich der Träume und Illusionen. Die Freude an der Erinnerung, einst ein geschätzter Trost, entzog sich nun meinem Zugriff, denn es gab keinen Begleiter, mit dem ich diese wertvollen Erinnerungen teilen konnte. Es war, als hätte die Abwesenheit meiner Geliebten diesen gemeinsamen Erlebnissen die Essenz entzogen und sie hohl und distanziert gemacht. Der Verlust eines unverzichtbaren Menschen fügt dem Herzen eine tiefe Wunde zu, die nie vollständig heilt. Sie bleiben für immer in den zerbrochenen Kammern unserer Seele präsent, ihre Essenz ist für immer mit unserer eigenen verbunden. Die einfachen Nuancen unseres gemeinsamen Daseins, einst Quellen der Wärme und des Trostes, dienen heute als eindringliche Echos, die vor Schmerz nachhallen. In der riesigen Fläche, in der sich einst deine Präsenz befand, existiert jetzt eine Leere – eine Leere, die genau nach diesem Bild geformt ist und von keinem anderen gefüllt wird. Ich navigiere ständig durch die Konturen dieser Leere, durchquere tagsüber ihre Tiefen und erliege nachts ihrer allumfassenden Dunkelheit. Es ist eine Kluft, die kunstvoll in die Silhouette deiner Abwesenheit eingraviert ist, eine Leere, die sich allen Versuchen der Schließung widersetzt, denn niemand sonst kann jemals den Raum einnehmen, den du einst in meinem Herzen gehalten hast.
Rolf van der Wind
Mein Gott, dachte ich, als sie mich mit leuchtenden Augen ansah, wärst du doch nur halb so gut wie in deinen Lügengeschichten. Das war natürlich alles am Rande der Legalität, das wusste ich, aber auf der anderen Seite waren im Krieg und in der Liebe alle Mittel erlaubt, das hatte ich zumindest mal gelesen.
Benedict Wells (Spinner)
Dann wandte er sich zu Rauli, der wie unbeteiligt herumstand. »Ich hatte dir doch gesagt, dass du im Wagen bleiben sollst.« »Na ja, hab ich auch gemacht, Herr Beck. Aber dann ich hab gesehen, dass man Sie und diese Frau angreift. Was soll ich machen?« »Vielleicht erst drohen und dann schießen, nicht umgekehrt.
Benedict Wells (Becks letzter Sommer)
Einmal sagte er zu ihr: Du bist wie ich, du bist anders als die meisten Menschen. Du bist Kamala, nichts andres, und in dir innen ist eine Stille und Zuflucht, in welche du zu jeder Stunde eingehen und bei dir daheim sein kannst, so wie auch ich es kann. Wenige Menschen haben das, und doch könnten alle es haben.
Hermann Hesse
Ich kenne dich«, sagte Eddie. »Ich habe eine Menge von deinesgleichen gesehen. Du bist nichts weiter als ein Narr, der mit einer Flagge in einer und einer Kanone in der anderen Hand ›vorwärts, ihr christliche Soldaten‹ singt. Ich will keine Ehre. Ich will nur ein Brathähnchen und einen Schuss. In dieser Reihenfolge.
Stephen King (The Drawing of the Three (The Dark Tower, #2))
Gerade jetzt, wo ich drauf und dran bin den Nebel zu zerteilen, muß mir das Testmaterial ausgehen - und du rätst mir, mich wieder in blöde Benommenheit zurücksinken zu lassen! Mein Gott! Und unterdessen arbeitet wahrscheinlich irgend so ein gewissenloser Dieb mit meinen Daten und bereitet sich darauf vor, eher zu publizieren als ich und den Ruhm für meine Arbeit einzuheimsen. Ich werde um eine Nasenlänge verlieren - irgendein Narr, der genügend Testmaterial zur Verfügung hat, wird Sieger werden, obwohl ich, wenn ich nur halbwegs angemessene Arbeitsbedingungen hätte, schon in einer Woche mit fliegenden Fahnen durchs Ziel gehen könnte!
H.P. Lovecraft (The Horror in the Museum & Other Revisions)
»Dann erinnerst du dich also an alles?« »Besonders gerne an den Kuss im Wandschrank.« Ich stöhnte leise und fuhr mir genervt durchs Haar. »Das war doch nur ein einziger Kuss. Ich habe dich bloß geküsst, weil ich dich zum Schweigen bringen wollte, damit Sawyers Mom uns nicht entdeckt und wir keinen Ärger kriegen. Du küsst doch sicher ständig Mädchen und danach geht ihr getrennte Wege. Außerdem kann ich deinen besten Freund nicht leiden.« Levi legte nachdenklich den Kopf zur Seite. »Weißt du, Tate, ich kann Sawyer manchmal auch nicht leiden. Sieh ihn dir doch nur an! Wie er sein Haar trägt, das ist doch echt abartig. Wir haben voll was gemeinsam.« Automatisch blickte ich zu Sawyer hinüber, um seine Frisur abzuchecken. Wie immer waren seine Haare durcheinander und wuschelig und nicht mal wirklich das, was ich unbedingt eine richtige Frisur nennen würde. »Sieht er nicht immer so aus?« »Sag das doch nicht so laut! Ich versuche es immer wieder zu verdrängen, damit wir beide mit diesem Umstand leben können. Du verletzt sonst seine Gefühle.« »Sawyer hat Gefühle?«, fragte ich sarkastisch. »Können wir nicht lieber über meine Gefühle reden?«, erwiderte Levi und rückte mit seinem Stuhl näher. »Sehe ich aus wie eine Therapeutin?« »Nein«, antwortete er. »Dafür bist du zu süß.«
Tanja Voosen (Mondfunken)
Der Erlkönig Wer reitet so spät durch Nacht und Wind ? Es ist der Vater mit seinem Kind ; Er hat den Knaben wohl in dem Arm, Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm. Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht ?- Siehst Vater, du den Erlkönig nicht ? Den Erlenkönig mit Kron und Schweif ?- Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. - "Du liebes Kind, komm, geh mit mir ! Gar schöne Spiele spiel ich mit dir ; Manch bunte Blumen sind an dem Strand, Meine Mutter hat manch gülden Gewand." Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht, Was Erlenkönig mir leise verspricht ?- Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind ! In dürren Blättern säuselt der Wind.- "Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn ? Meine Töchter sollen dich warten schön ; Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn Und wiegen und tanzen und singen dich ein." Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort Erlkönigs Töchter am düstern Ort ?- Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau : Es scheinen die alten Weiden so grau.- "Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt ; Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt." Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an ! Erlkönig hat mir ein Leids getan ! Dem Vater grauset's, er reitet geschwind, Er hält in den Armen das ächzende Kind, Erreicht den Hof mit Mühe und Not ; In seinen Armen das Kind war tot.
Johann Wolfgang von Goethe (Selected Poetry)
Stew: “Du bist so süß, wenn du schlecht gelaunt bist!” Dann machte er Anstalten, mir in die Wangen zu kneifen, wie es alte Tanten gerne taten. Vic: “Fass mich an und ich beiß dir die Hand ab.” Er überlegte es sich im letzten Moment anders und tätschelte mir stattdessen die Schulter. “Wie ich eben sagte, zuckersüß – wie ein Rotweiler.
Martina Riemer (Glasgow RAIN: Küsse im Regen)
Maifest Wie herrlich leuchtet Mir die Natur! Wie glänzt die Sonne! Wie lacht die Flur! Es dringen Blüten Aus jedem Zweig, Und tausend Stimmen Aus dem Gesträuch, Und Freud und Wonne Aus jeder Brust. O Erd, o Sonne! O Glück, o Lust! O Lieb', o Liebe, So golden schön, Wie Morgenwolken Auf jenen Höhn; Du segnest herrlich Das frische Feld, Im Blütendampfe Die volle Welt. O Mädchen, Mädchen, Wie lieb' ich dich! Wie blickt dein Auge! Wie liebst du mich! So liebt die Lerche Gesang und Luft, Und Morgenblumen Den Himmels Duft, Wie ich dich liebe Mit warmem Blut, Die du mir Jugend Und Freud und Mut Zu neuen Liedern Und Tänzen gibst! Sei ewig glücklich Wie du mich liebst!
Johann Wolfgang von Goethe (Gedichte)
Reden wir über Schmerz. Schmerz ist eine Form von Energie. Er kann erzeugt werden wie Elektrizität. Er kann fließen wie Strom. Er kann gleichmäßig sein oder pulsierend. Er kann stark und überwältigend sein, oder schwach und störend. Schmerz kann einen Mann zum Reden bringen. Was viele Menschen nicht wissen - Schmerz kann einen Mann zum Nachdenken bringen. Er kann einen Menschen nach seinem Abbild formen. Er kann ihn zu dem machen, was er selbst ist. Ich kenne den Schmerz. Ich habe ihn verstanden. Er hat mich Dinge gelehrt. Zum Beispiel, dass die Menschen ihn fürchten. Zugleich können sie viel mehr Schmerzen ertragen, als sie glauben. Wenn ich dir beispielsweise sage, dass ich dir eine Nadel in den Arm ramme, wirst du Angst bekommen. Wenn ich es tatsächlich tue, wird der Schmerz unerträglich sein. Aber wenn ich es wieder tue, und wieder und wieder, jede Stunde, ein ganzes Jahr lang, wirst du dich daran gewöhnen. Es wird dir niemals gefallen, doch du fürchtest dich auch nicht mehr davor. Genau darum geht es.
Cody McFadyen (The Face of Death (Smoky Barrett, #2))
Wenn das liebe Tal um mich dampft und die hohe Sonne an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege und näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräschen mir merkwürdig werden; ... Es ist wunderbar: wie ich hierher kam und vom Hügel in das schöne Tal schaute, wie es mich ringsumher anzog - Dort das Wäldchen! - Ach könntest du dich in seine Schatten mischen! - Dort die Spitze des Berges! - Ach könntest du von da die weite Gegend überschauen! - Die ineinandergeketteten Hügel und vertraulichen Täler! - O könnte ich mich in ihnen verlieren! - - Ich eilte hin und kehrte zurück und hatte nicht gefunden, was ich hoffte. O es ist mit der Ferne wie mit der Zukunft! Ein großes dämmerndes Ganze ruht vor unserer Seele, unsere Empfindung verschwimmt darin wie unser Auge, und wir sehnen uns, ach! unser ganzes Wesen hinzugeben, uns mit aller Wonne eines einzigen, großen, herrlichen Gefühls ausfüllen zu lassen.
Johann Wolfgang von Goethe (The Sorrows of Young Werther)
Siehst du das?" Er zeigt in die Landschaft. "Da stand das Haus", sagt er. "Von meinen Urgroßeltern?" "Ja." "Da?" "Nein, da." "Da, wo man den Zaun sieht?" "Nein, da wo man nichts sieht." Ich lachte. Gavrilo fand es nicht komisch, und das war der Augenblick, da Gavrilo mich fragte, woher ich käme. Also doch, Herkunft, wie immer, dachte ich und legte los: Komplexe Frage! Zuerst müsse geklärt werden, worauf das Woher ziele. Auf die geografische Lage des Hügels, auf dem der Kreißsaal sich befand? Auf die Landesgrenzen des Staates zum Zeitpunkt der letzten Wehe? Provenienz der Eltern? Gene, Ahnen Dialekt? Eine Art Kostüm, das man ewig tragen soll, nachdem es einem übergestülpt worden ist. Als solches ein Fluch! Oder, mit etwas Glück, ein Vermögen, das keinem Talent sich verdankt, aber Vorteile und Privilegien schafft. So redete ich und redete, und Gavrilo ließ mich ausreden. Er brach das Brot und reichte mir die Kante. Dann sagte er: "Von hier. Du kommst von hier." Ich biss in das Brot. Wartete, dass er erklärte. Von hier? Was von hier?
Saša Stanišić (Herkunft)
Nachdem er zum fünften Mal aufgerutscht und ich zum fünften Mal weggerutscht war, setzte er erneut an. »Emely, du musst mir dringend bei etwas helfen.« Ohne zu wissen, was er überhaupt wollte, gab ich ihm seine Antwort. »Immer mit der Hand rauf und runter, das schaffst du auch ohne mich.« Andy und Sebastian prusteten los, doch Elyas schmunzelte nur.
Carina Bartsch
Rafael: „Wow, Princesa, missmutig wie eh und je! Du bist sogar noch besser gelaunt als bei unserer letzten Begegnung. Du solltest es vielleicht mit Lachen probieren – oder zumindest mit einem kleinen Lächeln? Sonst mache ich mir nämlich echt Sorgen um dich. Oder … ich könnte anfangen zu glauben, dass es an mir liegt!? Das wollen wir doch beide nicht, oder?
Martina Riemer (Glasgow RAIN: Küsse im Regen)
Ich wollte dort sitzen bleiben und nicht sprechen und nicht zuhören und diesen Augenblick für alle Zeit wie eine Kostbarkeit bewahren (…) Die Zukunft dehnte sich endlos vor uns aus, unbekannt, unerkennbar, möglicherweise nicht die Zukunft, die wir erhofften, die wir uns vorgestellt hatten. Dieser Augenblick war uns sicher, er konnte uns nicht genommen werden.
Daphne du Maurier (Rebecca)
»Soll Wahrheit zwischen uns sein, wie zwischen zwei Männern? Nicht wie zwischen Freunden, sondern wie zwischen Ebenbürtigen? Das ist ein Angebot, das du selten erhalten wirst, Roland. Nur Ebenbürtige sagen die Wahrheit, nicht anders denke ich darüber. Freunde und Liebende lügen ohne Unterlass, weil sie in einem Netz von Rücksichten gefangen sind. Wie langweilig!
Stephen King (The Gunslinger (The Dark Tower, #1))
Das habe ich gelernt: Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. Sie lässt dich regenbogenfarbene Bonbons verteilen, sie lässt dich in roten Schuhen durch die Straßen tanzen, und sie schreckt nicht davor zurück, dich nachts mit blutenden Händen Gräber in paradiesische Gärten hacken zu lassen. Liebe schlägt dir tiefe Wunden, aber auf eine ihr eigenen Art heilt sie auch deine Narben, vorausgesetzt, du vertraust ihr und gibst ihr die Zeit dazu. Meine Narben werde ich nicht anrühren. Ich werde neue Wunden davontragen, noch ehe die alten verheilt sind, und ich werde anderen Menschen Wunden zufügen. Jeder von uns trägt ein Messer. So sind die Regeln, Paleiko.
Andreas Steinhöfel (Die Mitte der Welt)
Wo wären wir ohne das Morgen? Wir hätten stattdessen das Heute. Und wenn es so wäre, wenn ich mit dir das Heute hätte, dann würde ich hoffen, dass heute der längste Tag wäre. Ich würde ihn mit dir füllen und alles tun, was ich jemals geliebt habe. Ich würde lachen, ich würde reden, ich würde zuhören und lernen, und ich würde lieben, lieben, lieben. Ich würde aus jedem Tag ein Heute machen und jedes Heute mit dir verbringen, und niemals würde ich mir Sorgen um morgen machen, um den Tag, an dem ich nicht bei dir wäre. Und wenn dieses gefürchtete Morgen für uns kommt, dann sollst du wissen, dass ich dich nicht verlassen und auch nicht zurückgelassen werden wollte - und dass die Augenblicke mit dir die schönsten Augenblicke meines Lebens waren.
Cecelia Ahern
Sind das Schneeengel, die sie da nachmacht?" Und dabei dachte ich, Kelsey wäre verrückt. Obwohl Sarah, wie sie sich im Bett wälzte, eigentlich ganz süß aussah – auf die schräge Art. „Oh Gott, ist die knuffig. Darf ich sie behalten, bitte, bitte“, flehte Kelsey neben mir und ihre Augen leuchten, was mich kurz zum Lachen brachte. „Sie ist kein Chihuahua, denn du behalten kannst.“ Kelsey schmollte, was bedeutete, dass sie auf ihre typische Art, die Unterlippe wie ein Kleinkind nach vorne schob. „Aber ich füttere sie auch und bin ganz lieb zu ihr. Versprochen.“ In diesem Moment stoppte Sarah abrupt mit ihren Bewegungen, setzte sich auf die Knie und starrte uns mit roten Wangen an. Zuerst blickte sie zu Kelsey, zu mir und dann wieder zu Kelsey, bevor sie bei mir hängen blieb. „Hat sie etwa gerade gesagt, ich sei ein Hund?“ Ich prustete los und Kelsey zwinkerte Sarah zu. „Eigentlich hat sie gesagt, dass du knuffig bist und sie dich behalten will, worauf ich gemeint habe, du bist kein Chihuahua.“ „Das ist aber auch nicht besser“, gab sie irritiert zurück, und ich zuckte mit den Schultern. „Es gibt aber Schlimmeres." (Johnny)
Martina Riemer (Road to Hallelujah (Herzenswege #1))
Dennoch kapitulierte ich und ließ den Kopf hängen, während ich grimmig antwortete: „Du tauchst wohl immer zu den unpassendsten Momenten auf …“ Zu mir selbst nuschelte ich: „Die Frage ist nur, ob das ein Segen oder ein Fluch ist.“ Gekünstelt räusperte ich mich und sprach wieder laut, damit auch er mich verstehen konnte: „Kannst du nicht einfach wieder aufstehen … und gehen? Bitte!
Martina Riemer (Glasgow RAIN: Küsse im Regen)
Woher glaubst Du, daß uns ein fester Halt werden könnte in solchen Zeiten des Zerfalls des Inneren?” fragte ich Klara. „Jedenfalls nicht aus Welten, von denen wir nichts wissen noch kennen können, das siehst Du nun an dieser verarmten Marie. Von jenen überirdischen Tröstungen weiß sie, aber sonst weiß sie nichts und besitzt nichts. Wir haben reale geistige Güter, an denen sich die Seele erquicken kann, was uns auch treffen mag. Für solche arme, beraubte Leben möchte man bitten: ... „Klara,“ sagte ich, „ist denn nicht neben all‘ den köstlichen Quellen der Poesie und alles Wissens auch die Herrlichkeit dieser Natur, die uns umgiebt, eine solche, ja eine Hauptquelle der Erquickung? Marie kennt diese, warum kann sie nicht mehr daran trinken?“ „Sie hat nie recht daran getrunken,“ meinte Klara, „ihr inneres Auge war nie geöffnet für diese Schönheit.“ „Sollte es nicht Krankheiten geben, die auch die geöffneten Augen schließen und die Aufnahme all‘ dieser Erquickungen unmöglich machen könnten, Klara?“ „Nein,“ sagte sie bestimmt; „ausgerüstet mit dem geweiteten Blicken des Gebildeten, dem alle Quellen des geistigen Lebens geöffnet sind, kann uns ein solches Kranken nicht niederwerfen. Nicht die Schutzmittel fehlen, die Kenntnis derselben fehlt, wo solches geschehen kann. Versiegt für uns eine Quelle, die uns Kräfte des Lebens zugeführt, so kennen wir tausend andere, daraus wir schöpfen können; wir müssen nicht ermatten, wie das Land, dem der einzige Bach vertrocknet, dessen Wasser es grünen gemacht. ~ Aus Früheren Tagen
Johanna Spyri (Die Werke von Johanna Spyri)
Er lachte wieder sein zynisches, verletztes Lachen – und dieses Lachen besagte: Rat mal, was ich herausgefunden habe, als ich acht wurde oder so? Ich habe herausgefunden, dass das ganze Leben eine verdammte Scheiße ist und dass sich daran so bald nichts ändern wird. Vielleicht wird sich auch nie etwas daran ändern. Und das kotzt mich an, aber es hat auch seine komischen Seiten. Verstehst du, was ich meine?
Stephen King (The Talisman (The Talisman, #1))
Weißt du, warum man so auf seinen Schlaf erpicht ist? Nur um ein paar Tage länger jung auszusehen? Ach, und wenn dann der Schlaf kommt und man träumt, dann ist man uralt, und kein Engel ist da; man liegt da wie ein Stück Holz im Moor, ewig, und kann nicht sterben. Und das alles zur Strafe, weil man ein einziges Mal wach gewesen ist, als der Engel da saß und man dachte: Nun brauche ich nie mehr zu schlafen.
Hans Erich Nossack (Der jüngere Bruder)
Wenn Gebete so etwas Erhabenes sind, warum kniest du dann in demselben Raum nieder, in dem du sitzt, um zu scheißen? Vielleicht hätte ich sagen sollen, weil mir das die Demut erhält, dachte er. Weil es mich auf die richtige Größe zurechtstutzt. Es ist Dreck, aus dem wir kommen, und es ist Dreck, zu dem wir wieder werden, und wenn es einen Ort gibt, an dem man das unmöglich vergessen kann, dann ist es dieser hier.
Stephen King (The Dark Tower (The Dark Tower, #7))
Erlaube," fuhr Meister Abraham fort, "erlaube, mein Johannes, mit dem Just magst du mich kaum vergleichen. Er rettete einen Pudel, ein Tier, das jeder gern um sich duldet, von dem sogar angenehme Dienstleistungen zu erwarten, mittelst Apportieren, Handschuhe-, Tabaksbeutel- und Pfeife-Nachtragen usw., aber ich rettete einen Kater, ein Tier, vonr dem sich viele entsetzen, das allgemein als perfid, keiner sanften, wohlwollenden Gesinnung, keiner offenherzigen Freundschaft fähig ausgeschrieen wird, das niemals ganz und gar die feindliche Stellung gegen den Mensch aufgibt, ja, einen Kater rettete ich aus purer uneigennütziger Menschenliebe ... Es ist das gescheiteste, artigste, ja witzigste Tier der Art, das man sehen kann, dem es nur noch an der höhern Bildung fehlt, die du, mein lieber Johannes, ihm mit leichter Mühe beibringen wirst.
E.T.A. Hoffmann (The Life and Opinions of the Tomcat Murr)
Bist du Vegetarierin?" [...] "Wieso?" "Weil ich so eine Theorie habe: Wenn wir sterben, darf jedes Tier, das wir gegessen haben, dafür uns fressen. Und wenn du als Fleischfresser mal alle Tiere zusammenzählst, die du in deinem Leben gegessen hast - da kommt eine Menge Zeit im Fegefeuer zusammen, in der irgendwelche Viecher auf dir rumkauen?" "Im Ernst jetzt?" Sie lacht. "Nein. Ich kann die Frage bloß nicht mehr hören...
David Levithan (Every Day (Every Day, #1))
..."Bist du Vegetarierin?" [...] "Wieso?" "Weil ich so eine Theorie habe: Wenn wir sterben, darf jedes Tier, das wir gegessen haben, dafür uns fressen. Und wenn du als Fleischfresser mal alle Tiere zusammenzählst, die du in deinem Leben gegessen hast - da kommt eine Menge Zeit im Fegefeuer zusammen, in der irgendwelche Viecher auf dir rumkauen?" "Im Ernst jetzt?" Sie lacht. "Nein. Ich kann die Frage bloß nicht mehr hören...
David Levithan (Every Day (Every Day, #1))
... "Bist du Vegetarierin?" [...] "Wieso?" "Weil ich so eine Theorie habe: Wenn wir sterben, darf jedes Tier, das wir gegessen haben, dafür uns fressen. Und wenn du als Fleischfresser mal alle Tiere zusammenzählst, die du in deinem Leben gegessen hast - da kommt eine Menge Zeit im Fegefeuer zusammen, in der irgendwelche Viecher auf dir rumkauen." "Im Ernst jetzt?" Sie lacht. "Nein. Ich kann die Frage bloß nicht mehr hören...
David Levithan (Every Day (Every Day, #1))
Dabei zwinkert sie mit dem nicht geschwollenen Auge Sky zu, der anerkennend einen Daumen hoch hält. Auch Slash gratuliert ihr zum Sieg und klopft ihr auf die Schulter. Sie muss die Zähne zusammenbeißen, um nicht vor Schmerzen aufzuschreien. Das ist nämlich genau die Stelle, die er vorhin mit der harten Faust getroffen hatte und die morgen aussehen wird wie zerquetschtes Pflaumenmus. »Gut gemacht, Loreen. Das war’s für heute. Du kannst mit Sky gehen. Er wird dir bei den theoretischen Sachen helfen.« Slash wendet sich bereits zu den Waffen, als Sky wieder von seinem Zuschauerplatz hüpft. »Hey Kumpel, du hast gesagt, ich darf ihr auch alles über Pfeil und Bogen beibringen.« »Klar kannst du das. Aber ich bezweifle, dass sie heute noch trainieren kann, geschweige denn einen Bogen oder von mir aus ein Besteck halten. Aber versuch dein Glück.« (Loreen)
Martina Riemer (Essenz der Götter I (Essenz der Götter, #1))
Deine Knie seien mein einziger Stuhl. Dein Rücken mein Tisch. Deine Augen meine Fenster. Dein Mund sei das Glas, aus dem ich trinke. Dein Herz meine Nahrung, dein Puls meine Uhr, dein Leben meine Zeit. Dein Atem sei meine Luft. Dein Gesicht mein Mond, wenn du dich bei Nacht über mich beugst, und meine Sonne, wenn du bei Tag für mich lachst. Deine Stimme sei mein einziges Geräusch. Dein Puls meine Uhr, dein Leben meine Zeit. Dein Tod sei meiner.
Juli Zeh (Corpus Delicti: Ein Prozess)
„»Du hörst dich an wie meine Mama, wenn sie gesagt hat, Gott wird’s schon fügen.« »Hat Er das nicht?«, sagte Roland ernst. Sie sah ihn einen Augenblick lang voller stummer Überraschung an, dann warf sie den Kopf zurück und lachte zum Himmel hinauf. »Nun, ich schätze, das kommt ganz drauf an, wie man es betrachtet. Ich kann nur sagen, Roland, wenn Er uns versorgt, dann will ich nicht wissen, was passiert, wenn Er beschließt, uns hungern zu lassen.«
Stephen King (The Waste Lands (The Dark Tower, #3))
Du bist Tariq", wiederholt sie die Worte, die mir Maya letztens gesagt hat. "Du hast einen tollen Musikgeschmack, bist loyal, ruhig, denkst zu viel nach, bist immer für alle da und kannst wirklich romantisch sein. Manchmal sogar zu romantisch für meinen Geschmack." Obwohl mir die Beschreibung nicht hundertprozentig zusagt, zucken meine Mundwinkel. "Soll ich ein bisschen runterschalten wegen der Romantik?" "Nein", antwortet sie nur, und ich lächle schwach.
Mehwish Sohail (Like water in your hands (Like This, #1))
Es ist nicht so, dass ich unbedingt glücklich sein wollte, das nicht gerade. Ich wollte...mich retten, ja: mich retten. Aber ich habe erst spät begriffen, auf welche Seite man sich schlagen muss: auf die Seite der Sehnsüchte. Man erwartet eigentlich, dass es andere Dinge sind, durch die Menschen gerettet werden können: Pflichterfüllung, Ehrlichkeit, gut sein, gerecht sein. Nein. Es sind die Sehnsüchte, die einen erretten. Sie sind das einzig Wahre. Bist du auf ihrer Seite, wirst du dich retten. Aber als ich das begriff, war es schon zu spät. Wenn du dem Leben Zeit lässt, nimmt es eine eigenartige, unvermeidliche Wendung; und du stellst fest, dass du dich an dem Punkt nicht nach etwas sehnen kannst, ohne dir selbst weh zu tun. An dem Punkt scheitert alles, du kannst dem nicht entgehen, je mehr du um dich schlägst, desto mehr verfängst du dich im dem Netz, je heftiger du aufbegehrst, desto mehr verletzt du dich. Es gibt kein Entrinnen.
Alessandro Baricco (Ocean Sea)
Was sollen wir anfangen? Wenn wir einen Mann liebhaben, liefern wir uns ihm aus. Wir trennen uns von allem, was vorher war, und kommen zu ihm. "Da bin ich", sagen wir freundlich lächelnd. "Ja", sagt er, "da bist du", und kratzt sich hinterm Ohr. Allmächtiger, denkt er, nun habe ich sie auf dem Hals. Leichten Herzens schenken wir ihm, was wir haben. Und er flucht. Die Geschenke sind ihm lästig. Erst flucht er leise, später flucht er laut. Und wir sind allein wie nie zuvor.
Erich Kästner (Fabian: die Geschichte eines Moralisten)
Der sprachlose Papagei Ein Kaufmann einen Papagei vor Jahren besaß, in Sang und Rede wohl erfahren. Der saß als Wächter an des Ladens Pforte und sprach zu jedem Kunden kluge Worte. Denn wohl der Menschenkinder Sprache kannt er, doch seinesgleichen Weisen auch verstand er. Vom Laden ging nach Haus einst sein Gebieter und ließ den Papagei zurück als Hüter. Ein Kätzlein plötzlich in den Laden sprang, um eine Maus zu fangen; todesbang, flatterte hin und her der Papagei und stieß ein Glas mit Rosenöl entzwei. von seinem Hause kam der Kaufmann wieder und setzte sorglos sich im Laden nieder und stieß das Rosenöl allüberall, im Zorn schlug er das Haupt des Vogels kahl. Die Zeit verstrich, der Vogel sprach nicht mehr. Da kam die Reu´, der Kaufmann seufzte schwer. Raufte sich den Bart und rief: "Weh mir umsponnen ist mit Gewölk die Sonne meiner Wonnenn! Wär mir, da auf den Redner ich den bösen Schlag ausgeführt, doch lahm die Hand gewesen!" Wohl gab er frommen Bettlern reiche Spende, auf daß sein Tier die Sprache wiederfände; umsonst! Als er am vierten Morgen klagend, in tausend Sorgen, was zu machen sei, daß wieder reden mög´sein Papagei, ließ sich mit bloßem Haupt ein Büßer blicken, den Schädel glatt wie eines Beckens Rücken. Da hub der Vogel gleich zu reden an und rief dem Derwisch zu: "Sag lieber Mann, wie wurdest Kahlkopf du zum Kahlen? sprich! Vergossest du vielleicht auch Öl wie ich?" Man lachte des Vergleichs, daß seine Lage der Vogel auf den Derwisch übertrage.
Jalal ad-Din Muhammad ar-Rumi
Hm?" Sie runzelt die Stirn. "Ein was? Ein Stativ?" "Was hat er gesagt?", fragt Hama durchs Handy. "Ob er ein Dativ ist? Dem Tariq, dem Tariq, was redest du da?" "Sei still" sagt Maya zu ihrer Freundin und wirft mir dann einen verwirrten Blick zu. "Wie meinst du das?" Ich hab das Gefühl, jede Eigenschaft, die man mir als Mensch zuschreibt, dient eher anderen Menschen als mir. Ich fühl mich halt nie angekommen, egal wo ich bin. Ich habe keine Ahnung, wie ich das meine, ich bin einfach verdammt müde.
Mehwish Sohail (Like water in your hands (Like This, #1))
Dadurch wurde die Welt für mich in drei Teile geteilt, in einen, wo ich, der Sklave, lebte, unter Gesetzen, die nur für mich erfunden waren und denen ich überdies, ich wußte nicht warum, niemals völlig entsprechen konnte, dann in eine zweite Welt, die unendlich von meiner entfernt war, in der Du lebtest, beschäftigt mit der Regierung, mit dem Ausgeben der Befehle und mit dem Ärger wegen deren Nichtbefolgung, und schließlich in eine dritte Welt, wo die übrigen Leute glücklich und frei von Befehlen und Gehorchen lebten.
Franz Kafka
Ich sehe die Szene schon vor mir, wie ich oben ankomme, mit dem Typ, der meinen Namen auf der Liste sucht und nicht findet. "Wie heißen Sie nochmal?" "Novecento." "Nosjinskij, Notarbartolo, Novalis, Nozza..." "Es ist nämlich so, daß ich auf einem Schiff geboren bin." "Wie bitte?" "Ich bin aif einem Schiff geboren und da auch gestorben, ich weiß nicht, ob das da aus der Liste hervorgeht..." "Schiffbruch?" "Nein. Explodiert. Dreizehn Zentner Dynamit. Bum." "Aha. Ist soweit alles in Ordnung?" "Ja, ja, bestens... das heißt... da ist noch die Sache mit dem Arm... ein Arm ist weg... aber man hat mir versichert..." "Ein Arm fehlt ihnen?" "Ja. Wissen Sie, bei de Explosion..." "Da müßte noch ein Paar liegen... welcher fehlt Ihnen denn?" "Der linke." "Ach herrje." "Was soll das heißen?" "Ich fürchte, es sind zwei rechte, wissen Sie." "Zwei rechte Arme?" "Tja. Unter Umständen können Sie Schwierigkeiten haben,..." "Ja?" "Ich meine, wenn Sie einen rechten Arm nehmen würden..." "Einen rechten Arm anstelle des linken?" "Ja." "Aber... nein, oder doch,... lieber einen rechten als gar keinen..." "Das meine ich auch. Warten Sie einen Moment, ich hole ihn." "Ich komme am besten in ein paar Tagen wieder vorbei, dann haben Sie vielleicht einen linken da..." "Also, ich habe hier einen weißen und einen schwarzen..." "Nein, nein, einfarbig... nichts gegen Schwarze, hm, es ist nur eine Frage der..." Pech gehabt. Eine ganze Ewigkeit im Paradies mit zwei rechten Armen. (Näselnd gesprochen.) Und jetzt schlagen wir ein schönes Kreuz! (Er setzt zu dieser Geste an, hält aber inne. Er betrachtet seine Hände.) Nie weiß man, welche man nehmen soll. (Er zögert einen Augenblick, dann bekreuzigt er sich schnell mit beiden Händen.) Sich eine ganze ewigkeit, Millionen Jahre, zum Affen machen. (Wieder schlägt er mit beiden Händen ein Kreuz.) Die Hölle. Da gibt's nichts zu lachen. (Er dreht sich um, geht auf die Kulissen zu, bliebt einen Schritt vor dem Abgang stehen, dreht sich erneut zum Publikum, und seine Augen leuchten.) Andererseits... du weißt ja, daß Musik... mit diesen Händen, mit zwei rechten... wenn da nur ein Klavier ist...
Alessandro Baricco (Novecento. Un monologo)
Du hast dich also schon entschieden", sagt er schließlich. "Was möchtest du jetzt noch von uns hören?" Ja, was denn, Tariq? Was willst du? Du weißt doch, woran sie glauben, wie sie zu alldem stehen. Du kennst sie. Und dennoch sage ich: "Ich will eure Erlaubnis." Es ist etwas zutiefst Kulturelles und womöglich unmöglich für andere zu verstehen, aber es ist das, was ich am Ende brauche, um mit einem möglichst leichten Herz auszuziehen. Die Antwort meiner Eltern entscheidet nicht darüber, was ich machen werde, aber ich möchte sie dennoch haben.
Mehwish Sohail (Like water in your hands (Like This, #1))
Das Mädchen: Vorüber! Ach, vorüber! Geh, wilder Knochenmann! Ich bin noch jung! Geh, lieber, Und rühre mich nicht an. Der Tod: Gieb deine Hand, du schön und zart Gebild! Bin Freund, und komme nicht, zu strafen. Sei gutes Muths! ich bin nicht wild, Sollst sanft in meinen Armen schlafen! The Maiden: Pass me by! Oh, pass me by! Go, fierce man of bones! I am still young! Go, rather, and do not come to me. Death: Give me your hand, you beautiful and tender form! I am a friend, and come not to punish. Be of good cheer! I am not fierce, Softly shall you sleep in my arms!
Matthias Claudius
Im gesamten Leben zählen nur einige wenige Augenblicke. Meistens merkt man das erst im Nachhinein, wenn sie längst an einem vorbeigezischt sind: der Augenblick, in dem du beschlossen hast, das Mädchen anzusprechen, vor der unübersichtlichen Kurve abzubremsen, doch noch das Kondom hervorzuholen. Ich hatte Glück, könnte man wohl sagen. Ich bekam einen meiner entscheidenden Augenblicke voll und ganz mit und erkannte ihn als solchen. Ja, ich spürte den reißenden Sog meines Lebens um mich herumwirbeln, als ich in einer dunklen Winternacht oben am Faithful Place stand und wartete.
Tana French (Faithful Place (Dublin Murder Squad, #3))
Heute habe ich, der Zoologe, gelernt: Die afrikanische Wüstenheuschrecke hat eine ostdeutsche Verwandte, die Bücherheuschrecke (Locusta bibliophila), eine Spezies auf zwei Beinen, gekleidet in „Wisent“- oder „Boxer“-Jeans, selbstgestrickte Rollkragenpullover und olivgrüne oder erdbraune „Kutten“ (Parkas). […] Die Locusta bibliophila ernährt sich von Büchern, allerdings nur von solchen aus dem Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet. Der Angriff der Bücherheuschrecke wird Wochen vor dem Leipziger Schlaraffenland-Ereignis generalstabsmäßig geplant […] Die Rüstung der Bücherheuschrecke (besagter „Messe-Mantel“, Typ Parka) wird etwa zwei Wochen vor der Schlacht einer gründlichen Überprüfung unerzogen; rechte Innenseite: in zwei Reihen nebeneinander je fünf Taschen, von Überbrust- bis in etwa Kniehöhe eingenäht (teilweise überlappend), Format 21 x 13 cm, die Leichtgängigkeit wird mittels des in der Pelzschneiderei „Harmonie“ befindlichen Exemplars Heinrich Böll, „Wanderer kommst du nach Spa…“ kontrolliert […]. Der Angriff der Bücherheuschrecke vollzieht sich in Wellen, sein unmittelbar bevorstehender Beginn wird dem scharfen Beobachter dadurch kenntlich, dass sich die ohnehin immer gierig blickenden Augen zu Hungerschlitzen verengen.
Uwe Tellkamp (Der Turm)
»Sieh mich an, Kate!« Katherine keuchte empört auf, als Joe sie plötzlich an der Schulter packte und zu sich herum zog. Nicht gewillt, sich ihm zu stellen, versuchte sie, seine Hand abzuwehren, doch er war stärker. »Hör mir zu!«, forderte er, nahm ihr Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und zwang ihren Kopf zurück, damit sie ihm in die Augen blickte. Unvermittelt kämpfte sich ihr Stolz an die Oberfläche. Kampfeswille brandete in ihr auf. »Erspar mir deine Belehrungen!«, fuhr sie ihn an und schlug seine Hand beiseite. »Ich weiß, was du sagen willst: dass ich bekommen habe, was ich verdiene, weil ich deine Drohungen ignoriert habe und nicht zurück nach Boston gegangen bin!« Joes Brauen schossen in die Höhe. Dass er die Unverschämtheit besaß, überrascht dreinzublicken, schürte ihre Wut noch mehr. »Welche Befriedigung muss es dir verschaffen, mich so voll Kummer und Verzweiflung zu sehen«, stieß sie hervor. Ihre Stimme überschlug sich, dennoch zwang sie die Worte an dem dicken Kloß vorbei. »Hast du nicht seit Monaten auf einen Augenblick wie diesen gewartet? Voller Hoffnung, dass mir etwas Schlimmes zustoßen würde, damit ich endlich aufgebe und das Feld räume? Aber wenn du glaubst, dass du gewonnen hast, irrst du dich! Denn ich werde nicht aufgeben!«
Melanie Nova (Die Avantgardistin: Westwärts (German Edition))
Nein, aber ehrlich jetzt, ich hab keine Ahnung, wieso diese Leute Anime so hassen. Meine Kunstlehrerin war auch so, eigentlich voll lieb, aber wehe, du malst irgendwas, was sie an Anime erinnert." "Weil alles, was kindisch und weiblich wirkt, in unserer Gesellschaft gern abgewertet wird. Vor allem, wenn es nichteuropäisch ist«, erklärt Tariq, als hätte er das schon hundertmal wiederholt. »Würde Maya jetzt sagen." "Wollte grad sagen, klingt typisch nach ihr. Aber stimmt doch! Immer, wenn etwas weniger maskulin wirkt – was immer die sich darunter vorstellen –, wird es sofort weniger ernst genommen. Außer man ist ein weißer Typ und heißt Andy Warhol …
Mehwish Sohail (Like water in your hands (Like This, #1))
Auf diese Weise gelang es uns tatsächlich, unversehrt den Mustang zu erreichen. Die drei Fast-Stürze, weil ich beim Kuscheln immer wieder die Augen geschlossen hatte, mussten ja nicht zwingend erwähnt werden. »Darf isch fahren?«, fragte ich, als mir Elyas die Tür aufhielt. »Klar, Süße«, sagte er und half mir beim Einsteigen auf der Beifahrerseite. Nachdem ich saß, beugte er sich über mich und hantierte mit dem Gurt, um mich anzuschnallen. »Bin biologisch betrachted nich isch diejenige von uns, die sich nach vorne büggen müsste?« Ich kicherte, während Elyas mit geweiteten Augen in mein nahes Gesicht starrte. »Fräulein Winter«, sagte er und räusperte sich. »Die anzüglichen Witze mache immer noch ich!« »Schulligung, isch wollt auch ma wissen, wie des is.« Ich hob die Schultern, und Elyas widmete sich kopfschüttelnd wieder dem Gurt. Kurz darauf klickte es. »So«, sagte er und richtete sich auf. »Er ist drin.« »Bissu sicher?«, fragte ich grinsend. »Ich spür nix.« Bis zu diesem Moment hatte ich ja keine Ahnung gehabt, zu welch doofem Gesichtsausdruck Elyas fähig war. Leider war dieser köstliche Anblick nicht von langer Dauer. Seine Lippen formten ein Schmunzeln und mit einem verheißungsvollen Glanz in den Augen beugte er sich dicht zu mir hinunter. »Glaub mir, Schatz«, flüsterte er. »Den würdest du spüren.«
Carina Bartsch (Türkisgrüner Winter (Kirschroter Sommer, #2))
Weißt du, welche Gedanken mir gerade kommen? Dass ich einfach nicht das Recht habe, so unglücklich zu sein. Ich bin nicht diejenige, die solche Dinge durchmachen musste wie meine Mutter. Ich hab eigentlich nie direkt irgendwas Schlimmes erfahren. Und dann taucht sie plötzlich bei mir auf und sagt mir so Sachen wie die, dass sie stolz auf mich ist und wie leid ihr alles tut. Als wäre sie schuld. Dabei wäre sie eigentlich so viel besser dran ohne mich. Und ich weiß nicht –" "Es geht aber nicht um Schuld", unterbreche ich sie. "Es fühlt sich so an, aber es geht nicht darum, Arwa. Du hast es auch gesagt, dass eine Beziehung zwischen Kindern und Eltern nicht so sein sollte.
Mehwish Sohail (Like water in your hands (Like This, #1))
[…] Ich möchte aber gern noch einmal auf meinen Ratschlag zurückkommen; ich finde nämlich, dass du dein Leben radikal ändern und ganz mutig Dinge in Angriff nehmen solltest, die dir früher nie in den Sinn gekommen wären oder vor denen du im letzten Moment zurückgeschreckt bist. So viele Leute sind unglücklich mit ihrem Leben und schaffen es trotzdem nicht, etwas an ihrer Situation zu ändern, weil sie total fixiert sind auf ein angepasstes Leben in Sicherheit, in dem möglichst alles gleichbleibt – alles Dinge, die einem scheinbar inneren Frieden garantieren. In Wirklichkeit wird die Abenteuerlust im Menschen jedoch am meisten durch eine gesicherte Zukunft gebremst. Leidenschaftliche Abenteuerlust ist die Quelle, aus der der Mensch die Kraft schöpft, sich dem Leben zu stellen. Freude empfinden wir, wenn wir neue Erfahrungen machen, und von daher gibt es kein größeres Glück als in einem immer wieder wechselnden Horizont blicken zu dürfen, an dem jeder Tag mit einer neuen ganz anderen Sonne anbricht. Wenn du mehr aus deinem Leben machen willst, Ron, dann muss du deine Vorliebe für monotone, gesicherte Verhältnisse ablegen und das Chaos in dein Leben lassen, auch wenn es dir am Anfang verrückt erscheinen mag. Aber sobald du dich an ein solches Leben einmal gewöhnt hast, wirst du die volle Bedeutung erkennen, die darin verborgen liegt, und die schier unfassbare Schönheit. Um es auf den Punkt zu bringen, Ron: Geh fort raus Salton City und fang an zu reisen. […] Sei nicht so träge und bleib nicht einfach immer am selben Platz. Beweg dich, reise, werde ein Nomade, erschaffe dir jeden Tag einen neuen Horizont. Du wirst noch so lange leben, Ron, und es wäre eine Schande, wenn du die Gelegenheit nicht nutzen würdest, dein Leben von Grund auf zu ändern, um in ein vollkommen neues Reich der Erfahrungen einzutreten. Es stimmt nicht, wenn du glaubst, dass Glück einzig und allein zwischenmenschlichen Beziehungen entspringt. Gott hat es überall um uns herum verteilt. Es steckt in jeder kleinen Erfahrung, die wir machen. Wir müssen einfach den Mut haben, uns von unserem gewohnten Lebensstil abzukehren und uns auf ein unkonventionelles Leben einzulassen. Vor allem möchte ich dir sagen, dass du weder mich noch sonstwen brauchst, um dieses neue, hoffnungsfroh schimmernde Licht in dein Leben zu bringen. Du musst nur zur Tür hinausgehen und die Hand danach ausstrecken und schon ist es dein. Du selbst bist dein einziger Feind, du und deine Sturheit, mit der du dich weigerst, dich auf etwas Neues einzulassen. […] Du wirst staunen, was es alles zu sehen gibt, und du wirst Leute kennenlernen, von denen man eine Menge lernen kann. Aber mach es ohne viel Geld, keine Motels, und dein Essen kochst du dir selbst. Je weniger du ausgibst, desto höher der Erlebniswert. […]
Jon Krakauer (Into the Wild)
(Sarah) Während ich nach dem richtigen Förderband Ausschau hielt, fing er neben mir wieder ein Gespräch an: »Du spielst gut.« Ohne meine Suche zu unterbrechen, antwortete ich ihm. »Danke. Und du singst richtig gut.« Ups, das richtig hatte ich eigentlich weglassen wollen. Aus dem Augenwinkel konnte ich erkennen, dass sich sofort einer seiner Mundwinkel hob. Na toll, wieder Futter für sein haushohes Selbstbewusstsein. Im Geiste klatschte ich mir an die Stirn. »Ebenfalls danke. Du klingst überrascht, hat Nat dir denn nie von meinem Talent erzählt? Hast nicht damit gerechnet, dass es stimmt, nicht wahr?« Nun verdrehte ich vor ihm meine Augen, damit er meine Reaktion mitbekam. Ich holte mir eine Weste aus meinem Rucksack und schlüpfte hinein, als ich ihm antwortete: »Nein. Und noch einmal nein. Er hat nur kurz erwähnt, dass du Gitarre spielst und singst. Muss ich es dir schon wieder sagen, es dreht sich nicht alles um dich. Das meiste, was ich von Nat über dich gehört habe, handelte von irgendwelchen Frauengeschichten, die selbst ihm als Mann zu heftig waren.« Sein Grinsen verschwand, genauso wie ich es mir gedacht hatte. Doch dann war es schon wieder an Ort und Stelle, was mich wiederum irritierte. Besonders, als er sagte: »Du bist schon wieder unhöflich. Merkst du das eigentlich noch? Jede andere würde wenigstens versuchen, nett zu sein.« Endlich hatten wir die richtige Bahn erreicht und ich stellte mich neben die wartenden Fluggäste. Johnny quetschte sich zwischen mich und einen anderen Passagier, als wäre unser Gespräch nicht beendet und als würde er auf eine Antwort warten. Na schön. Ich drehte mich in seine Richtung. »Junge, hatten wir das Thema nicht schon vor ein paar Stunden? Das, was ich tue, nennt man Ehrlichsein. Schreib dir das auf, dann vergisst du es nicht wieder.« Er kratzte sich am Kinn und spielte den Beleidigten, was aber nur von kurzer Dauer war, denn irgendwie schienen ihn meine Antworten auch zu belustigen. Das konnte sein nächster Kommentar nicht verbergen. »Ein kleiner Tipp für die Zukunft: Du bist netter, wenn du den Mund nicht aufmachst.«
Martina Riemer (Road to Hallelujah (Herzenswege #1))
An Anna Blume Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir! Du, Deiner; Dich Dir, ich Dir, Du mir, - - - - wir? Das gehört beiläufig nicht hierher! Wer bist Du , ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du? Die Leute sagen, Du wärest. Laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht. Du trägst den Hut auf Deinen Füßen und wanderst auf die Hände, auf den Händen wanderst Du. Halloh, Deine roten Kleider, in weiße Falten zersägt, Rot liebe ich, Anna Blume, rot liebe ich Dir. Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, - - - - - wir? Das gehört beiläufig in die kalte Glut! Anna Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute? Preisfrage: 1.) Anna Blume hat ein Vogel, 2.) Anna Blume ist rot. 3.) Welche Farbe hat der Vogel. Blau ist die Farbe Deines gelben Haares, Rot ist die Farbe Deines grünen Vogels. Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid, Du liebes grünes Tier, ich liebe Dir! Du Deiner Dich Dir, ich Dir, Du mir, - - - - wir! Das gehört beiläufig in die - - - Glutenkiste. Anna Blume, Anna, A - - - - N - - - -N- - - - -A! Ich träufle Deinen Namen. Dein Name tropft wie weiches Rindertalg. Weißt Du es Anna, weißt Du es schon, Man kann Dich auch von hinten lesen. Und Du, Du Herrlichste von allen, Du bist von hinten und von vorne: A - - - - - - N - - - - - N - - - - - -A. Rindertalg träufelt STREICHELN über meinen Rücken. Anna Blume, Du tropfes Tier, Ich - - - - - - - liebe - - - - - - - Dir!
Kurt Schwitters
Der Junge meinte, im Wind feuchte Asche zu riechen. Er ging die Straße hinauf, zerrte, als er zurückkam, ein Stück Sperrholz aus dem Abfall an der Straße hinter sich her, hämmerte mit einem Stein Stöcke in den Boden und baute mit dem SPerrholz einen wackligen Unterstand, doch am Ende regnete es dann doch nicht. Er ließ die Leuchtpistole da und suchte, mit dem Revolver bewaffnet, nach etwas Essbarem, kam jedoch mit leeren Händen wieder. Der Mann ergriff schwer atmend seine Hand. Du musst weitergehen, sagte er. Ich kann nicht mitkommen. Du musst immer weitergehen. Du weißt nicht, was es weiter die Straße entlang geben könnte. Wir haben immer Glück gehabt. Du wirst wieder Glück haben. Du wirst es sehen.
Cormac McCarthy
Es ist nur ärgerlich – wenn du es nicht erfreulich nennen willst -, dass es in der Musik – Wenigstens in der Musik – Dinge gibt, für die im ganzen Bereich der Sprache beim besten Willen kein wirklich charakterisierendes Beiwort, auch keine Kombination von Beiworten aufzutreiben ist. Ich habe mich dieser Tage damit geplagt, - du findest keine adäquate Bezeichnung für den Geist, die Haltung, die Gebärde dieses Themas. Denn es ist viel Gebärde darin. Tragisch-kühn? Trotzig, emphatisch, das Elanhafte ins Erhabene getrieben? Alles nicht gut. Und ‚herrlich‘! Ist natürlich nur eine alberne Kapitulation. Man landet zuletzt bei der sachlichen Vorschrift, dem Namen: Allegro appassionato, das ist noch das Beste.
Thomas Mann (Doctor Faustus)
Du bist 18 und deine Freunde sind mit Balken vor den Augen in den Zeitungen. Sie liegen in den Parks und auf der Pennerwiese herum, sie sind jetzt die Statistik aus den Talkshows, abgeschoben, in der Entzugsklinik oder im Gefängnis. Manche mussten zurück, so wie Bojan. Manche können nicht zurück, weil sie von nirgendwo herkommen, so wie Savaş. Manche mussten gehen, ohne zu wissen wohin, so wie Aylin. Und manche gingen, weil sie sich dazu entschieden hatten, so wie Merve Teyze. Aber wenn es eine Sache gibt, die ich spätestens an dem Nachmittag in der Garage begriffen habe, dann, dass wir alle auf dieser Welt nur beschissene Gastarbeiter sind, und das Einzige, was du tun kannst, ist, aufstehen und das Leben suchen, solange du noch kannst.
Necati Öziri (Vatermal)
»Wenn ich einem General befehlen würde, wie ein Schmetterling von einer Blume zur anderen zu fliegen, oder ein tragisches Bühnenstück zu schreiben, oder sich selbst in einen Seevogel zu verwandeln, und wenn der General meinen Anordnungen nicht Folge leisten würde, wessen Fehler wäre dies?«, verlangte der König zu wissen. »Der des Generals oder meiner?« »Ihrer«, sagte der kleine Prinz entschieden. »Haargenau. Man muss von jedem den Dienst einfordern, den er auch ausführen kann«, erzählte der König weiter. »Anerkannte Autorität beruht zunächst auf Vernunft. Wenn du deinem Volk anordnest, sich selbst im See zu ertränken, dann würden sie eine Revolution anzetteln. Ich habe das Recht Gehorsam einzufordern, weil meine Befehle angemessen sind.«
Antoine de Saint-Exupéry (Der kleine Prinz: Mit den Zeichnungen des Autors (Aktionspreis))
»Schnuggi«, rief ich, doch Elyas reagierte nicht. Der Typ lief mir einfach viel zu schnell. Es war schwer genug, einen Fuß erfolgreich vor den anderen zu setzen, an Tempo war dabei nicht einmal zu denken. Ich wusste nicht, warum Elyas ausgerechnet heute der Meinung war, er müsse einen neuen Rekord aufstellen. »Niss soo schnell, Elyas … Hicks« »Emely«, sagte er, stoppte und wandte sich zu mir um. »Wenn wir noch langsamer laufen, dann stehen wir.« »Gar nich waahhr.« »Doch, es ist die Wahrheit. Ich warte bereits auf die erste Schnecke, die dich anhupt.« Er harrte aus, bis ich auf gleicher Höhe zu ihm war, und lief weiter. Nur wenige Schritte später bildete ich schon wieder das Schlusslicht. Linker Fuß vor – rechter Fuß vor. So schwer konnte das doch nicht sein? Es erforderte meine gesamte Konzentration und war trotzdem nicht von Erfolg gekrönt. Im Gegenteil, denn im nächsten Augenblick bekam ich den Beweis, wie schwer es tatsächlich war. »Huch!«, brachte ich nur noch hervor, als ich mit dem Fuß umknickte, ins Rudern geriet, gnadenlos das Gleichgewicht verlor und in eine Hecke plumpste. »Emely?«, hörte ich Elyas‘ Stimme in der Ferne fragen. »Wo bist du?« »Hicks.« Erst hörte ich Schritte, dann wackelte die Hecke ein zweites Mal. »Emely! Was … Gott, wenn man dich nur eine Sekunde aus den Augen lässt. Ist dir etwas passiert?« Ich kicherte. »Mr. Busch hat mich aufgefangen … Verstehs su? Mr. Busch!« Elyas seufzte und beugte sich näher über mich. »Hast du dir wehgetan?« »Weiß nisch?« »Mädchen, Mädchen«, sagte er. »Komm her.«
Carina Bartsch (Türkisgrüner Winter (Kirschroter Sommer, #2))
Ich will weder Reichtum noch Rum, weder Macht noch eine Krone", erwiderte die Hexerin. "Ich will ein Pferd, das soll schwarz sein und wie der Nachtwind nicht einzuholen. Ich will ein Schwert, das soll so hell und scharf sein wie das Mondlicht. Ich will in schwarzer Nacht auf meinem schwarzen Pferd durch die Welt reiten, ich will die Mächte des Bösen und der Finsternis mit meinem lichthellen Schwert schlagen. Danach verlangt es mich." "Ich will dir ein Pferd geben, das ist schwärzer als die Nacht und schneller als der Nachtwind", sprach die Fee. Ich will dir ein Schwert geben, dass ist heller und schärfer als ein Strahl Mondlicht. Aber du verlangst nicht wenig, Hexerin, darum wirst du mich teuer bezahlen müssen." "Womit? Ich habe doch nichts." "Mit deinem Blute.
Andrzej Sapkowski
Weißt du eigentlich, dass du einer der ansteckendsten Menschen bist, die ich kenne?", begann er seine Rede. Dann reichte er das Notizbuch mit seinen Aufzeichnungen Emilie. Schweiß perlte auf seiner Stirn. Das T-Shirt unter seinem Hemd war klatschnass. Er spürte ein Ziehen in der Kehle und räusperte sich. "Als wir noch klein waren", sprach er frei weiter, "starben eines Nachmittags Nscho-tschi und Intschu-tschuna - unter der flimmernden Sonne der Prärie. Mein Großvater saß neben Tobias und mir vorm Fernseher. Ich war total fertig, verstand nicht, warum die edle Nscho-tschi, nachdem sie meinen Helden Old Shatterhand so aufopferungsvoll gepflegt hatte, sterben musste. "Weil der Tod ungerecht ist, weil er immer Verlassenwerden und Zurückbleiben bedeutet", sagte mein Großvater. "Einer bleibt immer zurück." Tobias schien etwas ganz anderes zu beschäftigen. "Ich dachte immer, wenn man stirbt, ist es dunkel!", sagte er. Das ist doch jetzt wirklich egal, meinte ich, fand das total dusselig, diese Feststellung, und ich erinnere, dass ich mich sogar ein wenig über die Verwirrung meine Großvaters freute. Normalerweise war ich es, über dessen dumme Bemerkungen der Kopf geschüttelt wurde. Erst heute morgen, als die Sonne aufging, habe ich mich an diese Episode erinnert, an diesen Nachmittag vorm Fernseher und an das, was am Abend folgte, kurz nachdem Großvater in meinem Kinderzimmer das Licht ausgemacht hatte. Tobias, der bei uns übernachtete, war noch immer ganz aufgekratzt. "Wenn ich sterbe", sagte er voller Zuversicht, "wenn ich sterbe, dann scheint die Sonne.
Max Urlacher (Rückenwind - Eine Liebesgeschichte)
Wodka pur war doch noch recht gewöhnungsbedürftig für einen sonst nur bei Anlässen Alkohol trinkenden Menschen wie mich. Teufelszeug! »Weißt, was auch blöd is?«, fragte ich. »Ne.« »Ich weiß nich ma, wo ich hin soll! Aleks und Seba … Sebasch … Basti sind schon weg, glaubsch.« »Wer isn Aleks und Seba-Sebasch-Basti? Ist dea Auslända?« »Ne, Pschychologe.« »Asoo, und wer sind die nu?« »N’ Giftzwerg und ihr blöda, perfekter Freund.« »Verstehe. Und was maxte nun, wenn de nich weißt, wo de hinsollst?« »Weiß ich eben net. Hia bleiben und tringn, denk isch.« »Quatschhh, dann kommsd de mit zu mia!«, sagte er. »Wer issn Mia?« »Na ich.« »Ich dachte, du heißd Jeff?« »Ja, ich meinde, mit zu mirrr«, antwortete er, und dank der extremen – und leider feuchten – Betonung des »R«, verstand es dieses Mal sogar ich.
Carina Bartsch (Türkisgrüner Winter (Kirschroter Sommer, #2))
O du unermesslicher Schatz in deiner Fülle! […] Wie weh mir dann nach dir ist, wenn du mich schonen willst, das könnten dir alle Kreaturen nicht wirklich sagen, wenn sie meine Klage vorbringen würden, denn ich leide unmenschliche Not; Der leibliche Tod wäre mir weit willkommener […] Deswegen muss ich eine schwere Krankheit erdulden, denn du hältst mich gebunden, dies Band ist stärker, als ich es bin, Daher kann ich nicht von der Liebe frei werden. Ich rufe nach dir mit gewaltiger Sehnsucht Und kläglicher Stimme, ich warte auf dich, schweren Herzens, ich kann nicht ruhen, ich brenne Unauslöschlich in deiner heißen Liebe […] Ach, Herr, da du mir alles entzogen hast, was ich von dir habe, so laß mir doch aus Gnade jene Gabe, die du jedem Hund von Natur aus verliehen hast, nämlich, daß ich dir getreu bleibe in meiner Not Ohne jedes Aufbegehren.
Mechthild of Magdeburg (Mechthild von Magdeburg "Das fließende Licht der Gottheit": Nach der Einsiedler Handschrift in kritischem Vergleich mit der gesamten Überlieferung. ... des Mittelalters, 101) (German Edition))
Du bist immer allzu bescheiden gewesen, Vergil, doch kein Mann falscher Bescheidenheit; es ist mir klar, daß du deine Gaben absichtlich schlecht machen willst, um sie uns schließlich hinterrücks zu entziehen.' Nun war es ausgespochen, ach, nun war es ausgesprochen – unbeirrbar und hart ging der Cäsar auf sein Ziel los, un nichts wird ihn hindern, die Manuskripte zu rauben: 'Octavian, laß mir das Gedicht!' 'Sehr richtig, Vergil, das ist es ... Lucius Varius und Plotius Tucca haben mir von deinem erschreckenden Vorhaben berichtet, und gleich ihnen wollte ich es nicht glauben ... gedenkst du tatsächlich deine Werke zu vernichten?' Schweigen breitete sich im Raume aus, ein strenges Schweigen, das fahl und dünnstrichig konturiert in dem nachdenklich strengen Gesicht des Cäsars seinen Mittelpunkt hatte. Im Nirgendwo klagte etwas sehr leise und auch dies so dünn und geradlinig wie die Falte zwischen des Augustus Augen, dessen Blick auf ihn ruhte. 'Du schweigst', sagte der Cäsar, 'und dies heißt wohl, daß du dein Geschenk tatsächlich zurückziehen willst ... bedenke, Vergil, es ist die Äneis! deine Freunde sind sehr betrübt, und ich, du weißt es, ich rechne mich zu ihnen.' Plotias leises Klagen wurde vernehmlicher; dünn aneinandergereiht, betonungslos kamen die Worte: 'Vernichte die Dichtung, gib mir dein Schicksal; wir müssen uns lieben.' Das Gedicht vernichten, Plotia lieben, Freund dem Freunde sein, seltsam überzeugend fügte sich Verlockung an Verlokkung, und doch war es nicht Plotia, die daran teilnehmen durfte: 'Oh, Augustus, es geschieht um unserer Freundschaft willen; dringe nicht in mich.' 'Freundschaft? ... du sprichst, als ob wir, deine Freunde, unwert wären, dein Geschenk zu behalten.
Hermann Broch (The Death of Virgil)
»Der Igel ist ein fürchterliches Geschöpf«, rief Faline. »Voll großer Stacheln am ganzen Körper . . . und dazu noch sehr böse!« »Glaubst du wirklich, daß er böse ist?« fragte Gobo. »Er tut doch niemandem etwas zuleide.« »So?« erwiderte Faline schnell, »hat er dich vielleicht nicht gestochen?« »Ach, das war nur, weil ich mit ihm reden wollte«, wendete Gobo ein, »und nur ein kleines bißchen. Es hat nicht sehr weh getan.« Bambi wandte sich an Gobo: »Warum wollte er denn nicht, daß du mit ihm redest?« »Er will mit niemandem reden«, mengte sich Faline ein. »Sowie man nur in seine Nähe kommt, rollt er sich zusammen, und dann siehst du von allen Seiten nur seine Stacheln. Unsere Mutter sagt, er ist so einer, der mit der Welt nichts zu tun haben will.« Gobo meinte: »Vielleicht fürchtet er sich nur.« Aber Faline verstand das besser: »Die Mutter sagt, mit so jemandem soll man sich gar nicht einlassen.«
Felix Salten (Bambi: Eine Lebensgeschichte aus dem Walde (German Edition))
Ich entsinne mich, mit welcher Verwunderung sie auf die Rue Saint-Louis en l'Île blickte, und tatsächlich war schwer vorstellbar, dass in derselben Stadt, in der es die vom Place de l'Étoile ausgehenden Avenuen gibt, sich auch diese enge und düstere Gasse zwischen zwei Reihen unendlich alter Häuser befindet, durchdrungen vom Moder der Jahrhunderte, gegen den jegliche Zivilisation machtlos ist. Es war schon im späten Frühjahr, da erblickten wir nach der langen Kälte des Winters und nach all seinen traurigen Landschaften, ohne irgendwo hin zu fahren, ein anderes Paris: durchsichtige Nächte, fernes Abendrot über dem Montmartre und lange Reihen von Kastanien auf dem Boulevard Arago, auf den wir seltsamerweise mehrmals hintereinander stießen. Ich hielt beim Gehen ihre Taille umfasst, und sie sagte mit träger und ruhiger Stimme, ohne jede Spur von Protest: "Also, Chéri, du verhältst dich ganz wie ein Apache.
Gaito Gazdanov (Het fantoom van Alexander Wolf)
Weißt du, früher hatte ich voll die Schwierigkeiten mit dem steirischen Dialekt", murmle ich und betrachte jeden Millimeter seines Gesichts. "Zu Hause haben wir ja nur Urdu oder Punjabi gesprochen und im Fernsehen und im Unterricht sprachen alle immer hochdeutsch. Manchmal in Reality Shows mit diesem deutsch-deutschen Akzent halt. Aber Steirisch hörte ich nur von den anderen Kindern, die es wegen ihrer Eltern sprachen, und es gab echt viele Ausdrücke, die ich nicht verstand. Und da war dieses eine Mädchen, das sich immer darüber lustig gemacht hat, wenn ich nachfragte. Sie hat in der ganzen Klasse rumgeschrien, wie dumm es von mir war, dass ich es nicht besser wusste." "Als ob man sich dafür entschuldigen müsste, dass man mehrsprachig aufwächst", murrt Tariq. "Oder?" "Nuh hatte früher auch viele Probleme mit seinen Mitschülern. Die haben ihn immer wegen seines Namens geärgert, deswegen nennt er sich jetzt lieber Noah." "Oha. Als ob er sich selbst white washed." "Jap. Kinder können grausam sein.
Mehwish Sohail (Like water in your hands (Like This, #1))
Benaja aber zog sein Schwert und sprach: „Hat nicht Joab selbst erklärt, daß er hier sterben will? Ich überbrachte sein Wort dem König; und der König sagte mir: Tue denn, wie er gesagt hat, und schlag ihn und begrabe ihn, daß du das unschuldige Blut, das Joab vergossen hat, von mir nimmst und von meines Vaters Hause. Und der HErr bringe Joabs Blut auf dessen eignes Haupt, der Männer mit dem Schwert erwürgte, die gerechter und besser waren als er, mein Vater David aber wußte nichts davon. Ihr Blut komme darum zurück auf das Haupt Joabs, und auf das Haupt seiner Nachkommen ewiglich: doch auf David und auf seinen Nachkommen und auf seinem Haus und seinem Thron soll der Friede des HErrn sein für immer und alle Zeit. So sprach der König Salomo.“ Benaja ben Jehojada schritt vorbei an dem Priester Zadok und den anderen Priestern, und mit dem Schwert in der Hand trat er zum Altar des HErrn; die Priester aber beeilten sich, die großen Vorhänge zu senken, um derart das Tabernakel zu schließen und alles, was darin war, vor der Sicht des Volkes zu verhüllen.
Stefan Heym (The King David Report (European Classics))
Soll ich dir eine Geschichte erzählen? Nein. Warum nicht? Der Junge sah ihn an und wandte den Blick ab. Warum nicht? Diese Geschichten sind nicht wahr. Das müssen sie auch nicht sein. Es sind Geschichten. Ja. Aber in den Geschichten helfen wir andauernd jemanden, dabei tun wir das in Wirklichkeit gar nicht. Warum erzählst du mir nicht eine Geschichte? Ich will nicht. Okay. Ich habe keine Geschichten zu erzählen. Du könntest mir eine Geschichte über dich selbst erzählen. Die Geschichten über mich kennst du alle. Du warst dabei. Du hast Geschichten in deinem Inneren, von denen ich nichts weiß. Du meinst, so was wie Träume? Ja. Oder einfach Sachen, über die du nachdenkst. Ja, aber Geschichten sollen doch schön sein. Nicht unbedingt. Du erzählst immer schöne Geschichten. Kennst du denn keine schönen? Meine haben mehr mit dem wirklichen Leben zu tun. Und meine nicht? Deine nicht. Nein. Der Mann betrachtete ihn. Und das wirkliche Leben ist ziemlich übel? Was denkst du denn? Tja, ich denke, es gibt uns noch. Es sind viele schlimme Sachen passiert, aber es gibt uns immer noch. Ja. Du findest das nicht so toll. Es ist okay.
Cormac McCarthy (The Road)
Du müsstest endlich vorwärtskommen." "Ich kann doch nichts." "Du kannst vieles." "Das ist dasselbe", meinte Fabian. "Ich kann vieles und will nichts. Wozu soll ich vorwärtskommen? Wofür und wogegen? Nehmen wir einmal an, ich sei der Träger einer Funktion. Wo ist das System, in dem ich funktionieren kann? Es ist nicht da, und nichts hat Sinn." "Doch, man verdient beispielsweise Geld." [...] "Wozu soll ich Geld verdienen? Was soll ich mit dem Geld anfangen? Um satt zu werden, muss man nicht vorwärtskommen. Ob ich Adressen schreibe, Plakate bedichte oder mit Rotkohl handle, ist mir und ist überhaupt gleichgültig. Sind das Aufgaben für einen erwachsenen Menschen? Rotkohl en gros oder en detail, wo steckt der Unterschied? Ich bin kein Kapitalist, wiederhole ich dir! Ich will keine Zinsen, ich will keinen Mehrwehr." Labude schüttelte den Kopf. "Das ist Indolenz. Wer Geld verdient und es nicht liebt, kann es gegen Macht eintauschen." "Was fange ich mit der Macht an?", fragte Fabian. "Ich weiß, du suchst sie. Aber was fange ich mit der Macht an, da ich nicht mächtig zu sein wünsche? Machthunger und Geldgier sind Geschwister, aber mit mir sind sie nicht verwandt.
Erich Kästner (Fabian: die Geschichte eines Moralisten)
Es hat sich vor meiner Seele wie ein Vorhang weggezogen, und der Schauplatz des unendlichen Lebens verwandelt sich vor mir in den Abgrund des ewig offenen Grabes. Kannst du sagen: Das ist! Da alles vorübergeht? Da alles mit der Wetterschnelle vorüberrollt, so selten die ganze Kraft seines Daseins ausdauert, ach, in den Strom fortgerissen, untergetaucht und an Felsen zerschmettert wird? Da ist kein Augenblick, der nicht dich verzehrte und die Deinigen um dich her, kein Augenblick, da du nicht ein Zerstörer bist, sein musst; der harmloseste Spaziergang kostet tausend armen Würmchen das Leben, es zerrüttet ein Fußtritt die mühseligen Gebäude der Ameisen und stampft eine kleine Welt in ein schmähliches Grab. Ha! Nicht die große, seltne Not der Welt, diese Fluten, die eure Dörfer wegspülen, diese Erdbeben, die eure Städte verschlingen, rühren mich; mir untergräbt das Herz die verzehrende Kraft, die in dem All der Natur verborgen liegt; die nichts gebildet hat, das nicht seinen Nachbar, nicht sich selbst zerstörte. Und so taumle ich beängstigt. Himmel und Erde und ihre webenden Kräfte um mich her: ich sehe nichts als ein ewig verschlingendes, ewig wiederkäuendes Ungeheuer.
Johann Wolfgang von Goethe (The Sorrows of Young Werther)
Der aufgeregte Ausruf lenkte die Aufmerksamkeit aller jäh auf Elam, Mrs Langstons Sohn, der auf einen dunklen Punkt in der Nähe eines entfernten Hügelkamms deutete. Ein Reiter war dort von den Rauchwolken ausgespuckt worden und jagte, den Oberkörper tief über den Hals seines grauen Pferdes gebeugt, in halsbrecherischem Tempo auf die Ranch zu. Katherine verspürte ein mulmiges Flattern in der Magengegend. Angst erfasste sie. Brachte er schlechte Neuigkeiten? Waren ihre Männer und die Rinderherde etwa dem Feuer zum Opfer gefallen? »Das is’ Danny!« Grouch hatte die Augen mit der Hand beschattet, um den Reiter besser erkennen zu können. Katherines Herz setzte einen Schlag aus. Ohne nachzudenken, sprang sie von der Veranda und lief ihrem Stiefbruder mit gerafften Röcken entgegen. Ihre Beine schienen sich wie von selbst zu bewegen. Das trockene Gras knisterte unter ihren Stiefeln, während sie an Beifußsträuchern und Feigenkakteen vorbeirannte; mit jedem Tritt wirbelten ihre Absätze kleine Staubfontänen auf. Schweiß rann ihr den Rücken hinunter, ihre Rippen schmerzten unter dem geschnürten Korsett. Die Hitze ließ die Luft flirren. Sie hörte, wie Willie, der sich offensichtlich an ihre Fersen geheftet hatte, Dannys Namen rief, doch sie hielt ihn nicht davon ab, ihr zu folgen. Einige Minuten vergingen, während sie keuchend über die Grasebene hetzte, dann hatte Danny sie erreicht und brachte sein Pferd schlitternd vor ihr zum Stehen. Mit einer hastigen Bewegung riss er sich das Halstuch vom Gesicht, das von Schweiß und Ruß dunkel verschmiert war. »Habt ihr den Verstand verloren?«, fuhr er sie an, während er seinen nervösen, schweißbedeckten Wallach zu zügeln versuchte. »Habt ihr den ganzen Rauch nicht gesehen? Ihr müsst so schnell wie möglich fort von hier, verdammt!« Katherine rang mühsam nach Atem, nicht in der Lage, ihm zu antworten. Wegen der drückenden Hitze und des engen Korsetts war ihr ganz schwindelig. Hektisch sprang Danny aus dem Sattel und streckte Willie die Zügel hin. »Los, rauf mit dir und sag den anderen, sie sollen sich beeilen!«, befahl er dem Jungen. Ohne Umschweife hob er Willie in den Sattel und gab dem Wallach einen kräftigen Klaps auf die Hinterhand. Augenblicklich preschte der Schimmel los. »W–Was ist mit den Männern und der Herde?«, brachte Katherine keuchend hervor. Ihr Puls raste so sehr in ihrer Brust, dass es wehtat. »Sorg dich lieber um dich selbst, Mädel!« Danny packte sie am Arm und zog sie grob mit sich, als er sich in Richtung Ranch in Bewegung setzte. »Du musst mit den anderen schnellstmöglich zum Fort. Starke Windböen heizen das Feuer an, so dass es sich rasch ausbreitet. Ich weiß nicht, ob die Brandschneise es aufhalten wird.«
Melanie Nova (Die Avantgardistin: Westwärts (German Edition))
… Das verschlug mir für einen Moment die Sprache, ich hatte nicht gedacht, dass es so schlimm um sie stand. »Das tut mir leid … Kann ich irgendetwas tun?« Nat lächelte schwach. »Hast du das nicht schon? Danke. Hau dich lieber ins Bett. Du musst früh raus. Oder hast du morgen keine Schicht?« Während ich die restliche Soße in einen Behälter füllte und in den Kühlschrank stellte, nickte ich bejahend. »Stimmt, Punkt fünf muss ich dort sein, um bei den Vorbereitungen zu helfen.« Seit ich vor sechs Monaten aus Amerika zurückgekommen war, jobbte ich als Frühstückskellner im Radisson Blu Palais Hotel, direkt am Parkring. Eine feine Adresse in Wien, vollgestopft mit gut betuchten Damen, die gerne zu viel Trinkgeld gaben. Mir konnte das mehr als Recht sein. Nur das Aufstehen war die Hölle. »Du weißt, wie streng meine Chefin ist, da gibt es kein Zuspätkommen.« Bei meinen Worten prustete Nat los: »Ja klar, als ob du sie nicht schon längst um den Finger gewickelt hättest mit deinen tiefblauen Augen«, wobei er das Wort tiefblau mit den Fingern in Anführungszeichen setzte und zu quietschen versuchte, wie es eine Bekannte von uns letzten Samstag auf einer Party getan hatte. Verspielt klimperte ich mit den Wimpern und lehnte mich an die Küchenzeile. Wieder musste Nat schmunzeln, wobei er dieses Mal schluckte, bevor er weiterredete: »Hör auf mit dem Scheiß. Verdammt, wenn ich eine Braut wäre, würde ich auch auf dich stehen. Aber weißt du was?« Nun tippte er mit der leeren Gabel in meine Richtung. »Ich würde nie mit dir ins Bett gehen, weil ich Angst vor Syphilis hätte.« Theatralisch griff ich mir mit der Hand an die Brust und verzog schmerzverzerrt das Gesicht. »Das tut weh! Dabei wärst du so eine geile Schnitte, mit deinen blonden Locken und braunen Augen. Du brichst mir das Herz.« Endlich erreichte Nats Lächeln auch wieder seine Augen und ich atmete innerlich erleichtert auf, bevor ich weiter blödelte. »Du bräuchtest dir gar keine Sorgen darum zu machen, Schatz. Ich nehme doch immer ein Kondom.« »Zum Glück«, betonte er laut, »für die ganze Stadt, sonst würden drei Viertel der Frauen bereits krank im Spital liegen.« Damit brachte er auch mich zum Lachen. »Du bist ein Idiot.« Anstatt mir eine schnelle Retourkutsche zu verpassen, zwinkerte er mir zu und stopfte sich genüsslich den nächsten Happen in den Mund. »Deshalb ist es auch keine schlechte Idee, wenn du wieder losziehst, um die Frauen anderer Städte zu beglücken, damit unsere in Frieden weiterleben können. Weißt du schon, wann es soweit ist?« Eigentlich hatte ich vorgehabt, spätestens im Herbst aufzubrechen und wieder für einige Zeit in Amerika herumzustreunen. Doch so wie mich Nat jetzt anguckte, wie ein zurückgelassener Welpe, meldete sich mein schlechtes Gewissen. Daher zuckte ich mit den Schultern. »Keine Ahnung. In den nächsten Monaten vielleicht. Warum?« Er fragte nicht grundlos, etwas in seinem Blick machte mich unruhig, aber ich konnte nicht sagen was oder warum. Wir hatten die letzten Wochen schon einige Male darüber geredet. Bisher hatte er noch nie Probleme damit gehabt, dass ich manchmal für drei, vier Monate aus dem Land verschwand. Nat leckte die Gabel ab und stellte das Geschirr in die Spüle. »Nichts. Nur so.« … (Bildquelle: pinterest) ‪
Martina Riemer
Mach dir keinen Kummer, ich werde dich lieben und dir die schrecklichen Sachen ersparen, von denen dir deine Schulfreundinnen erzählen: Sachen, wie sie angeblich in Hochzeitsnächten passieren; glaub dem Geflüster dieser Närrinnen nicht; wir werden lachen, wenn es soweit ist, bestimmt, ich verspreche es dir, aber du mußt noch warten, ein paar Wochen, höchstens einen Monat, bis ich den Blumenstrauß kaufen, die Droschke mieten, vor eurem Haus vorfahren kann. Wir werden reisen, uns die Welt anschauen, du wirst mir Kinder schenken, fünf, sechs, sieben; die Kinder werden mir Enkel schenken, fünfmal, sechsmal, siebenmal sieben; du wirst nie merken, daß ich arbeite; ich werde dir den Männerschweiß ersparen, Muskelernst und Uniformernst; alles geht mir leicht von der Hand, ich hab's gelernt, ein bißchen studiert, hab den Schweiß im voraus bezahlt; ich bin kein Künstler; mach dir keine Illusionen; ich werde dir weder falsche noch echte Dämonie bieten können, das wovon dir deine Freundinnen Gruselmärchen erzählen, werden wir nicht im Schlafzimmer tun, sondern im Freien: du sollst den Himmel über dir sehen. Blätter oder Gräser sollen dir ins Gesicht fallen, du sollst den Geruch eines Herbstabends schmecken und nicht das Gefühl haben, an einer widerwärtigen Turnübung teilzunehmen, zu der du verpflichtet bist; du sollst herbstliches Gras riechen, wir werden im Sand liegen, unten am Flußufer, zwischen den Weidenbüschen, gleich oberhalb der Spur, die das Hochwasser hinterließ; Schlifstengel, Korken, Schuhkremdosen, eine Rosenkranzperle, die einer Schifferfrau über Bord fiel, und in einer Limonadenflasche eine Post; in der Luft der bittere Rauch der Schiffsschornsteine; rasselnde Ankerketten; wir werden keinen blutigen Ernst draus machen, obwohl's natürlich ernst und blutig ist".
Heinrich Böll (Billard um halbzehn / Ansichten eines Clowns / Ende einer Dienstfahrt)
»Sie haben uns förmlich von der Außenwelt abgeschnitten, Josua,« unterbrach Zwakh die Stille, »seit Sie das Fenster geschlossen haben, hat niemand mehr ein Wort gesprochen.« »Ich dachte nur darüber nach, als vorhin die Mäntel so flogen, wie seltsam es ist, wenn der Wind leblose Dinge bewegt,« antwortete Prokop schnell, wie um sich wegen seines Schweigens zu entschuldigen: »Es sieht gar so wunderlich aus, wenn Gegenstände plötzlich zu flattern anheben, die sonst immer tot daliegen. Nicht? – Ich sah einmal auf einem menschenleeren Platz zu, wie große Papierfetzen, – ohne daß ich vom Winde etwas spürte, denn ich stand durch ein Haus gedeckt, – in toller Wut im Kreise herumjagten und einander verfolgten, als hätten sie sich den Tod geschworen. Einen Augenblick später schienen sie sich beruhigt zu haben, aber plötzlich kam wieder eine wahnwitzige Erbitterung über sie, und in sinnlosem Grimm rasten sie umher, drängten sich in einen Winkel zusammen, um von neuem besessen auseinander zu stieben und schließlich hinter einer Ecke zu verschwinden. Nur eine dicke Zeitung konnte nicht mitkommen; sie blieb auf dem Pflaster liegen und klappte haßerfüllt auf und zu, als sei ihr der Atem ausgegangen und als schnappe sie nach Luft. Ein dunkler Verdacht stieg damals in mir auf: was, wenn am Ende wir Lebewesen auch so etwas Ähnliches wären wie solche Papierfetzen? – Ob nicht vielleicht ein unsichtbarer, unbegreiflicher »Wind« auch uns hin und her treibt und unsre Handlungen bestimmt, während wir in unserer Einfalt glauben unter eigenem, freiem Willen zu stehen? Wie, wenn das Leben in uns nichts anderes wäre als ein rätselhafter Wirbelwind? Jener Wind, von dem die Bibel sagt: Weißt du, von wannen er kommt und wohin er geht? – – – Träumen wir nicht auch zuweilen, wir griffen in tiefes Wasser und fingen silberne Fische, und nichts anderes ist geschehen, als daß ein kalter Luftzug unsere Hände traf?«
Gustav Meyrink
zumal, die auslud, und an der Baulichkeiten terrassenförmig aufstiegen. Links liefen Pfade die Wiesenhänge hinan und verloren sich in der stumpfen Schwärze der Nadelwälder. Die entfernteren Bergkulissen, hinten am Ausgang, gegen den das Tal sich verjüngte, zeigten ein nüchternes Schieferblau. Da ein Wind sich aufgemacht hatte, wurde die Abendkühle empfindlich. „Nein, ich finde es offen gestanden nicht so überwältigend“, sagte Hans Castorp. „Wo sind denn die Gletscher und Firnen und die gewaltigen Bergesriesen? Diese Dinger sind doch nicht sehr hoch, wie mir scheint.“ „Doch, sie sind hoch“, antwortete Joachim. „Du siehst die Baumgrenze fast überall, sie markiert sich ja auffallend scharf, die Fichten hören auf, und damit hört alles auf, aus ist es, Felsen, wie du bemerkst. Da drüben, rechts von dem Schwarzhorn, dieser Zinke dort, hast du sogar einen Gletscher, siehst du das Blaue noch? Er ist nicht groß, aber es ist ein Gletscher, wie es sich gehört, der Scaletta-Gletscher. Piz Michel und Tinzenhorn in der Lücke, du kannst sie von hier aus nicht sehen, liegen auch immer im Schnee, das ganze Jahr.“ „In ewigem Schnee“, sagte Hans Castorp. „Ja, ewig, wenn du willst. Doch, hoch ist das alles schon. Aber wir selbst sind scheußlich hoch, mußt du bedenken. Sechzehnhundert Meter über dem Meer. Da kommen die Erhebungen nicht so zur Geltung.“ „Ja, war das eine Kletterei! Mir ist angst und bange geworden, kann ich dir sagen. Sechzehnhundert Meter! Das sind ja annähernd fünftausend Fuß, wenn ich es ausrechne. In meinem Leben war ich noch nicht so hoch.“ Und Hans Castorp nahm neugierig einen tiefen, probenden Atemzug von der fremden Luft. Sie war frisch – und nichts weiter. Sie entbehrte des Duftes, des Inhaltes, der Feuchtigkeit, sie ging leicht ein und sagte der Seele nichts. „Ausgezeichnet!“ bemerkte er höflich. „Ja, es ist ja eine berühmte Luft. Übrigens präsentiert sich die Gegend heute abend nicht
Thomas Mann (Der Zauberberg Band 1 & 2: Restaurierte Klassiker für unterwegs (Classics To Go) (German Edition))
Ehre und Scham vor dem Schlafe! Das ist das Erste! Und Allen aus dem Wege gehn, die schlecht schlafen und Nachts wachen! Schamhaft ist noch der Dieb vor dem Schlafe: stets stiehlt er sich leise durch die Nacht. Schamlos aber ist der Wächter der Nacht, schamlos trägt er sein Horn. Keine geringe Kunst ist schlafen: es thut schon Noth, den ganzen Tag darauf hin zu wachen. Zehn Mal musst du des Tages dich selber überwinden: das macht eine gute Müdigkeit und ist Mohn der Seele. Zehn Mal musst du dich wieder dir selber versöhnen; denn Überwindung ist Bitterniss, und schlecht schläft der Unversöhnte. Zehn Wahrheiten musst du des Tages finden: sonst suchst du noch des Nachts nach Wahrheit, und deine Seele blieb hungrig. Zehn Mal musst du lachen am Tage und heiter sein: sonst stört dich der Magen in der Nacht, dieser Vater der Trübsal. Wenige wissen das: aber man muss alle Tugenden haben, um gut zu schlafen. Werde ich falsch Zeugniss reden? Werde ich ehebrechen? Werde ich mich gelüsten lassen meines Nächsten Magd? Das Alles vertrüge sich schlecht mit gutem Schlafe. Und selbst wenn man alle Tugenden hat, muss man sich noch auf Eins verstehn: selber die Tugenden zur rechten Zeit schlafen schicken. Dass sie sich nicht mit einander zanken, die artigen Weiblein! Und über dich, du Unglückseliger! Friede mit Gott und dem Nachbar: so will es der gute Schlaf. Und Friede auch noch mit des Nachbars Teufel! Sonst geht er bei dir des Nachts um. Ehre der Obrigkeit und Gehorsam, und auch der krummen Obrigkeit! So will es der gute Schlaf. Was kann ich dafür, dass die Macht gerne auf krummen Beinen Wandelt? Der soll mir immer der beste Hirt heissen, der sein Schaf auf die grünste Aue führt: so verträgt es sich mit dem gutem Schlafe. Viel Ehren will ich nicht, noch grosse Schätze: das entzündet die Milz. Aber schlecht schläft es sich ohne einen guten Namen und einen kleinen Schatz. Eine kleine Gesellschaft ist mir willkommener als eine böse: doch muss sie gehn und kommen zur rechten Zeit. So verträgt es sich mit gutem Schlafe. Sehr gefallen mir auch die Geistig-Armen: sie fördern den Schlaf. Selig sind die, sonderlich, wenn man ihnen immer Recht giebt. Also läuft der Tag dem Tugendsamen. Kommt nun die Nacht, so hüte ich mich wohl, den Schlaf zu rufen! Nicht will er gerufen sein, der Schlaf, der der Herr der Tugenden ist! Sondern ich denke, was ich des Tages gethan und gedacht. Wiederkäuend frage ich mich, geduldsam gleich einer Kuh: welches waren doch deine zehn Überwindungen? Und welches waren die zehn Versöhnungen und die zehn Wahrheiten und die zehn Gelächter, mit denen sich mein Herz gütlich that? Solcherlei erwägend und gewiegt von vierzig Gedanken, überfällt mich auf einmal der Schlaf, der Ungerufne, der Herr der Tugenden. Der Schlaf klopft mir auf meine Auge: da wird es schwer. Der Schlaf berührt mir den Mund: da bleibt er offen. Wahrlich, auf weichen Sohlen kommt er mir, der liebste der Diebe, und stiehlt mir meine Gedanken: dumm stehe ich da wie dieser Lehrstuhl. Aber nicht lange mehr stehe ich dann: da liege ich schon.
Friedrich Nietzsche (Thus Spoke Zarathustra)